Vergiss nicht das Gemüse!

Die Folgen von Mangelernährung — und was man dagegen tun kann.

„Vergiss nicht das Gemüse!“ hat meine Mutter früher am Esstisch immer zu mir gesagt. Als Krankenschwester wusste sie, wie wertvoll eine gute Ernährung ist, und konnte es sich auch leisten, mich ausgewogen zu ernähren. Für viele Familien in extremer Armut, wo zwischen 60 und 80 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden, kann es schon mal passieren, dass Gemüse und eiweißhaltige Nahrung vom Tisch verschinden, wenn in der Familie jemand seine Arbeit verliert oder stirbt, oder alleine schon, wenn die Lebensmittelpreise leicht ansteigen.

Mangelhafte Ernährung kann zu Krankheiten beitragen und bei Kindern zu irreparablen Wachstumsstörungen und geistiger Unterentwicklung führen („stunting“). Menschen, die als Kind derartig unterentwickelt waren, sind in der Regel kleinwüchsig und sterben oft jung, weil ihre Organe sich nicht adäquat entwickeln konnten. Wenn man sich ein EEG von Menschen anschaut, die als Kinder Mangelerscheinungen hatten, dann sieht man sogar, dass weite Teile des Gehirns inaktiv sind. Über 40 Prozent der Kinder in Afrika südlich der Sahara sind derartig unterentwickelt, und im ärmsten Fünftel der Weltbevölkerung ist es mehr als die Hälfte.

Durch die derzeitige Hungerkrise sind 44 Millionen Menschen (davon sind fast 30 Millionen Kinder) seit Juni 2010 in extreme Armut geraten, wodurch die Zahl der Menschen, die diesem Risiko ausgesetzt sind, stark gestiegen ist. An den Ansätzen zur Lösung des Problems der Unterernährung ändert das grundsätzlich nichts, es macht ihre breite Umsetzung nur dringlicher den je. Ein Mittel um das Nötigste an Ernährung zu gewährleisten, das zunehmend populär wird, sind „Conditional Cash Transfers” – konditionierte Sozialtransfers.

Die Zeitschrift “The Lancet” hat 2008 in einer bedeutenden Serie zur Unterernährung bei Müttern und Kindern konditionierte Sozialtransfers (CCTs) zusammen mit der Zugabe von Mikronährstoffen als eine Maßnahme hervorgehoben „die funktioniert“, um die Unterernährung bei Müttern und Kindern bis zwei Jahre zu reduzieren. Mikronährstoffzugabe versteht sich irgendwie von selbst, aber ein „konditionierter Sozialtransfers“ scheint doch ein ganz schöner Brocken zu sein. Allerdings ist die Idee zum Glück recht leicht verständlich.

Ein bedingter Sozialtransfers bedeutet, dass eine Regierung oder andere Stelle armen Menschen Geld bezahlt als Belohnung dafür, dass sie z.B. ihre Kinder impfen, sich über richtige Ernährung erkundigen oder dafür sorgen, dass die Kinder zur Schule gehen. Diese Geldtransfers funktionieren deshalb, weil sich erwiesen hat, dass die ärmsten der Armen, und da besonders die Mütter, alles was sie zusätzlich an Geld bekommen, für Lebensmittel und anderes Lebensnotwendige ausgeben. Die Forschung zeigt, dass eine Familie erst einmal ein gewisses Niveau an Grundernährung erreichen muss, bevor sie in die Gesundheit und die eigene Zukunft investieren kann.

Die Regierung in Sambia hat dies verstanden, und mit Hilfe Großbritanniens und anderen Gebern hat sie vor Kurzem ihr Programm für Sozialtransfers ausgebaut. Dieses Programm, das 2003 begonnen hatte, hat die Ärmsten in den betreffenden Landkreisen sehr erfolgreich unterstützt. Mit rund 10 Dollar pro Monat an benachteiligte Haushalte und Menschen über 60, gibt dieses Programm armen Menschen die Möglichkeit, in die Zukunft ihrer Kinder zu investieren und befähigt sie sich selbst aus der Armut zu befreien.

Der einzige Haken ist, wenn Lebensmittelpreise zu sehr steigen, bekommt man weniger Nahrungsmittel für sein Geld. Und daher darf dies nicht das einzige Mittel in den Händen der Geber sein, und warum die Bemühungen so wichtig sind, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, die Erzeugnisse auf Märkte zu bringen und den Handel auf regionaler Ebene zu stärken.

–Emily Alpert