Wie wir schon letzte Woche berichteten, ist die Lungenentzündung weltweit bei Kindern die Todesursache Nummer 1. Und dennoch hat die Krankheit bisher nur einen Bruchteil der Finanzmittel und Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für sich einnehmen können, die andere weltweite Gesundheitsthemen erhalten haben. Gestern hat ONE in New York einen Gipfel zum ersten Welttag gegen die Lungenentzündung mit organisiert. Ziel war es, diesen Trend umzukehren und verschiedenste Interessenvertreter für ein Ziel zu mobilisieren: bis 2015 fünf Millionen Kinderleben zu retten. Dazu sollen die Menschen in den am stärksten betroffenen Ländern Zugang zu medizinischen Behandlungen bekommen, die in vielen anderen Ländern bereits weiträumig angewendet werden.
Als Teil einer internationale Aktionswoche mit dem Ziel das Problembewusstsein mit Veranstaltungen in Ländern wie Nigeria, Bangladesch, Kenia und den Philippinen brachte der Gipfel Gesundheitsexperten und –aktivisten aus aller Welt zusammen. Er fand außerdem parallel zur Veröffentlichung des Global Action Plan for the Prevention and Control of Pneumonia (GAPP) statt. Dieser Bericht von UNICEF und Weltgesundheitsorganisation WHO gibt einen Fahrplan vor, wie in den nächsten sechs Jahren fünf Millionen Kinderleben gerettet werden sollen: mit Hilfe einer ganzheitlichen Strategie des Schutzes, der Vorsorge und der Behandlung in 68 besonders betroffenen Ländern. Im Jahr 2010 wird die Umsetzung des Planes etwa $3,8 Mrd. kosten. Dieser Beitrag müsste bis 2015 auf $8 Mrd. pro Jahr gesteigert werden. Unter dem Strich steht also eine Investition von $12,90 pro Kind und Jahr.
Es ist nicht überraschend, dass ein Großteil der Gelder in die Stärkung der Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern fließen soll. Nur so erreichen die Maßnahmen diejenigen, die sie benötigen und Lungenentzündungen können schnell und richtig erkannt und behandelt werden. Auch wenn sich während des Gipfels in New York viele Redner auf die Folgen der Lungenentzündung und die Mittel, die zu Kampf gegen sie benötigt werden, bezogen, gab es doch auch eine starke Übereinstimmung, dass jede Strategie gegen die Lungenentzündung in Strategien zur Bekämpfung von anderen häufigen Kinderkrankheiten wie Durchfall oder Malaria einfließen müsste. Dies gilt insbesondere bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen.
Schon die Eröffnungsredner des Gipfels, Jeff Sachs von der Columbia University und die Grammy-Gewinnerin und UNICEF-Botschafterin Angelique Kidjo rückten die Rolle der Lungenentzündung innerhalb der gesamten Gesundheits- und Entwicklungsthematik in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen. Professor Sachs begann mit einem Aufruf an die Aktivisten gegen Lungenentzündung, mit den Aids- und Malariaaktivisten zusammenzuarbeiten anstatt darüber zu „zanken“, welche der Krankheiten wohl die Mittel erhält, die sie benötigt. Schließlich wüssten wir doch alle, dass keine Krankheit wirklich die globale Aufmerksamkeit und die Mittel bekommt, die notwendig sind, um sie auszurotten. Sachs nannte den Gipfel der Vereinten Nationen zur Überprüfung des Standes bei der Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) im nächsten Jahr als Moment, in welchem die Entwicklungsgemeinschaft die Regierungen der Welt zur Rechenschaft darüber verpflichten sollte, wie weit sie es bei der Erreichung der 2000 gesetzten Ziele gebracht haben. US-Präsident Obama gehört zu den Staats- und Regierungschefs, die sich vorgenommen haben, zum Gipfel einen konkreten Plan mitzubringen, wie die MDGs bis 2015 erreicht werden sollen und in den darauffolgenden Jahren extreme Armut ganz ausgelöscht werden soll.
Sängerin Angelique Kidjo konzentrierte sich auf die Bedeutung der Bildung von Frauen im Kampf gegen Lungenentzündung aber auch andere Kinderkrankheiten. Dabei spielten ihren eigenen Erfahrungen als Kind in Benin und ihre Reisen als UNICEF-Botschafterin durch verschiedene afrikanische Länder eine entscheidende Rolle. Dort, sagte Kidjo seien Frauen als Mütter und Pflegerinnen Schlüssel für ein Ende der Lungenentzündung und anderer Krankheiten.
Hier könnt ihr euch einen Webcast vom Gipfel zum ersten Welttag gegen die Lungenentzündung ansehen. Auf den Seiten der World Pneumonia Day Coalition findet ihr auch weitere Informationen, wie ihr den Kampf gegen die Lungenentzündung unterstützen könnt.
– Virginia Simmons –
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