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Der Anfang vom Ende von Aids – schaffen wir das bis 2015?


Dec 4th, 2012 7:29 PM UTC
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“Der Anfang vom Ende” – das könnte für einige nach bevorstehendem Weltuntergang oder zumindest doch des Abendlandes klingen. Aber wenn wir eine globale Armutskrankheit wie Aids betrachten, dann ist “der Anfang vom Ende” eine Nachricht zum Jubeln; nicht zum Fürchten. Der neue ONE-Bericht “Der Anfang vom Ende? Zum Stand der globalen Verpflichtungen im Kampf gegen HIV/Aids” macht Mut. Er zeigt aber auch auf, warum wir die Arme noch nicht zum Jubeln hochreißen dürfen.

Foto Am letzten Mittwoch im November hatte ONE interessierten NGOs und Mitarbeitern von Abgeordneten den Bericht in Berlin vorgestellt. Somit lag der Bericht nicht nur vor dem Weltaidstag sondern auch vor einer Plenumsdebatte im Bundestag zum Antrag “Für eine Generation frei von Aids/HIV bis 2015″ der SPD. In dem parlamentarischen Antrag ging es darum, dass die Politik ihre Anstrengungen im globalen Kampf gegen HIV/Aids verstärkt. Das ist auch das Anliegen des ONE Berichtes. Ich empfehle den Bericht, mindestens die Zusammenfassung, zu lesen. Wer aber ganz schnell einen Überblick gewinnen will, kann jetzt weiterlesen:

Wer ONEs neuen Bericht durchstöbert, stößt schon in der Zusammenfassung auf Nachrichten, die einem Mut machen:

So erhalten inzwischen 8 Millionen Aids-Patienten lebensrettende Behandlung. Dies sind erstmals in der Geschichte der Epidemie über die Hälfte der Menschen, die sie benötigen.

Das wir in nicht allzu ferner Zukunft eventuell doch jubeln könnten, liegt daran, dass die Weltgemeinschaft auf UN-Ebene im Jahr 2011 zugesagt hat, bis 2015 drei Ziele umzusetzen:

  • die Verhinderung der Mutter-zu-Kind-Übertragung des Virus
  • die Behandlung von 15 Millionen Aids-Kranken mit lebensrettenden Medikamenten
  • die drastische Reduzierung von Neuinfektionen auf rund 1.1 Millionen

Wenn diese Ziele eingehalten werden, dann wäre bis 2015 der Anfang vom Ende von Aids erreicht. Wir definieren den „Anfang vom Ende von Aids“ als den Zeitpunkt, zu dem die Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen niedriger ausfällt als die Zahl der Menschen, die jährlich neu in Behandlungsprogramme aufgenommen werden.

Lege man die derzeitigen Fortschrittsraten zugrunde, dann wird die Weltgemeinschaft dieses hehre Ziel ohne weitere Anstrengungen frühestens 2022 erreichen. Um dennoch bis 2015 zum Ziel zu kommen, müsste sich durch verstärkte Prävention die Anzahl verhinderter Infektionen ungefähr verdoppeln. Gleichzeitig müssten die aktuellen Steigerungsraten bei den Behandlungszahlen jährlich um 140 000 Behandelte steigen.

Gerade im Bereich der Prävention müssen Konzepte hinterfragt und neue Ansätze verfolgt werden. Beispielsweise ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass eine frühe Behandlung das Infektionsrisiko um 96% vermindert. Neben einer programmatischen Modernisierung wird das Ziel aber auch nur mit zusätzlicher Finanzierung erreichbar sein. Wenn man den von UNAIDS geschätzten Finanzierungsbedarf mit den tatsächlich geflossenen Mitten vergleicht, ergibt sich eine jährliche Finanzierungslücke von mindestens 6 Milliarden US-Dollar. Diese Finanzierungslücke muss durch wachsende Beiträge diverser Akteure, darunter europäische Geber, Schwellenländer und afrikanische Regierungen, geschlossen werden. Auch Deutschland sollte sich stärker engagieren: obwohl die deutsche Regierung kontinuierlich in multilaterale, bilaterale und innovative Programme für HIV/Aids investiert hat, befindet sich Deutschland nur auf dem vierten Platz innerhalb der G7.

Die nächsten Schritte für Deutschland sind unserer Ansicht nach ein öffentliches Bekenntnis zum „Anfang vom Ende von Aids” von der Bundeskanzlerin. Der ONE-Bericht zitiert wörtliche Aussagen von Präsident Obama, Premier Cameron und Präsident Hollande zu dem Anfang vom Ende von Aids. In der Galerie mächtiger Staatenlenker fehlt leider noch das Wort von Frau Merkel. Das Jahr 2013 wird mehrere Möglichkeiten bieten, Ernsthaftigkeit in Bezug auf den „Anfang vom Ende von Aids” unter Beweis zu stellen. Besonders der Wiederauffüllungsprozess des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria steht hier zentral. Da Deutschland bei der letzten Wiederauffüllungsrunde keine zusätzlichen Beiträge zusagte, sollte es seine Beiträge an den Fonds nun auf einen angemessenen Finanzierungsanteil verdoppeln.

Ob wir 2015 den “Anfang vom Ende” feiern können, oder die Umsetzung politischer Zusagen im globalen Kampf gegen HIV/Aids eher ein Grund zum Fürchten ist, liegt auch an jedem von uns. Bitte helft Druck auf die Staats- und Regierungschefs auszuüben, indem Ihr unsere Petition unterstützt.

- Andreas Hübers -

TAGS: Angela Merkel, Barack Obama, Deutschland, Gesundheit, HIV/Aids, ONE, Was wir lesen

 

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