Hungersnot für beendet erklärt – dennoch keine Entwarnung

Viele von euch haben sich im vergangengen Jahr mit ihrer Stimme für ein Ende der Hungersnot am Horn von Afrika eingesetzt. Unsere Kollegin Emily Alpert ist Expertin für Landwirtschaft. Sie erklärt euch, wie sich die Situation seither entwickelt hat.

Am 3. Februar wurde die Hungersnot in Somalia für beendet erklärt. Dies ist aber kaum ein Grund zum Feiern. Wenn man darüber nachdenkt, besagt die technische Definition einer Hungersnot lediglich, dass mehr als 2 Menschen oder 4 Kinder unter 5 Jahren auf 10.000 täglich wegen fehlender Lebensmittel und fehlendem Wasser sterben. Das heißt also nicht, das keine Menschen mehr sterben – sondern nur, dass weniger Menschen betroffen sind. Auch wenn die Hungersnot offiziell für beendet erklärt wurde, heißt das nicht, dass es keine Ernährungskrise gibt. Wir sind nicht aus dem Schneider.

Zum einen laufen immer noch viele Menschen in Somalia und in der gesamten Region um das Horn von Afrika Gefahr, zu verhungern, obwohl sich die Situation in Äthiopien und Kenia stabilisiert. In der gesamten Region gibt es 10,4 Millionen Menschen, die hilfsbedürftig sind. In Somalia sind 2,3 Millionen gefährdet, und 1,4 Millionen benötigen dringend Hilfe. Um diesen Somaliern zu helfen, gibt es einen neuen UN-Finanzierungsaufruf für das Jahr 2012 (den “2012 UN Consolidated Appeal Process“). Wenngleich er mehrere Male überarbeitet wurde, ist er doch schon seit September 2011 in Kraft. Obwohl die UN festgestellt hat, dass über 1,4 Milliarden Dollar benötigt werden, sind fünf Monate später lediglich sieben Prozent der Summe nach Somalia geflossen und nur 16 Prozent in die gesamte Region. Haben wir unsere auf harte Weise erlernte Lektion wirlich schon vergessen?

Es gibt keinen Zweifel, dass eine Hungersnot hätte verhindert werden können, wenn die Geberländer schneller reagiert hätten. ONEs Landwirtschaftskampagne hat hervorgehoben, dass Dürren unvermeidbar sind, Hungersnöte aber schon. Wir haben Frühwarnsysteme, die Warnungen wurden herausgegeben, aber es wurde wieder einmal zu langsam gehandelt.

Wir brauchen mehr Dynamik und Druck in dieser Diskussion. Denn zusätzlich zu der anhaltenden Krise in Somalia und am Horn von Afrika, läuft auch die Westküste Afrikas Gefahr, in eine Hungerkrise zu geraten. Bisher ist die Situation noch nicht eskaliert, aber wollen wir wirklich so lange warten, bis es wieder so weit ist? Laut TIME ist ein Drittel der Bevölkerung in der Sahel-Zone (eine hauptsächlich semiaride Region, die sich über ganz Westafrika erstreckt) gefährdet, Hunger zu leiden.

Aber das ist keine Neuigkeit. Hunger ist für viele Menschen in Westafrika chronisch und kommt jedes Jahr zur „Hungersaison“ wieder. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von langfristigen Investitionen in die Landwirtschaft – wie sie bereits von Geberländern 2008 beim L’Aquila-Gipfel sowie von afrikanischen Regierungen versprochen wurden.

ONE wird weiterhin Geber an ihre Versprechen erinnern, mehr in Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Nahrung zu investieren. Indem wir frühzeitig auf Meldungen der Frühwarnungssysteme reagieren und in langfristige Lösungen investieren, können wir den Armutskreislauf durchbrechen.

-Emily Alpert-