Medikamententransport in Cola-Kisten
Brandeins berichtet über Simon Berry und seine Idee, wie man Medikamente in entlegene Gegenden Afrikas transportieren könnte. Als er als Entwicklungshelfer Ende der 80er in Sambia lebte, fiel Berry auf, dass während es unmöglich schien, die grundlegendsten Medikamente aufs Land zu transportieren, man im Prinzip überall Coca-Cola kaufen konnte. Wenn es also Cola-Flaschen in die entlegensten Zipfel der Erde schaffen, kann das gleiche doch für Medikamente nicht so schwer sein, dachte sich Berry – und die Idee für Colalife war geboren. Nachdem er jahrelang versuchte, seine Idee – Medikamente nach dem „Huckepack-System“ in Cola-Kisten zu transportieren – den richtigen Leuten schmackhaft zu machen, stieß er letztes Jahr auf jemanden bei Coca-Cola, der sich für seine Idee erwärmte. Der „AidPod“ ist bereits in Produktion und ein Testlauf in Tansania ist in Planung.
Deutschland, der Kolonialismus und die Unterentwicklung
Auf der Meinungs- und Diskussionsseite der taz nehmen Muepu Muamba und Paul Indongo-Imbanda das 125. Jubiläum der Kongokonferenz zum Anlass dafür, zu argumentieren, dass Afrika sich seine Geschichte und Gegenwart zurückholen müsse. 125 Jahre nach der Systematisierung der europäischen Kolonialherrschaft wird Afrika noch immer als abhängig dargestellt und seine Geschichte und gegenwärtige Politik werden aus einem westlichen Blickwinkel geschrieben. Damit sich das ändert, müssen sich die Afrikaner nicht nur ihre Erinnerung zurückholen, sie müssen auch aufhören, ausschließlich Andere für ihr Schicksal verantwortlich zu machen, schlussfolgern die Autoren.
In der Welt schaut Christian Putsch auf die afrikanischen Entwicklungshemmnisse der letzten 125 Jahre und schlussfolgert, dass, obgleich man die negativen Folgen des Kolonialismus selbstverständlich nicht klein reden sollte, man zu kurz greift, wenn man alle Entwicklungsschwierigkeiten Afrikas auf den Kolonialismus oder die willkürlich gezogenen Grenzen, schiebt. Für die wirtschaftliche Entwicklung ausschlaggebender sei das restriktive Handelssystem innerhalb Afrikas, das innerkontinentalen Handel schwierig und teuer mache und Korruption fördere.
In der Frankfurter Rundschau fragt Johannes Dieterich warum sich Deutschland nie wirklich für Afrika interessiert habe, warum es nie eine stärkere wirtschaftliche Kooperation angestrebt habe oder die Chancen genutzt habe, die sich aus einer weniger belasteten Vergangenheit (im europäischen Vergleich) ergaben. Doch gegenwärtig sei das Desinteresse wiederum nicht sonderlich überraschend, schlussfolgert Dieterich – mit einem Entwicklungsminister, der sein Ressort am liebsten wegrationalisieren würde und einem Außenminister, der sich mehr für Hartz IV als für Afrika zu interessieren scheint.
Wirtschaftskrise wird zur Verschuldungskrise
Erlassjahr und die Kindernothilfe haben gestern ihren „Schuldenreport 2010” vorgestellt, berichtet die Nachrichtenagentur epd. Die Wirtschaftskrise habe viele Länder in eine neue Schuldenkrise befördert. In 60 Ländern sei die Schuldensituation „kritisch“, in 30 weiteren „prekär“. Die Autoren äußerten besondere Besorgnis über die Situation in Haiti.
Den Schuldenreport 2010 von erlassjahr und Kindernothilfe
Sarkozy räumt in Ruanda politische Fehler ein
Der Tagesspiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichten über den symbolisch äußerst wichtigen Besuch von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Ruanda. Sarkozy gab „schwere Einschätzungsfehler“ Frankreichs während des Genozids zu.
Niebel „hängt Preisschilder an Bäume”
Laut einem Artikel von Martina Doering in der Berliner Zeitung will Entwicklungsminister Dirk Niebel „Preisschilder an Bäume hängen“. Als er bei einer gemeinsamen Veranstaltung von GTZ und KfW über Biodiversität sprach, konzentrierte sich Niebel auf den ökonomischen Nutzen von Umweltschutz – wie der Schutz der Gorillas den Ökotourismus fördere und wie der Erhalt bestimmter Pflanzen der Entwicklung von Medikamenten und somit den Pharmakonzernen nutze. Doch er betonte auch, dass der Nutzen aus dem Umweltschutz auch den Entwicklungsländern selbst zugute kommen müsse, da ihnen sonst der Anreiz fehle, überhaupt Umweltschutz zu betreiben.
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