Zeitungsschau – 9. März 2010


09.03.2010 16:24Uhr
von Carola Bieniek

Die Themen heute:

  1. Will Niebel die GTZ entmachten? –
  2. Was sind die deutschen Versprechen wert? –
  3. Afrika erholt sich zügig von der Finanzkrise –
  4. Fortschritte im Kampf gegen Polio und HIV in Afrika –
  5. Entwicklung nicht ohne Frauen –
  6. Erneut religiöse Konflikte in Nigeria –
  7. Landnahme in Afrika durch ausländische Investoren –

Will Niebel die GTZ entmachten?

Nahezu alle Zeitungen berichten über die Umstrukturierung der staatlichen Entwicklungsorganisationen – GTZ, DED und InWent sollen zusammengelegt werden, um Entwicklungszusammenarbeit effektiver und transparenter zu machen. Dieses Vorhaben war bekannt und bereits andere Regierungen sind an ihm gescheitert, doch es wurde bisher weitestgehend angenommen, dass die GTZ, als mit Abstand größter Akteur, bestehen bleiben würde – mit den beiden kleineren Institutionen in sie eingegliedert. Nun veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung gestern einen Artikel, in dem davon die Rede ist, dass Niebel Pläne habe die GTZ stärker dem BMZ unterzuordnen, was mit einem neuen Nahmen und einer Aufgabe des Standortes Eschborn einhergehen könne.
Obwohl die meisten Experten sich darüber einig sind, dass die Fusion eine gute Idee ist, verursachten die neuerlichen Kommentare einige Verwirrung, woraufhin das BMZ schnell verlautbaren ließ, dass die Diskussionen vollkommen ergebnisoffen seien, und das Details über Namen, Standort und Mitarbeiter noch besprochen würden.

Was sind die deutschen Versprechen Wert?

Als Reaktion auf die gestrige Kritik an Niebels möglichem Abrücken von dem 0,7%-Ziel verkündete eine Sprecherin des BMZ nun, dass der Minster in keiner Weise von dem Ziel abrücken wolle.
In einem Meinungsartikel im Tagesspiegel nennt Dagmar Dehmer Niebels „öffentliches Nachdenken“ über das Ziel „schändlich“. Denn das 0,7%-Ziel sei so etwas wie eine „moralische Messlatte“ an der man sehen könne, wie ernst es den Industrienationen mit der Unterstützung der Entwicklungsländer ist. Sollte von diesem Ziel abgerückt werden, wäre das nicht nur ein Glaubwürdigkeitsverlust für Angela Merkel, die sich wiederholt zu dem Ziel bekannt hatte, sondern es wäre für Entwicklungsländer auch ein Beweis dafür, dass die finanziellen Verpflichtungen der Industrieländer nicht viel wert sind.

Afrika erholt sich zügig von der Finanzkrise

Während seiner gegenwärtigen Afrika Reise sagte der IWF Chef Dominique Strauss-Kahn, dass sich Afrika weit schneller von der Finanzkrise erholt habe als erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Dank guter Finanzpolitik und niedriger Inflation haben viele afrikanische Länder die negativen Folgen der Krise abfedern können. Doch auch wenn dies „historisch“ sei, da Afrika traditionell bei der Erholung von Wirtschaftskrisen eher nachzöge, seien afrikanische Wirtschaften dennoch empfindlich bezüglich politischer Instabilität, Naturkatastrophen, Klimawandel oder steigenden Nahrungsmittelpreisen, so Strauss-Kahn.

Fortschritte im Kampf gegen Polio und HIV in Afrika

Die Ärzte Zeitung berichtet vom Start einer Impfkampagne gegen Polio in Zentral- und Westafrika vom Internationalen Roten Kreuz und der UNO. Die Initiative will in 19 Ländern 85 Millionen Kinder impfen.
Die gleiche Zeitung berichtet von einer Studie in Malawi, bei der HIV Patienten, die sich von einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung (IPD) erholten, mit einem konjugierten Kinderimpfstoff behandelt wurden. Das Ergebnis: der IPD Rückfall bei den Geimpften konnte um 75% reduziert werden.

Entwicklung nicht ohne Frauen

In einem Gastkommentar für die Deutsche Welle erklärt Imme Scholz vom DIE warum Frauenförderung wichtig für Entwicklung ist. Das Potential von Frauen werde auch heute oft nicht genutzt, da es ihnen an Zugang zu Bildung und Gesundheit mangele, sowie an der Selbstbestimmung einen Beruf zu wählen und zu entscheiden, wie sie das verdiente Geld ausgeben.

Erneut religiöse Konflikte in Nigeria

Bei Zusammenstößen zwischen Moslems und Christen in Zentralnigeria kamen der Deutschen Welle zufolge über 500 Menschen ums Leben.

Landnahme in Afrika durch ausländische Investoren

Die Frankfurter Rundschau berichtet über einen vom UN Sondergesandten für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, vorgestellten Bericht, laut dem seit 2006 15-20 Mio. Hektar Land in Afrika von ausländischen Investoren gekauft oder gepachtet wurden. Während grundsätzlich Investitionen in den ländlichen Sektor ein adäquates Mittel seien um Armut zu bekämpfen, so fürchte de Schutter doch, dass Farmer durch die Investoren von ihrem Land vertrieben würden.

Schlagworte: Deutschland, Dirk Niebel, Entwicklungszusammenarbeit, Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), Gesundheit, HIV/Aids, Internationaler Währungsfonds (IWF), Landwirtschaft, Nigeria, Politik Aktuell, UNO, Was wir lesen, Wirksamkeit

 



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