We are ONE!


10.10.2009 20:00Uhr
von Carola Bieniek

Musiker Rea Garvey schreibt in seinem Facebook-Blog über seine Erlebnisse und Eindrücke von der Reise nach Tansania. Heute zieht er ein Resüme:

Gestern Abend trafen vier ganz unterschiedliche Personen, die alle auf ganz unterschiedliche Weise in Tansania leben. Einer war ein berühmter Musiker namens Banana, ein anderer ein Poet namens Mrisho Poto und dann war da noch eine Frau namens Margaret, die eine Bank nur für die Frauen Tansanias eröffnet hatte und Rackesh, der einst Haki Elimu gegründet hatte und nun eine Organisation leitet, die afrikanischen Regierungen auf die Finger schaut.

Ich machte ganz unterschiedliche Erfahrungen. Mit Margaret konnte ich mich leider nicht unterhalten, da sie früh gehen musste und Ulrike, die Journalistin, die uns begleitet, ein Interview mit ihr führen wollte. Ich sprach auch nicht mit Mrisho Poto, der sich vor allem mit Andreas von ONE unterhielt und auch früher gehen musste. Und ich sprach nicht mit Banana, weil er Banana heißt und ich keine Ahnung hatte, wo ich das Gespräch beginnen sollte und weil er sich vor allem mit Jana unterhielt. Ich unterhielt mich mit Rackesh. Und das war genauso intensiv wie die anderen Gespräche, die ich auf dieser Reise hatte.

Ich erzählte ihm von den Gedanken der anderen Menschen, die wir getroffen hatten, und versuchte herauszufinden, ob er ihren Gedanken und Meinungen zustimmt. Mein Ziel ist es, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. In der Hoffnung, dass ich ein Bild von Tansania erhalte, dass andere verstehen können. Doch zunächst muss ich selbst Tansania verstehen!

Als Lobbyist stand er fast allen kritisch gegenüber. Doch seine Kritik war größtenteils konstruktiv und bot verschiedene Lösungen, von denen er glaubte, dass sie umgesetzt werden sollten. In unserer Unterhaltung bildete sich so etwas wie ein roter Faden. Ich stimmte ihm nicht in allem zu, was er sagte, aber unterstützte ein paar seiner Ansichten. Es ist eine Tatsache, dass Tansania internationale Finanzierung braucht. Aber diese muss wirksamer gestaltet werden. Die Mittel, die zur Verfügung stehen, werden manchmal nicht ausgegeben, weil die internationalen Partner das Gefühl haben, dass ihnen auf tansanischer Seite keine zuverlässigen / kompetenten Partner gegenüberstehen. Also geht das Geld zurück zum Geber. Die tansanische Regierung muss transparenter in der Verwendung der Mittel werden und die tansanische Bevölkerung darüber informieren, welche Mittel ihren Schulen und Gemeinden zur Verfügung stehen.
Außerdem muss meiner Meinung nach lokale Finanzierung erhöht werden, um der tansanischen Bevölkerung mehr Vertrauen in das System zu geben, damit die Menschen die Regierung unterstützen, indem sie ihre Steuern zahlen. Diese Finanzierung heißt Mikroprojekte (Sitzplätze für Kinder in den Schulen, Bücher und Schreibhefte) und erhält daher im Vergleich zu großen Projekten wie z.B. zur Wasserversorgung nur wenige Mittel. Doch diese Mikroprojekte sind es, die die Menschen sehen und fühlen können. Wenn es in den Schulen genügend Sitzmöglichkeiten und Bücher gibt, werden die Menschen ein wenig Vertrauen in das System und ihre Lokalregierungen gewinnen, welches zu einem größeren Vertrauen in ihre Politiker / Regierungen führen wird.

Rea Garvey und Minh-Khai auf einem Markt in Daressalam, Tansania

So denke ich nach dem, was ich gesehen habe. Es gibt einen starken Willen auf beiden Seiten, dasselbe Ziel zu erreichen, Tansania stark und unabhängig zu machen. Doch es gibt Unterschiede: es gibt Mittel, aber keine Kompetenzen (auf allen Seiten), um diese in die richtige Richtung zu lenken; es gibt einen Glauben daran, dass die Dinge sich verbessern können, doch es fehlt das notwendige Vertrauen, um die großen Schritte zu machen. Twiga Cement hat gezeigt, dass alles möglich ist. Der Schlüssel sind Menschen wie Pascal (ein Belgier), der seine Zweifel überwindet und in seinen Mitarbeitern Vertrauen erweckt. Sie auf der anderen Seite, überwinden ihre Zweifel, indem sie die Erfolge in ihre Schule und Heime tragen und auf ihre Lebensstandards übertragen. Es mag wie eine Phantasterei erscheinen, dass ich meine, dies erkannt zu haben, während die Menschen, die tagein und tagaus an dem Problem arbeiten, dies nicht tun. Doch jemand, der bereit ist, sich den Herausforderungen zu widmen und innerhalb des Systems zu arbeiten und es gleichzeitig zu verbessern, der akzeptiert, dass der Erfolg des Landes auch der Erfolg des eigenen Unternehmens ist, ist Schlüssel zur Lösung! Wir brauchen mehr Gläubige, die durch Beispiele zeigen können, dass Veränderungen möglich und Erfolge machbar sind.

Ich habe hier so viel gesehen und hoffe, dass die Nachricht euch da draußen erreicht! Morgen reise ich sehr früh ab und ich werde traurig sein zu gehen, nun da die Nervosität und das Gefühl des Unbekannten verschwunden sind. Dieses Land hat eine große Ressource, die man auf seinen Straßen findet und die dich mit jedem Schritt umarmt. Und das sind seine Menschen. Solch schöne, warmherzige, stolze Menschen verdienen die Chance, ihren größten Traum zu erfüllen.

Schüler in einer Grundschule in Daressalam, Tansania

Heute haben wir uns noch die alte Festung angesehen, die einst Eckpfeiler der deutschen Kolonialsoldaten war, die einst das Land regierten. Das einprägsamste Bild war jenes der Deutschen, die hier gestorben sind. Der Friedhof liegt direkt am Indischen Ozean und irgendwie hat dieses Bild die Teile des Puzzles zusammengefügt. Ich möchte mich jetzt nicht als Pastor aufspielen. Doch es scheint offensichtlich, dass, egal wie groß die Entfernungen zwischen den Ländern oder den Religionen, Hautfarben oder politischen Ansichten, wir eine Welt mit einer Bevölkerung sind. We are ONE!

– Rea –

Schlagworte: Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Favoriten, Handel, ONE in Tansania 2009, Rea Garvey, Tansania, Wirksamkeit

 



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