Zeitungsschau: 1. März 2010


01.03.2010 16:56Uhr
von Carola Bieniek

Die Themen heute:

  1. Führt höhere Entwicklungshilfe überhaupt zu Entwicklung? –
  2. Entwickelt sich Afrika zu einem Vorreiter in der Hochtechnologie? –
  3. Wer profitiert von der Fußball-WM in Südafrika? –
  4. Droht der Elfenbeinküste eine Umweltkatastrophe? –
  5. Ist Ugandas „Anti-Homosexualitäts-Gesetz” noch abwendbar?

1. Führt höhere Entwicklungshilfe überhaupt zu Entwicklung?

In einem Interview mit der Wetzlarer Zeitung beantwortet Sibylle Pfeiffer (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Entwicklungsausschusses im Bundestag, die Frage nach den gebrochenen Versprechen Deutschlands zur Entwicklungshilfe damit, dass Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit nicht von der Höhe der Gelder abhingen. Während in den letzten Jahren die Ausgaben für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit stetig gewachsen seien, sei das nicht mit entsprechenden Erfolgen in der Entwicklung einhergegangen. Man müsse daher stärker auf die Bedingungen und Umstände in den Entwicklungsländern schauen als auf die Höhe der Entwicklungshilfe.

2. Entwickelt sich Afrika zu einem Vorreiter in der Hochtechnologie?

Ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung blickt auf die Entwicklung von Hochtechnologie in Afrika. Im Gegensatz zu allen gängigen Klischees fänden sich in Afrika einige Länder mit durchaus dynamischen Wirtschaften und Investoren „entdecken“ den Kontinent gerade für ihre Anleger. Obwohl die „Bilder von notleidenden Kindern“ nicht falsch seien, stellten sie nur eine Realität auf einem Kontinent dar, der große Schritte vorwärts mache, besonders im Bereich der Mobiltechnologie und der Mikrofinanz.

3. Wer profitiert von der Fußball-WM in Südafrika?

Laslo Trankovits schreibt zwei ernüchternde Artikel über die WM in Südafrika für die Nachrichtenagentur dpa: einen über den wirtschaftlichen Nutzen der WM, einen über Sicherheit. Neuere Vorhersagen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der WM auf Südafrika haben einiges an Euphorie verloren, besonders da wohl weit weniger Gäste kommen werden als zuvor erwartet. Die Sicherheit betreffend argumentiert Trankovits, dass, während ein Rebellenanschlag wie in Angola in Südafrika ausgesprochen unwahrscheinlich sei, es dennoch nicht zu leugnen sei, dass die Kriminalität sehr hoch ist. Die Mordrate ist 30- bis 40-mal höher als in Westeuropa und erhöhte Sicherheitsvorkehrungen werden Gäste vielleicht in den Innenstädten und Stadien schützen, doch das Gleiche kann nicht unbedingt für das Reisen im Land gelten. Ein Land profitiert aber zweifelsohne von der WM in Südafrika, berichtet das Handelsblatt, und das ist Deutschland. Denn viele der Investitionen in die Infrastruktur und Energieversorgung werden von deutschen Firmen durchgeführt.

4. Droht der Elfenbeinküste eine Umweltkatastrophe?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Elfenbeinküste auf eine Umweltkatastrophe zusteuere. Das Land produziert 35 % der globalen Nachfrage nach Kakao, doch seine Landwirtschaft ist aufgrund von Misswirtschaft, Korruption und Monokultur ruiniert. Das Wenige, was vom Regenwald nach der Waldrodung der Bürgerkriegsjahre noch übrig blieb, fiel anschließend der Plantagenwirtschaft zum Opfer. Desertifikation, Erosion und Trockenheit sind die Folge. Der Fair-Trade-Boom im Schokoladensektor könnte für die Elfenbeinküste eine Chance sein, auf nachhaltige Landwirtschaft umzustellen, doch bisher behindert die weit verbreitete Korruption die nötigen Investitionen und Trainingsmaßnahmen.

5. Ist Ugandas „Anti-Homosexualitäts-Gesetz” noch abwendbar?

In der Süddeutschen Zeitung berichtet Arne Perras von dem ugandischen Prediger Martin Ssempa und seinem Kampf für die Verabschiedung des „Anti-Homosexualitäts-Gesetzes“. Der Artikel berichtet außerdem von homosexuellen Bürgern und Aktivisten in Uganda, die um ihr Leben fürchten und von angeblichen Verbindungen zwischen radikalen Evangelikalen aus den USA und ugandischen Parlamentariern, die den Gesetzesentwurf förderten. Währenddessen steigt der internationale Druck auf Präsident Museveni, was diesen in eine schwierige Position bringt. Er fürchtet sich vor internationaler Isolation und einer möglichen Streichung von Entwicklungshilfe, doch gleichzeitig will er wiedergewählt werden und wenn es so aussieht, als lasse er sich Gesetze vom Westen diktieren – gerade bei einem Thema, welches ohnehin als Auswuchs westlicher Dekadenz angesehen wird – verliert er seine politische Glaubwürdigkeit im Land.

Schlagworte: Deutschland, Elfenbeinküste, Entwicklungszusammenarbeit, Handel, Klimawandel, Politik Aktuell, Regierungsführung, Südafrika, Uganda, Was wir lesen

 



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