Was verbirgt sich hinter dem CDM?


16.12.2009 18:00Uhr
von Carola Bieniek

Im letzten Teil unserer Serie zu den Themen in Kopenhagen, erklärt Joe Powell den CDM:

Der Clean Development Mechanism (CDM) – auf Deutsch etwa „Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung” – war eines der Ergebnisse des Kyotoprotokolls. Sein Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Reduzierung von Emissionen so kosteneffizient wie möglich umgesetzt wird.

Die Idee, die CDM zugrunde liegt, ist, dass oftmals Emissionssenkungen in Entwicklungsländern viel weniger kosten als in Industriestaaten. Privatunternehmen sollen also in Projekte in Entwicklungsländern investieren, die in geringeren Treibhausgasausstößen resultieren. Unabhängige Stellen prüfen dann, wie viele Emissionen damit vermieden wurden und die Unternehmen erhalten Zertifikate über das eingesparte CO2, die Certified Emission Reductions (CER). Diese Zertifikate können dazu eingesetzt werden, die Emissionen in den Heimatländern der Unternehmen auszugleichen. Oder sie werden verkauft. Das klingt alles sehr technisch, aber unter dem Strich bleibt, dass Entwicklungsländer hier auf zwei Ebenen gewinnen können: es werden Investitionen getätigt und neue Technologien kommen ins Land. Die Hauptkritik am CDM in seiner derzeitigen Form ist, dass er zu umständlich und bürokratisch ist.

Mehr als 1.000 Projekte haben bisher den strengen Registrierungsprozess durchlaufen. Dieser stellt an die Projekte den Anspruch, dass sie „echte, messbare und verifizierbare Emissionsreduzierungen” bewirken, „die ohne das Projekt nicht realisiert worden wären.” Der Großteil dieser Projekte wird in Asien umgesetzt. Afrika hat bisher, trotz seines riesigen Potentials im Gebiet erneuerbarer Energien, noch kaum vom CDM profitieren können. Dafür gibt es verschiedene Gründe, doch einer scheint mir besonders erwähnenswert: unter den CDM-Regeln gibt es für beispielsweise einen Windpark in Indien weitaus mehr CERs als für einen Windpark in Äthiopien. Das wird damit erklärt, dass Indien einen Großteil seiner Energie aus Kohle gewinnt, während Äthiopien vor allem aus Wasserkraft Energie erzeugt. Also, so die CDM-Regeln, ist der „CO2-Gehalt“ der indischen Elektrizität höher und erneuerbare Energien sparen mehr Emissionen ein. Im Endergebnis haben Länder so einen Grund, zunächst zu größeren Umweltverschmutzern zu werden, um dann die „schmutzigen Technologien” – gegen Bezahlung – austauschen. Länder, die bereits (oder noch) einen geringen Treibhausgasausstoß haben, werden bestraft.

Daher setzt ONE sich dafür ein, dass der CDM reformiert wird. Afrikanische Staaten sollten davon profitieren können, dass sie dabei helfen, die globalen Emissionen zu reduzieren. Durch viele kleine Projekte könnte Afrika eine Menge beitragen. Diese sind jedoch für Investoren weniger attraktiv. Also sollte es möglich sein, mehrere kleinere Projekte zu bündeln. Außerdem sollte der Mechanismus vorhersagbarer werden, um größeres Interesse beim Privatsektor hervorzurufen. Darüber hinaus müssen afrikanische Institutionen gestärkt werden, um die notwendigen Kapazitäten für die Steuerung dieser komplexen Projekte zu erwerben. Teilweise wird dazu auch eine Anschubfinanzierung notwendig sein. So könnte CDM bewirken, dass Afrika das Potential ausschöpft, welches der Kontinent bei der Bewältigung des Klimawandels hat.

ONEs Forderungspapier zum Kopenhagener Prozess findest du hier.

– Joseph Powell –

Schlagworte: Clean Development Mechanism (CDM), Entwicklungszusammenarbeit, Handel, Joe Powell, Klimavereinbarung, Klimawandel, Politik Aktuell

 



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