Schwule Kunst in Uganda


04.03.2010 18:48Uhr
von Carola Bieniek

In vielen, vor allem ärmeren Ländern der Welt ist Homosexualität noch lange keine Selbstverständlichkeit. Vor allem in Afrika und in Vorderasien gibt es vielfach sogar Gesetze, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellen, wie diese Grafik von Wikipedia zeigt:


  • Homosexualität legal
  •  Gleichgeschlechtliche Ehen
  •  (Offizielle) gleichgeschlechtliche Partnerschaften
  •  Anerkennung ausländischer gleichgeschlechtlicher Ehen
  •  Keine (offiziellen) gleichgeschlechtlichen Partnerschaften
  • Homosexualität illegal
  •  Kleinere Strafen
  •  Höhere Strafen
  •  Lebenslängliche Haft
  •  Todesstrafe

Auf der Website der Deutschen Welle haben wir einen Beitrag von Simone Schlindwein gefunden, der darüber berichtet, wie die Künstler der Afri-Art-Gallery in der Hauptstadt Kampala auf einen Gesetzentwurf reagieren, der die Strafen für Homosexualität in Uganda noch einmal drastisch verschärfen soll. Hier ein paar Auszüge:

[…]Das umstrittenste Werk hängt in einer Ecke neben dem Fenster: Vier nackte Männer – offensichtlich homosexuell – hat Karungi ins Zentrum seines Bildes gesetzt. Dabei ist Homosexualität in Uganda per Gesetz verboten. Und ein neues, noch härteres Anti-Homosexuellengesetz sorgt derzeit für Wirbel in Uganda. Dazu nimmt Karungi Stellung: “Ich bin ein Beobachter der Gesellschaft und deren Kritiker. Ich muss aber vorweg sagen: ich bin weder für noch gegen Homosexualität. Das geht mich privat ja auch nichts an und es ist ja auch nicht wild. Aber was mich nun geritten hat, dies in meiner Kunst als Thema zu machen, war die Debatte darüber. Mich hat die Tatsache gepackt, dass hier Politiker jede Menge heiße Luft reden. Es zeigt, wie dumm und wie ignorant sie sind, solch ein Gesetz gegen Homosexuelle zu formulieren. Warum sollte das irgendjemand öffentlich abstreiten, schwul zu sein, das sei kein Menschenrecht?”
[…]
In Uganda ist Geschlechtsverkehr mit gleichgeschlechtlichen Partnern per Gesetz illegal. Derzeit wird im Parlament ein erweitertes Gesetz diskutiert, das Homosexuellen mit lebenslanger Haftstrafe droht, wenn sie beim Geschlechtsverkehr erwischt werden. Für HIV-infizierte aktive Homosexuelle fordert man sogar die Todesstrafe. Und: Ist das Gesetz erst verabschiedet, verbietet es auch Organisationen, die sich für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzen, sowie Bücher oder Gemälde wie dieses, da Medien angeblich Homosexualität fördern. Das erschreckende an der Gesetzesinitiative ist jedoch, so Karungi, dass sie in der Bevölkerung auf solch große Unterstützung stößt. Eine Umfrage besagt: 95 Prozent der Menschen sind für das Gesetz. […]

Gegen den Gesetzentwurf in Uganda engagieren könnt ihr euch zum Beispiel, indem ihr die Petition von Avaaz unterzeichnet: avaaz.org/de/uganda_rights/.

– Carola Bieniek –

Schlagworte: Regierungsführung, Uganda, Was wir lesen

 



1 Kommentare

  1. Martina Bedregal Calderónsays: 05.03.2010 11:39 Uhr

    05.03.2010 at 11:39

    Homosexualität ist vor allem dort illegal und gesellschaftlich nicht anerkannt, wo die monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum seit Jahrhunderten dominieren und die Gesetzgebung entscheidend mitbestimmen und mitbestimmt haben. In den anderen Religionen und Naturreligionen wird die Homosexualität und Transsexualität anerkannt, akzeptiert oder (in einigen Kulturen wie der von Tonga) sogar gefördert (wenn z. B. eine Familie eine Tochter wollte und keine bekam, dann wird die Homosexualität eines Jungen gefördert, denn die Töchter übernehmen auf Tonga wichtige zeremonielle Aufgaben).

    Wie bei diesem Beispiel kann man immer wieder sehen, wie die monotheistischen Religionen Menschen unterworfen, “zurechtgebogen” oder ausgenutzt haben.

    Das zeigt auch dieses Beispiel aus Uganda. Uganda ist mehrheitlich christlich und islamisch geprägt.

    Was dann dabei herauskommt, wenn Sexualität und Homosexualität durch Religion unterdrückt oder durch Zölibat und ähnliche strenge und anachronistische Regeln verdrängt werden, sieht man bei den immer häufiger bekannt werdenden Fällen von Mißbrauch Minderjähriger z. B. durch katholische Priester und Lehrer, u. a. in Deutschland, USA, Irland etc.

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