Zeitungsschau – 16. März 2010


16.03.2010 14:52Uhr
von Carola Bieniek

Die Themen heute:

  1. „Stille Korruption” hemmt Afrikas Entwicklung –
  2. WHO/UNICEF: MDG zum Trinkwasserzugang erreichbar –
  3. Werden Mikrokredite überbewertet? –
  4. Vereinter Kampf gegen Terrorismus in Nordafrika? –
  5. Deutschland legt im Waffenhandel stark zu –

1. „Stille Korruption” hemmt Afrikas Entwicklung

Die Weltbank hat am Montag einen Bericht veröffentlicht, der besagt, dass „stille Korruption” (wenn Staatsbedienstete nicht zur Arbeit kommen) Afrikas soziale und wirtschaftliche Entwicklung hemmt, berichtet die Nachrichtenagentur epd. Um die Qualität des öffentlichen Sektors zu verbessern, bedarf es politischer Führung, Rechenschaftspflicht und Partizipation der Bürger, so der Bericht. epd merkt an, dass der Bericht es versäumt, das oftmals sehr niedrige Gehalt der Staatsbediensteten in Entwicklungsländern zu erwähnen.
Hier findet ihr den Bericht der Weltbank, „Silent and lethal – How quiet corruption undermines Africa’s development efforts” (Englisch).

2. WHO/UNICEF: MDG zum Trinkwasserzugang erreichbar

Am Montag haben UNICEF und WHO in Genf einen Bericht vorgestellt, demzufolge 87 % der Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Das MDG zur Halbierung der Anzahl von Personen ohne direkten Zugang zu Trinkwasser ist laut Bericht somit bald erreichbar. Die Erfolge im Bereich des Zugangs zu sanitären Einrichtungen fallen leider weitaus weniger positiv aus.
Hier findet ihr den Bericht von WHO und UNICEF, „Progress on Sanitation and Drinking Water, 2010 Update” (Englisch).

3. Werden Mikrokredite überbewertet?

In einem Gastkommentar für die Deutsche Welle erklärt Peter Wolff vom DIE, dass die Effekte von Mikrokrediten überschätzt würden. Einige Studien deuteten darauf hin, dass Mikrokredite die Armut gar nicht reduzieren, da sie meist nicht in Unternehmen investiert würden, sondern dafür benutzt würden, Familien durch schwere Zeiten, wie Dürre oder Krankheiten, zu helfen. Wolff betont, dass dies natürlich nicht bedeute, dass sie keine positiven Effekte haben. So finanzieren sie vielleicht eine Weile den Schulbesuch für ein Mädchen oder Nahrungsmittel nach einer schlechten Ernte. Doch es bedeute, dass sie keinen wirklichen Effekt auf allgemeine Armut hätten, da sie nicht zu langfristigem Wachstum oder langfristigen Einnahmesteigerungen führten. Wolff sagt deshalb, dass es für eine erfolgreiche Armutsbekämpfungsstrategie auch Investitionen in größere, wettbewerbsfähige Firmen und Infrastruktur brauche.

4. Vereinter Kampf gegen Terrorismus in Nordafrika?

Um den Kampf gegen terroristische Banden in Nordafrika und der Sahelzone zu koordinieren, hat Algerien die Außenminister von Libyen, Mali, Mauretanien, Niger, Burkina Faso und Tschad für den kommenden Dienstag zu Gesprächen nach Algier geladen, berichtet Rudolph Chimelli in der Süddeutschen Zeitung. Die gesamte Region der südlichen Sahara ist schwer zu kontrollieren und alle angrenzenden Länder haben Probleme, die Bandenaktivitäten in der Region einzudämmen. Doch die Länder sind weit davon entfernt, vereint im Kampf gegen den Terrorismus aufzutreten, so Chimelli. Algerien weigert sich, mit Marokko an einem Tisch zu sitzen und es gibt Spannungen zwischen Algerien und Mali, seit letztere verdächtige algerische Terroristen in einem Deal zur Befreiung ausländischer Geiseln freiließen. Doch ebenso wenig wie sich die Staaten auf eine gemeinsame Strategie einigen können, können dies die Terroristen, so der Artikel. Französische Sicherheitsexperten gehen sogar so weit zu sagen, dass es gar keinen Anstieg des Terrorismus in der Region gäbe. Angeblich ist die islamistische Bewegung in der Bevölkerung recht unpopulär und es fehlt ihr an gemeinsamer Führung. Den einzigen Zulauf habe die Maghreb al-Qaida durch Kämpfer aus dem Irak, schlussfolgert der Artikel.

5. Deutschland legt im Waffenhandel stark zu

Der neuesten Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI zufolge ist Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Deutschlands Anteil am globalen Waffenexport ist in den letzten vier Jahren von sechs auf elf Prozent angestiegen, was nur von den USA und Russland überboten wird. Die meisten Waffen aus Deutschland gehen nach Griechenland und in die Türkei sowie nach Südafrika und Südkorea. Die Grünen kritisierten, die Waffengeschäfte würden „am Parlament vorbei unter größter Geheimhaltung genehmigt“ und forderten ein Mitspracherecht des Bundestags bei Entscheidungen über Waffenexporte.

Schlagworte: Bündnis 90 / Die Grünen, Deutschland, Handel, Infrastruktur, Mikrofinanz, Politik Aktuell, Regierungsführung, Sanitäre Versorgung, UNO, Was wir lesen, Wasser, Weltbank, Weltgesundheitsorganisation (WHO)

 



Kommentar hinzufügen

 

Name (Pflichtfeld)

 

E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) (Pflichtfeld)

 

 

Der ONE Blog

Im ONE Blog berichten wir über Hintergründe und Neuigkeiten rund um die Armutsbekämpfung weltweit. Die Beiträge stammen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ONE, aber auch von Unterstützerinnen und Unterstützern, Netzwerkpartnern, Freunden der Organisation und Entwicklungsexperten.

Der Inhalt der Beiträge und Kommentare spiegelt die Meinung der Autoren wider und entspricht nicht immer den Ansichten von ONE.