Zeitungsschau 8. Juni 2011

Die Themen des Tages:

  1. Gesundheitspolitik in Afrika: Erfolge und Sorgen
  2. 95 Prozent Rabatt
  3. G20 informieren über Agrarrohstoffe
  4. LEITI-Initiative gegen Korruption
  5. Zur UN-Konferenz in New York Forderung nach mehr Einsatz im Kampf gegen Aids
  6. Die Rettung


1. Gesundheitspolitik in Afrika: Erfolge und Sorgen

Dr. Sipho Moyo, ONE Afrikadirektorin, schreibt in einem Gastbeitrag für die Deutsche Hebammen Zeitschrift über die Mütter- und Kindergesundheit in Sub-Sahara Afrika. Die Millennium-Entwicklungsziele (MDG) beschäftigen sich mit diesen Themen. So soll die Kindersterblichkeit reduziert und die Gesundheitsversorgung von Müttern verbessert werden. Moyo sieht eine Wechselwirkung dieser beiden Ziele mit einem anderen MDG-Ziel, den Zugang zu Bildung. So wirke sich die Bildung direkt auf die Gesundheit aus. Eine Untersuchung in Uganda zeigte: Die Überlebenschancen von Kindern, deren Mütter fünf Jahre lang eine Schule besucht haben, steigen um 40 Prozent. Laut Moyo habe sich die Einsicht im südlichen Afrika, dass Bildung der Schlüssel zu Gesundheit ist, durchgesetzt. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Afrika 46,5 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult. Um die Kindersterblichkeit zwischen 1990 und 2015 um ein Drittel zu senken, muss zwar noch viel geschehen, schreibt sie weiter. Die Lösung sei aber schon gefunden. Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen sind die zwei häufigsten Ursachen für Kindersterblichkeit. Es gibt jedoch bereits einen Impfstoff gegen Pneumokokken und das Rotavirus, den beiden Hauptursachen von Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen. Mit der Unterstützung der Globalen Allianz für Impfungen und Immunisierung (GAVI) konnten bereits in den letzten zehn Jahren mehr als 288 Kinderleben gerettet werden. Um den Tod weiterer 3,9 Millionen Kinder bis zum Jahr 2015 zu verhindern, fehlen aber noch 3,9 Milliarden Dollar. Bei der Geburt sterben jährlich mehr als eine halbe Millionen Frauen – mit einem über 300-mal höheren Risiko in armen Ländern – aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft, bei der Entbindung oder in den ersten sechs Wochen nach der Geburt. Moyo weist darauf hin, dass, obwohl es Verbesserungen in diesem Bereich gegeben hat, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal während der Geburt in über der Hälfte der Fälle fehlt. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM) und GAVI fördern ein Ausbildungsprogram für Gesundheitsberaterinnen, die den Familien zu Hause erklären wie sie Krankheiten vorbeugen könnenAnhand von Erfolgsgeschichten von zwei Frauen aus Afrika, zeigt Moyo, dass intelligente Programme wirken.

2. 95 Prozent Rabatt

Heute berichtet auch die Welt über die Arbeit von GAVI und der Ankündigung von Pharmakonzernen, Medikamente in Entwicklungsländern billiger zur Verfügung zu stellen. Es ist zu lesen, dass die Veröffentlichung der jährlichen Preise für Impfstoffe vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) vor zwei Wochen Wirkung zeigte. Die Rotavirus-Impfung des englischen Herstellers GlaxoSmithKline koste jetzt in Madagaskar nur noch 1,70 Euro – das sind ganze fünf Prozent des Preises in Industrienationen. Es wird in dem Artikel auch auf die am Montag stattfindende GAVI-Geberkonferenz in London hingewiesen. Das Ziel ist es, eine Finanzierungslücke von 2,5 Milliarden Euro zu schließen, um bis zum Jahr 2015 weitere 250 Millionen Kinder impfen zu können.

3. G20 informieren über Agrarrohstoffe

In der Financial Times Deutschland wird heute berichtet, dass die G20-Staaten ein neues System zur Information über Angebot und Lagerbestände von Agrarrohstoffen starten. Die Initiative mit dem Namen Agriculture Market Information System (Amis) soll helfen, Datenlücken zu schließen, die nach Ansicht von Regierungsvertretern dazu beigetragen haben, die Preisschwankungen an den Märkten zu verschärfen. Die Agrarminister der G20 werden erstmals am 22. und 23. Juni in Paris zusammen kommen, um letzte Details festzulegen und der Welternährungsorganisation FAO das Mandat für den Aufbau eines Sekretariats zu erteilen.

4. LEITI-Initiative gegen Korruption

Die Fränkischen Nachrichten stellen online die im Jahre 2003 gegründete Initiative Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) vor. Ziel dieser Initiative ist es, Korruption in Entwicklungsländern zu bekämpfen und gute, entwicklungsorientierte Regierungsführung zu stärken. Dazu werden Gelder, die von rohstofffördernden Unternehmen als Abgaben an den Staat gezahlt werden, wie Steuern, Förderabgaben usw. transparent gemacht. Gegenwärtig gibt es 35 Staaten, die sich freiwillig verpflichtet haben, die Vorgaben umzusetzen. Von diesen haben bisher elf die Kriterien erfüllt, darunter Liberia (LEITI) als erstes Land in Afrika (ONE berichtete).

5. Zur UN-Konferenz in New York Forderung nach mehr Einsatz im Kampf gegen Aids

Der epd berichtet, dass Hilfswerke am Dienstag angesichts der bevorstehenden Aids-Konferenz der Vereinten Nationen zu mehr Einsatz im Kampf gegen die Immunschwäche gedrängt haben. “Der Aids-Gipfel hat es in der Hand, den Verlauf der globalen Aids-Epidemie entscheidend zu ändern”, erklärte Tide Schoen-Anger von Ärzte ohne Grenzen. Von Mittwoch bis Freitag treffen in New York Vertreter von Regierungen zusammen, um Bilanz zu ziehen und neue Maßnahmen abzustimmen. Ärzte ohne Grenzen fordert eine Einigung auf das Ziel, bis 2015 insgesamt 15 Millionen Aids-Patienten mit lebensrettenden Medikamenten zu behandeln. Studien zeigten, dass dadurch die Ansteckungsrate auf ein Minimum gesenkt werde. Dennoch gebe es Widerstand von einigen entscheidenden Geldgebern.

6. Die Rettung

Arne Perras berichtete gestern in der Süddeutschen Zeitung über den Krieg im Sudan anhand der Geschichte eines Vaters, der aus seiner Heimatstadt Abyei fliehen musste und für seine 8-jährige Tochter auf der Suche nach dem benötigten Insulin ist. Die nordsudanesische Armee hat Abyei am 20. Mai eingenommen und zehntausende zur Flucht gezwungen. Diese sammeln sich nun in Turalei. Wasser ist hier knapp und die Flüchtlinge werden vom Welternährungsprogram mit Hirse, Öl und Salz versorgt, schreibt er. Insulin ist hier allerdings nicht zu finden, weder in der Klinik noch bei den Helfern von Ärzte ohne Grenzen. Bekommt das Mädchen nicht ihre Spritzen fällt sie ins Koma und wäre drei Tage später tot. Der Reporter erfährt, dass Joseph Deng, der Vater, schließlich das Insulin bekommen hat.