Les Roberts, unter anderem Dozent an der Mailman School for Public Health der Columbia Universität, hat ausgedehnt in verschiedensten Ländern von Simbabwe bis zur Demokratischen Republik Kongo gearbeitet. Dies ist der dritte Beitrag unserer losen Serie über die Situation in der Zentralafrikanischen Republik:
Das tatsächliche Ausmaß der Auswirkungen des Konflikts auf die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik wird verdeckt, wenn man lediglich die Zahl der gewaltsamen Todesfälle oder kriegsverbundenen Opfer zusammenzählt – obwohl das zweifelsohne eine Tragik für sich darstellt. Zweifellos tragen die sechs organisierten Rebellengruppen und die ständige Gefahr von Wilderern und Straßenbanditen zu einer Unsicherheit bei, die einen Großteil der ländlichen Bevölkerung ständig beschäftigt – und sei es nur als Bedrohungsgefühl im Hinterkopf. Aktive Kampfhandlungen beschränken sich auf einzelne kleine Gegenden des Landes und die Mehrheit der Bevölkerung lebt in Gebieten mit wenig oder gar keiner Rebellen- oder Banditenaktivität.
Dennoch: Die Eigenart des Konflikts hindert die Bevölkerung am Zugang zu den einfachsten Dingen des Lebens. Und das ist es, was das Desaster kultiviert. Das Gesundheitssystem der Zentralafrikanischen Republik liegt in Trümmern. Selbst die grundlegendste Versorgung ist für viele außer Reichweite. Menschen sterben, weil Apotheken keine Vorräte haben und die wenigen ausgebildeten Ärzte des Landes in der Regel in der Hauptstadt Bangui bleiben – wegen der Instabilität im Rest des Landes, wegen den schlechten Transportverbindungen und weil sie auf dem Land keinen Zugang zu der Entlohnung hätten, die ihnen die Regierung zahlt.
In Mobaye trafen wir einen jungen Mann mit großen Schmerzen, drei Tage nach einem verheerenden Motorradunfall. Er kam nicht aus der Stadt und hatte keine Familie in der Nähe. Er war als Lehrling eines LKW-Transportunternehmens auf der Durchreise. Ihr Lastwagen war kaputt gegangen. Er humpelte und lehnte sich auf einen großen Stock. Seine Schulter und sein zerschmetterter rechter Arm wurden von einer Schlinge aus einem schmalen Streifen Stoff gestützt. Er hatte ein T-Shirt über seinen Kopf gelegt, um die schweren Verletzungen in seinem Gesicht zu verbergen.
Nach seinem Unfall war er in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie hatten ihm den Stoff gegeben, der seinen gebrochenen Arm stützte, möglicherweise ein paar Schmerzmittel. Das einzig Andere, das sie ihm geben konnten, war etwas, das sie „Evakuierungspapier“ nannten. Dieses Papier besagte, dass das Krankenhaus ihn nicht behandeln könne und dass er nach Bangui gebracht werden müsse. Aber sein Lkw war kaputt und es gab keine andere Transportmöglichkeit. Als wir mit unseren Unicef-Fahrzeugen in der Stadt ankamen, waren wir die einzige Hoffnung, die er hatte. Wir brachten ihn zur nächstgrößeren Stadt – fünf Stunden weit weg – und dort fand er Verwandte, mit denen er in die Hauptstadt reisen konnte. Wir hoffen, dass er sich in Bangui seine gebrochenen Knochen richten lassen konnte, dass er Antibiotika bekommen hat, für die Infektionen, die sich in seinen offenen Wunden ausbreiteten und vielleicht etwas gegen die Schmerzen. Wir hoffen. Aber was, wenn wir nicht an diesem Tag nach Mobaye gekommen wären? Was hätte er tun können?
Als wir die Zentralafrikaner in unserer landesweiten Untersuchung fragten, welche Probleme sie und ihre Gemeinden hätten, nannten die Menschen im gesamten Land hauptsächlich Krankheiten, Mangel an Nahrung und Wasser, selbst in den unsicheren Gegenden. Wenn sie gefragt wurden, was ihnen und ihren Gemeinden helfen würde, mit diesen Problemen fertig zu werden, war die Antwort nie UN-Friedenstruppen oder eine militärische Antwort auf den Konflikt – es war Gesundheitsversorgung, Wasser, Nahrung, Medizin und ausgebildetes medizinisches Personal. Man würde dies wahrscheinlich als „die Grundlagen“ bezeichnen. Der Bürgerkrieg der Zentralafrikanischen Republik ist kompliziert, aber die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung sind es nicht. Wie können wir helfen, sicher zu stellen, dass die Zentralafrikaner zumindest diese „Grundlagen“ haben?
– Les Roberts –
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