Lernen Afrikas Kinder bald alles online?

Wo der Aufbau flächendeckender Schulen noch schwer ist entwickelt sich in manchen Teilen der Welt eine spannende Alternative für wissbegierige Jugendliche in den ärmsten Ländern der Welt: eLearning. Im November letzten Jahres konnte ich an der Online Educa Berlin teilnehmen, eine sehr spannende und vielschichtige Konferenz – die weltweit größte ihrer Art zum Thema Technologie-gestütztes Lernen und Training.

Die 7. eLearning Africa (eLA) Konferenz steht nun bevor. Was sind die neuesten Trends im Bereich Bildung und Informations- und Kommunikations-Technologie (IKT) in Afrika?

In Subsahara-Afrika sind zurzeit mehr als 40% der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Es wird geschätzt, dass bis 2050 ca. 2 Milliarden Menschen in Afrika leben werden – die Nachfrage nach Bildung wird daher kontinuierlich steigen, mit entsprechenden Herausforderungen für die Regierungen und Gesellschaften in Afrika. Das schnelle Wachstum und die großflächige Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in allen Ebenen des Lebens eröffnet neue Möglichkeiten und Wege für Bildung und Entwicklung weltweit. Auch in Afrika hat IKT ihren Platz in vielen Bildungsinitiativen gefunden. eLearning Africa ist die größte Konferenz zu IKT mit Bezug zu Bildung auf dem afrikanischen Kontinent und bietet überzeugende Beweise für den Erfolg dieses Ansatzes. An der internationalen Konferenz im Mai vergangenen Jahres in Dar es Salaam, Tansania waren 1,700 Teilnehmer aus 90 Nationen anwesend, davon kamen mehr als 80% aus Afrikanischen Staaten.

Zunehmend viele afrikanische Regierungen erkennen die zahlreichen Möglichkeiten an, die IKT für nachhaltige Entwicklung bietet. Darunter finden sich neue Möglichkeiten IKT zu nutzen, um die Lernqualität besonders für marginalisierte und arme Bevölkerungsschichten in ländlichen Regionen zu erhöhen. Junge Lernende werden dadurch nachweislich fit gemacht für einen sich stetig erneuernden Arbeitsmarkt. IKT bestärkt die afrikanischen Gesellschaften und vernetzt sie auch international.

Es geht nicht einfach nur darum, Schulen mit Computern auszustatten. Eine der größten Herausforderungen ist laut einer Studie der Vereinten Nationen zur Erreichung des Ziels der UNESCO Bildung für Alle (Education for All – EFA) vor allem der Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Erstmalig haben heutzutage Wissenschaftler, Akademiker, Lehrer, Fachkräfte und Arbeitnehmer die Möglichkeit am globalen Wissensaustausch teilzunehmen, ohne ihr Land oder ihre Arbeitsstelle für Lehrgänge im Ausland verlassen zu müssen. Gleichzeitig bietet dieser Austausch auch einen maßgeblichen Zugewinn für die verschiedenen Bildungs- und Trainings-Institutionen, von Grundschulen bis hin zu Universitäten.

Hier einige Beispiele für IKT Ansätze in Afrikanischen Ländern:

  • Viele afrikanische Länder erweitern ihre nationale und regionale IKT Infrastruktur, um den Zugang zu Bildung und Training für große Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. 2007 hatten 48 der damals noch 53 Afrikanische Staaten (damals noch ohne den 2011 neu gegründeten Staat Süd-Sudan) eine nationale IKT Strategie entwickelt.
  • Einige Staaten richten sich auf den Bedarf für digitale Lehrmaterialien aus und auch auf die Möglichkeit traditionelle bzw. indigene Sprachen in den Lehrplan zu integrieren.
  • Regierungsinstitutionen in Ghana, Senegal, Ruanda und Kenia arbeiten mit dem privaten Sektor, mit Bildungsinstitutionen und NGOs zusammen, um IKT in die nationalen Bildungssysteme zu integrieren. Viele Länder brauchen für die Umsetzung ihrer IKT Strategien Unterstützung, dafür sind der Ausbau von bilateralen IT Partnerschaften und die Zusammenarbeit mir internationalen Entwicklungsorganisationen treibende Kräfte.

Internationale Netzwerke, die e-Learning und Fernstudien anbieten, wie das Global Development Learning Network (GDLN), sind wichtige Akteure in allen Bereichen der Bildung. Die Themen des GLDN werden unter enger Rücksprache mit den Partnerländern entwickelt und beinhalten zum Beispiel HIV/AIDS, Nahrung, Wasser und Konflikt-Management, Telemedizin und politische Führung.

Das Ziel von eLearning Africa ist es, ein pan-Afrikanisches Netzwerk zu bieten für Spezialisten aus der Branche Technologie-gestützter Lehrmethoden und für alle, die neue Lernansätze in Afrika entwickeln möchten. Die Teilnehmer der Konferenz beschäftigen sich u.a. mit der Frage, welche Form der Unterstützung benötigt wird, um den Ausbau der IKT-Infrastruktur zu ermöglichen und voranzutreiben, oder wie best practices anderer Ländern in nationale Strategien zu nachhaltiger Entwicklung integriert werden können. Gleichzeitig werden Afrikas aktuelle Errungenschaften und weitere Potentiale im Bildungssektor präsentiert. Laut der Initiatorin Rebecca Stromeyer steht im Zentrum immer die Frage: „Was können wir von Afrika und was können Afrikaner voneinander lernen?“

Jedes Jahr findet die Konferenz in einem anderen Land statt. Nach Äthiopien, Kenia, Ghana, dem Senegal, Sambia und Tansania ist dieses Jahr Benin an der Reihe, vom 23. bis 25. Mai in Cotonou, dem Regierungssitz des Landes. Dieser stetige Wechsel des Veranstaltungsortes unterstreicht die transnationale Ausrichtung der Konferenz und beleuchtet zusätzlich die spezifischen Charakteristika des jeweiligen Gastlandes. Die Organisation verläuft immer in enger Zusammenarbeit mit der  Regierung des jeweils austragenden Gastlandes.

Ich hoffe, ich konnte euch für das Thema begeistern, wenn ihr mehr erfahren wollt, stöbert einfach auf der Website: www.elearning-africa.com und vernetzt euch über facebook und twitter, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Johanna Havemann war Living-Proof Botschafterin 2011 und ist nun Mentorin des Jahrgangs 2012.

Hier nochmal die Eckdaten:
eLearning Africa 2012 vom 23. bis 25. Mai in Cotonou, Benin. Das Konferenzprogramm findet ihr hier. Übrigens: Der diesjährige Fotowettbewerb zur kommenden eLA in Benin läuft noch bis zum 16. April.