Warum ich ungeduldige Optimistin bin


27.10.2009 19:49Uhr
von Carola Bieniek

Ein Gastbeitrag von Melinda Gates:

In dieser Woche werden Bill und ich in Washington sein, um etwas zu tun, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag: wir sagen „Danke!”. Wir sagen denjenigen Danke, die Teil hatten an den großen Anstrengungen der US-Regierung, die globale Gesundheit zu verbessern. Unter anderem werden wir unsere neue Kampagne namens Living Proof Project: U.S. Investments in Global Health are Working vorstellen. Ihr Ziel ist es, Amerikanern von den enormen Erfolgen zu berichten, die wir auf vielen Gebieten bei der Verbesserung der Gesundheit überall auf der Welt machen. Unsere Hoffnung ist es, dass, wenn mehr Menschen die Ergebnisse sehen, sie diese fesselnden Geschichten mit anderen teilen werden und damit Amerika weiterhin dabei unterstützen werden, auf diesem Gebiet eine Führungsrolle einzunehmen.

Ich weiß, dass für Bill und mich diese Geschichten einen tiefgreifenden Einfluss darauf haben werden, wie wir Möglichkeiten sehen, die sich in den kommenden Jahren ergeben werden. In unserer Stiftung haben wir immer geglaubt, dass die Erfolge mit anderen zu teilen der beste Weg ist, andere zu motivieren und inspirieren. Durch unsere Arbeit, insbesondere bei Besuchen vor Ort, wurden wir immer wieder tief berührt von den sehr persönlichen Geschichten darüber, wie sich Leben zum Besseren gewandelt haben.

Als ich in diesem Jahr Äthiopien besuchte, traf ich Tsion. Tsion ist eine hart arbeitende Gesundheitsarbeiterin, stationiert in Wuye Gosee in Nordwestshewa in der Region Oromiya – etwa drei Autostunden nördlich von Addis Abeba. Sie lebt in der Gesundheitsstation, in der sie arbeitet, in einem der Räume, in denen sie auch Patienten empfängt. Wenn sie nicht in der Station selbst arbeitet, besucht Tsion andere Stationen und auch die Häuser der Patienten. Gemeinsam mit einem anderen Gesundheitsarbeiter ist sie für unglaubliche 1.500 Haushalte verantwortlich. Zu einigen davon müssen sie zwei Stunden laufen.

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Sorge für werdende Mütter und Neugeborene. In Äthiopien entscheiden sich die meisten Familien für die Geburt zuhause unter Aufsicht von traditionellen Geburtshelferinnen. Diesen traditionellen Geburtshelferinnen fehlen aber grundlegende Fähigkeiten, z.B. um innere Blutungen nach der Geburt zu stoppen oder Neugeborene wiederzubeleben, wenn sie nicht atmen. Jetzt hat die äthiopische Regierung ein Programm zur Ausweitung der Gesundheitsversorgung ( Health Extension Program) begonnen, mit dem der Zugang zu Gesundheitsversorgung in ländlichen Gegenden in großen Schritten verbessert wurde. In den letzten fünf Jahren wurden mehr als 30.000 Gesundheitsarbeiter ausgebildet – und die Gesundheit von Müttern und Kindern verbessert sich stetig.

Das Programm zur Ausweitung der Gesundheitsversorgung ist ein guter Anfang: eine Möglichkeit, sichere und wirksame Versorgung für viele weitere Frauen und ihre Neugeborenen zur Verfügung zu stellen. Nun müssen wir auf diese Erfolge aufbauen – sie noch mehr Frauen in Äthiopien zugänglich machen und Familien in anderen Ländern mit den Lernerfolgen aus Äthiopien helfen. Für Millionen von Frauen in armen Ländern stellt die Geburt eines Kindes nicht die reine Freude dar, die sie sein sollte. Hier bedeutet eine Geburt Freude gemischt mit großer Angst. Denn immer gibt es die reale Möglichkeit, dass die Mutter oder ihr Kind nicht überleben werden.

Aus all diesen Gründen sind Bill und ich, wenn es um die globale Gesundheit geht, zwar Optimisten – aber ungeduldige Optimisten.

Wir sind Optimisten weil wir, wenn wir durch die Welt reisen, ständig auf Menschen wie Tsion und ihre Patienten treffen, deren Leben durch intelligente und großzügige Investitionen in die globale Gesundheit verwandelt wurden. Wir sehen leibhaftige Beweise dafür, dass US-Investitionen in die globale Gesundheit funktionieren. Millionen von Leben wurden und werden gerettet. Unfassbare Erfolge werden erreicht. Doch es gibt so viel mehr, das wir voller Ungeduld Realität werden sehen wollen.

Wenn man nur von den Problemen bei der globalen Gesundheitsversorgung hört, können diese furchteinflößend wirken. Doch wenn ihr die unglaublichen Fortschritte sieht – die auch durch die Großzügigkeit der USA und anderer Geber möglich wurden – weiß ich, dass ihr genauso viel Hoffnung wie ich verspüren werdet. Und ihr werdet mehr tun wollen.

Sehr euch nur diese Erfolgszahlen an:

  • Die Zahl der Kinder, die vor Vollendung des fünften Lebensjahres sterben, ist von 20 Millionen im Jahr 1960 auf neun Millionen im Jahr 2008 gefallen.
  • Impfungen sind Investitionen, die sich wahrlich bezahlt machen: seit 1980 sank dank Impfkampagnen die Zahl der Diphteriefälle um 93 %, die Zahl der Tetanusfälle um 85 % und die Zahl der Masernfälle um 93 %.
  • Im Jahr 2008 allein profitierten 32 Millionen Menschen von lebensrettender Malariavorsorge und –behandlung.

Die USA und die Partner überall auf der Welt haben die Möglichkeiten, Millionen von Menschen zu stärken und ihre Leben zu retten. Bill und ich hoffen, diese Erfolgsgeschichten am 27. Oktober mit der Präsentation Living Proof Project: U.S. Investments in Global Health are Working mit der Welt teilen zu können.

– Melinda French Gates –

Die Kollegen von ONE in den USA übertragen die Präsentation Living Proof: Why we are Impatient Optimists heute um Mitternacht auf ihrer Website. Klickt hier, um euch anzumelden.

Schlagworte: Äthiopien, Bill und Melinda Gates Stiftung, Entwicklungszusammenarbeit, Gesundheit von Müttern und Kindern, Intelligente Hilfe, Malaria, USA, Wirksamkeit

 



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