Jun 25th, 2012 8:00 AM UTC
By Sergius Seebohm
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Eines der wichtigsten Dinge, die wir hier bei ONE versuchen ist es, die reichen Länder an ihren Versprechen an die ärmsten Menschen der Welt zu messen. Wir erträumen uns keine utopischen Forderungen. Wir rechnen nach, ob die Regierungen das tun, wozu sie sich selbst verpflichtet haben. Jedes Jahr erstellen wir dazu einen umfangreichen Bericht — den DATA Bericht.
Sechs Jahre kang hat der DATA Bericht gemessen, wie die G7-Staaten mit der Einhaltung ihres Versprechens von Gleneagles aus dem Jahr 2005 vorankommen. Dieses Versprechen ist 2010 ausgelaufen. Dieses Jahr richtet der DATA Bericht seinen Blick deshalb auf die Europäische Union und ihr mutiges Versprechen, die Finanzierung von Armutsbekämpfung bis zum Jahr 2015 noch weiter zu erhöhen.
Inmitten den Krise und harter Sparprogramme in ganz Europa ist dieser Bericht besonders wichtig. Es ist leicht, großzügig zu sein, wenn man im Überfluss lebt. In der Krise zählen Versprechen an die Ärmsten der Welt um so mehr.
Der DATA Bericht 2012 zeigt, dass einige der ärmsten Menschen der Welt den Preis für die Wirtschaftskrise zahlen. Die Entwicklungsfinanzierung von Ländern der Europäischen Union sank im letzten Jahr zum ersten Mal seit zehn Jahren. 14 Staaten haben ihre Entwicklungsfinanzierung gekürzt. Viele der Geber sind mit ihren Versprechen an Afrika weit vom Kurs abgekommen. Es ist sicher kaum überraschend, dass die härtesten Einschnitte bei den Ländern erfolgten, die von Krise am stärksten getroffen sind, z.B. Spanien und Griechenland.
Aber das ist nicht das ganze Bild. Der Bericht zeigt auch, dass manche Länder an ihrer Armutsbekämpfung festhalten. Deutschland, Schweden, Italien und Belgien erhöhten ihre Entwicklungsfinanzierung im letzten Jahr sogar. Irland und die Niederlande hielten an ihren Versprechen an die ärmsten Menschen auch in der Krise fest. Und Großbritannien bleibt weiter auf bestem Wege, sein Versprechen von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung ab März 2013 einzuhalten.
Manche mögen sagen, dass Europa im Moment keine Wahl hat als während der Krise auch an der Entwicklunszusammenarbeit zu sparen. Die Wirtschaftskrise setzt aber auch Europas Versprechen an Afrika ins Verhältnis. Die EU-Staatschefs haben innerhalb von Tagen 100 Milliarden Euro aufgebracht, um die spanischen Banken zu retten. Das ist das fünffache dessen, was Europa bis 2015 für Afrika versprochen hatte. Diese Gelder könnten enorme viel bewirken. In die Produktivität von Landwirtschaft investiert könnten sie z.B. 20 Millionen Menschen aus extremer Armut befreien. Eine Summe, die im Kontext europäischer Ausgaben klein erscheint – aber einen Riesenunterschied für jene bedeuten kann, die immernoch in Armut leben.
Bald kommt eine Chance für die europäischen Regierungschefs, das Ruder herumzudrehen. Derzeit verhandeln sie über den Etat der Europäischen Union für die nächsten sieben Jahre. Von über einer Billion Euro sollen 51 Milliarden Euro – also etwa fünf Prozent – für Armutsbekämpfung ausgegeben werden. es ist sehr wichtig, dass es bei dieser Summe bleibt und sie nicht etwa gekürzt wird.
Wenn Merkel, Hollande, Cameron und die übrigen Regierungschefs sich Ende dieser Woche in Brüssel treffen, sollte der DATA Bericht sie daran erinnern, dass ihr Versprechen an Afrika nicht vergessen wurde.
Die Ergebnisse des DATA Berichts findet ihr in übersichtlichen, interaktiven Grafiken unter www.one.org/databericht.
TAGS: Afrika, Angela Merkel, DATA Bericht, Deutschland, Entwicklungszusammenarbeit, Frankreich, G8, Großbritannien, Haushaltsverhandlungen, Landwirtschaft, ONE, Sergius Seebohm, Wirksamkeit
Im ONE Blog berichten wir über Hintergründe und Neuigkeiten rund um die Armutsbekämpfung weltweit. Die Beiträge stammen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ONE, aber auch von Unterstützerinnen und Unterstützern, Netzwerkpartnern, Freunden der Organisation und Entwicklungsexperten.
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