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Teil 5 der Serie „Die Zentralafrikanische Republik“: Eine Herausforderung für die Millenniumziele


Aug 6th, 2010 6:53 PM UTC
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Zum Wochenende haben wir heute einen etwas längeren Beitrag für euch: Im letzten Teil unserer losen Reihe über die Zentralafrikanische Republik schreiben Les Roberts, Alina Potts und Kathleen Myer über die Hindernisse für ein besseres und längeres Leben in den ärmsten Ländern.

Für die Menschheit insgesamt hat sich seit 1960 die Gesundheit so sehr verbessert wie nie zuvor. In den letzten 50 Jahren ist die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel gefallen – ein Rückgang in dem Ausmaß hätte vor 1960 wahrscheinlich 500 Jahre gebraucht. Im Kern sind die Millenniumziele ein Versuch, den Ländern die Möglichkeit zu geben aufzuholen, in denen in den letzten 50 Jahren derartige Verbesserungen noch nicht stattgefunden haben. Die Zentralafrikanische Republik ist ein Paradebeispiel für ein Land, das viel nachzuholen hat.

Auf der Internetseite Gapminder.org sind sowohl UN-Statistiken als auch frühere Daten zu Einkommen und Lebenserwartung für praktisch alle Staaten der Welt graphisch aufbereitet. Wenn man sich die Daten der letzten 200 Jahre anschaut, ist das ein beeindruckendes Indiz dafür, wie viel gesünder und wohlhabender die Welt im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten ist. Und es wird klar, dass es nur zwei wirkliche Hindernisse gibt, die die scheinbar unaufhaltsame Bewegung der letzten beiden Jahrhunderte in fast allen Ländern in Richtung sozialen Fortschritt aufzuhalten vermögen: HIV und Krieg.

Zwei Hindernisse: HIV und Krieg

Die erste Abbildung (hier klicken – öffnet sich in neuem Fenster) zeigt den Verlauf der Lebenserwartung über die letzten Jahrzehnte für die fünf Länder mit den höchsten HIV-Infektionsraten (Botswana, Lesotho, Südafrika, Swasiland und Simbabwe). Seit den 1990er Jahren haben diese fünf Länder in weniger als einem Jahrzehnt einen Anstieg der Sterblichkeitsraten von mindestens 50 % erleben müssen. Interessanterweise geht dieser Anstieg bei der Sterblichkeit nicht mit einem Rückgang des Nationaleinkommens einher.

Die zweite Abbildung (hier klicken – öffnet sich in neuem Fenster) zeigt, was ich als die sechs tödlichsten Konflikte der letzten Zeit einschätzen würde, die eine Dauer von mehr als fünf Jahren (der übliche Abstand zwischen UN-Statistiken zur Sterblichkeit) und weniger als 20 Jahren hatten. Man beachte, dass in jedem Krieg, außer denen in Vietnam und der Demokratischen Republik Kongo, die Sterberate im Verlauf des Krieges stetig steigt. Es ist kein Zufall, dass jeder dieser Kriege mit einem starken Rückgang des Nationaleinkommens einhergeht.

HIV besiegt?

Nimmt man diese beiden großen Hindernisse für mehr Gesundheit und Wohlstand war der Menschheitserfolg hinsichtlich der Eindämmung von HIV bzw. der Entschärfung seiner Auswirkungen sicherlich größer, wenn nicht sogar spektakulär. Dies wird besonders deutlich, wenn man es mit anderen tödlichen Krankheiten der Vergangenheit vergleicht, wie zum Beispiel Pest oder Tuberkulose. Ein Blick auf Abbildung 1 legt gar nahe, dass die Verfügbarkeit von antiretroviralen Medikamenten in Botswana schon jetzt die Sterblichkeit im Land insgesamt verringert haben könnte. Genauso haben sich die technischen Möglichkeiten, die Folgen von Krieg für die Gesundheit zu entschärfen, in den letzten Jahrzehnten massiv verbessert. Der Unterschied zwischen den beiden ist allerdings folgender: bei der Vorbeugung von und der Reaktion auf HIV liegt der Schwerpunkt klar auf den besonders betroffenen Ländern. Aus politischen und Sicherheitsgründen erhalten aber während eines Krieges gerade die Länder nicht die von den humanitären Organisationen angebotene, lebensrettende Unterstützung mit Wasser, sanitärer Versorgung, Unterkunft und medizinischer Hilfe, die den größten Bedarf haben.

Wo ist die Krise am größten?

In vergangenen Beiträge über die Zentralafrikanische Republik haben wir die Tatsachen dargestellt wie sie sind: die Zentralafrikanische Republik befindet sich mitten in einer schweren humanitären Krise, wobei es auf Grund mangelnder medizinischer Versorgung und des wirtschaftlichen Kollapses einen starken Rückgang der Bevölkerungszahlen gegeben hat. Das Land hat eine HIV-Infektionsrate unter Erwachsenen von 6 %. Auch wenn wir für die Sterblichkeit in Somalia keine Daten haben, kann man sagen, dass eins von diesen beiden Ländern sich zurzeit auf jeden Fall in der schwersten humanitären Krise der Welt befindet. Und trotzdem ist in den letzten Jahren nur wenig humanitäre Versorgung – Gelder, Personal oder Material – in diesen Ländern angekommen.

Wenn wir die nächsten 50 Jahre voraus blicken und uns Gedanken machen, wie die geknechteten und verarmten Völker näher an den stetig steigenden Welt-Durchschnitt zu heben sind, können wir uns die letzten 50 Jahre anschauen und ein paar wichtige Lehren ziehen. Viele Probleme, für die es technische Lösungen gibt, sind wirksam gelöst worden. Impfungen haben die Pocken ausgerottet. Die Masern und eine Reihe weiterer Viruserkrankungen sind stark zurück gedrängt worden. Insektizidbehandelten Moskitonetzen und Medikamenten verdanken wir große Erfolge gegen die Malaria. Durchbrüche bei der Ernährung, besonders die therapeutische Ernährung zu Hause, haben im letzten Jahrzehnt spektakuläre Resultate erzielt. Nur soziale Probleme (wie Korruption, Alphabetisierung, ein mangelhaftes Justizwesen) und der Schutz der Zivilbevölkerung zu Kriegszeiten haben sich als schwerer zu lösen erwiesen.

Mit kleinen Dingen Großes erreichen

In der Zentralafrikanischen Republik kommt es täglich zu 300 bis 400 unnötigen Todesfällen, die auf das nicht funktionierende Gesundheitssystem zurückzuführen sind. Die Sicherheitsprobleme in diesem Land, und selbst fehlende Straßen, sollten aber der Hilfe nicht im Wege stehen. Der Hilfe steht nur mangelndes weltweites Interesse im Wege. Wenn wir uns als menschliche Spezies mit den großen Herausforderungen beschäftigen wollen, die in der Zukunft noch bestehen, wäre doch vielleicht die Zentralafrikanische Republik, wo schon mit kleinen Dinges viel Gutes erreicht werden kann, und die Möglichkeiten für das Gute groß sind, ein passender Ausgangspunkt…

– Les Roberts, Alina Potts und Kathleen Myer –

TAGS: Botsuana, DR Kongo, Gesundheit, HIV/Aids, Lesotho, Politik Aktuell, Regierungsführung, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Swasiland, UN-Gipfel 2010: Stand der Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele, Zentralafrikanische Republik

 

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