3 Fragen zum MDG-Gipfel an Tobias Kahler, Deutschlanddirektor von ONE

Tobias Kahler, Direktor ONE DeutschlandKurz vor seinem Abflug zum UN-Gipfel zum Stand der Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele, der nächste Woche in New York stattfindet, beantwortet Tobias unsere Fragen zu ONEs Erwartungen an den Gipfel und die Rolle Deutschlands.

In der kommenden Woche findet der UN-Gipfel zu den Millennium-Entwicklungszielen statt. Was erwartest du von dem Treffen?

Wenn wir die acht Ziele bis 2015 erreichen wollen, muss am Ende des Gipfels ein realistischer und effektiver Aktionsplan stehen. Dieser muss gute Regierungsführung belohnen. Länder, die in dieser Hinsicht noch nicht so weit sind, müssen wir darin unterstützen, gute und transparente Regierungsführung herzustellen. Geberländer wie Deutschland müssen außerdem ihre zugesagte Unterstützung erbringen: Finanzierungsversprechen halten und den Welthandel fairer machen.

Also auch die Regierungen Afrikas werden in die Pflicht genommen?

Zu einem Pakt gehören immer zwei Seiten. Klar. Aber wir in Deutschland sollten vor allem darauf schauen, was wir besser machen können. Wir haben z.B. versprochen, unsere Unterstützung effektiver zu machen. Deshalb bin ich Befürworter von Hilfsmechanismen, die erreichte Erfolge belohnen – so wie es etwa beim Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria geschieht. Dort werden erst dann die nächsten Mittel freigestellt, wenn die vorher vereinbarten Ziele erreicht wurden. Damit konnte der Fonds seit 2002 über fünf Millionen Menschenleben retten. Ausgerechnet hier will Dirk Niebel jetzt kürzen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel werden in New York sein. Was erwartet ONE von Deutschland?

Deutschland hat sich in der Vergangenheit oft als Vorreiter in entwicklungspolitischen Fragen verhalten. Aber in diesem Jahr hätte Deutschland 0,51 Prozent unserer Wirtschaftsleistung (ODA-Quote) in Entwicklung investieren müssen. Das ist nicht geschehen und damit ein gebrochenes Versprechen gegenüber den Ärmsten der Welt. Jetzt müssen Merkel und Niebel anpacken. Es ist auch gut für uns, wenn unser Nachbarkontinent immer erfolgreicher wird. Die Bundesregierung sollte ihre Zusage, bis 2015 eine ODA-Quote von 0,7 Prozent zu erreichen, in New York bekräftigen und mit einem realistischen Plan untermauern, wie sie das erreichen will. Außerdem muss die Bundesregierung ihre Unterstützung für den Globalen Fonds ausbauen. Sonst droht Deutschland international an Ansehen zu verlieren.

– Das Interview führte Karoline Lerche, Referentin für Kommunikation bei ONE Deutschland –