Musiker Rea Garvey schreibt in seinem Facebook-Blog über seine Erlebnisse und Eindrücke von der Reise nach Tansania. Heute über ein Abendessen mit dem obersten Korruptionsbekämpfer der tansanischen Regierung Dr. Edward Hoseah und Betty Missokia von Haki Elimu sowie unserem Besuch beim Unternehmen Twiga Cement:

Gestern Abend, nachdem wir verschiedenste Aspekte Tansanias gesehen hatten, trafen wir uns im Hotel mit einem Regierungsmitarbeiter und einem Mitglied einer angesehenen Lobbygruppe. Zunächst machte mir die Tatsache, dass wir Gelegenheit haben sollten, auf solch wichtige Menschen zu treffen, Angst. Erst da erkannte ich die Bedeutung, die ONE in afrikanischen Ländern hat. Ich fühlte mich wichtig und geehrt und wenig später frustriert. Der Regierungsmitarbeiter begann, das Ausmaß der Korruption in seinem Land zu erklären, die Ineffizienz der Verwendung der Gelder der internationalen Entwicklungsorganisationen hier. Ich hörte zu und wurde irgendwann der Sprecher der Gruppe (das muss bei ONE so ein irisches Ding sein). Ich hörte beiden andächtig zu und nahm die Personen um mich nicht mehr wahr. Weil ich nicht verstehen konnte, warum so viele Millionen in diesem wunderbaren Land mit seinen wunderbaren Menschen nicht größere Wirkungen hatten. Ich fragte und fragte und dann hörte ich zu. Schließlich stellte ich fest, dass die Hilfe und Entwicklungsanstrengungen in Tansania Auswirkungen hatten, aber nicht die angestrebten Auswirkungen. Manchmal stellt Geld die Lösung dar. Doch die langfristige Wirkung, dass Tansania eines Tages gänzlich auf eigenen Beinen steht, wurde von keiner Seite erreicht, weil BEIDE glauben, dass die Tansanier die Rolle nicht kompetent ausfüllen können, weil sie heute Spielball der ausländischen Organisationen / Länder sind. Gesundheit oder Bildung?? Niemand will die Entscheidung treffen und daher ist es die Situation mit der Henne und dem Ei. Was sollte an erster Stelle stehen?

Soweit ich das sehe, müssen die Gelder für Gesundheit und Bildung erhöht werden. Doch das Vertrauen (welches momentan teilweise aus gutem Grund nicht vorhanden ist!) in einem Land, das nicht noch einmal von einer fremden Macht regiert werden will und das Vertrauen von fremden Mächten, in ein Land zu investieren, das keine Rendite für die Investitionen verspricht, ist nicht da. Also wird die „Lebensmittelmarken-Hilfe“, die einem großen Anteil der Bevölkerung hilft, weiter Leben retten, während die letztendliche Selbstbestimmtheit, die Tansania zu einem Partner im Weltmarkt macht, in weite Ferne rückt.
Als ich zu Bett ging, fühlte ich mich durcheinander und frustriert. Politik ist ein Labyrinth aus falschen Entscheidungen.
Am nächsten Morgen stand ich auf – immer noch mit Interesse an meiner Mission, die Probleme hier zu verstehen, doch mit weniger Sicherheit darin, eine Lösung zu finden. Auf dem Weg zur Twiga Zementfabrik, während langer Unterhaltungen mit meinen Mentoren von ONE erkannte ich, dass ihre Fähigkeit, positiv zu bleiben, etwas ist, das man lernen muss.
Hier trafen wir Pascal, einen belgischen Manager, dem vor zwei Jahren die Verantwortung für die Firma übertragen wurde. Pascal machte einer deutschen Zementfirma (Heidelberg Zement) den Vorschlag, in Twiga zu investieren. Sein Plan wurde umgesetzt und die Firma investierte €100 Mio. in das Unternehmen, welches nun zu den größten Steuerzahlern in Tansania gehört.

Pascal begrüßte uns mit offenen Armen und voller Freude, dass wir uns die Zeit nahmen, seine Fabrik zu besuchen. Wieder wurde ich Zeuge der Macht von ONE. Im Konferenzraum trafen wir auf die Menschen, die ihm bei der Leitung des Unternehmens helfen – 70 % von ihnen waren Tansanier.
Er hielt einen Vortrag darüber, wie er neben der alten Fabrik eine neue Produktionsanlage aufbaute, der die alte ersetzen sollte (aufgrund des massiven Erfolgs des Unternehmens werden sie den alten Teil renovieren müssen, um den steigenden Bedarf des Marktes decken zu können!). 39 % der Anteile gehört tansanischen Investoren und die Investition ist auf dem besten Wege, sich bezahlt zu machen. Das Unternehmen verfügt über genügend Kalksteinressourcen für die nächsten 30 Jahre und hat bereits Pläne, weitere Ressourcen zu erwerben, damit die Produktion für mindestens 50 Jahre gesichert ist! Er sprach davon, dass er nicht ein bisschen an Afrika glaubte, die Region als hoch-risikoreich für jegliche Investition ansah, bevor er hierher kam (später gab ich zu, dass dies auch meine Gedanken waren). Er sprach über die Korruption in der tansanischen Regierung, erinnerte aber auch an die Korruptionsfälle in Europa, die derzeit unglücklicherweise vor allem eine Menge mit meinem Heimatland Irland zu tun haben. Ich erzählte von unseren Treffen am Tag zuvor und fragte ihn, ob er sich mit Regierungsoffiziellen unterhielt, die planten, in Tansania zu investieren, und was er ihnen sagen würde. Er zählte auf: investiert in den Privatsektor, stellt Handelskonzessionen zur Verfügung und Subventionen für Privatunternehmer, damit diese in Tansania investieren und sich positionieren, glaubt an die Menschen in Tansania… „Wenn du an etwas glaubst, wie ich an Tansania, dann wird es wahr werden!”
Einen Moment mal!! Er hat meinen Blog gelesen!
Ich war sprachlos und ich war überzeugt! Natürlich gibt es in der wirklichen Welt Risiken, wenn du in etwas investierst. Doch wenn du wirklich daran glaubst, dann wirst du nicht vom Gegenteil überzeugt werden. Und in vielen Fällen ist dies genau die Stärke, die den Erfolg bringen wird. Dieser Mann und sein Team sind überzeugt von ihren eigenen Fähigkeiten und überzeugten mich mit ihrem Erfolg!

Ich bin kein Politiker. Ich bin ein Beobachter, der davon erzählen möchte, was er gesehen hat. Tansania hat seine Probleme. Ich bin mir sicher, dass es Korruption gibt. Doch wie in jedem anderen demokratischen Land gilt, dass wenn die Menschen ein System sehen, dem sie vertrauen, dann werden sie dem Weg zur Entwicklung folgen, mit dem Wissen, dass, was gut für die Allgemeinheit ist, auch ihnen gut tun wird. Das Land ist in der Lage auf seinen eigenen Füßen zu stehen, braucht aber die Hilfe von anderen, um dieses Ziel zu erreichen. Es wird eine Zeit kommen, in der wir Tansania als Teilnehmer am Weltmarkt sehen werden. Sie haben die Mittel, sie haben nur noch nicht die Infrastruktur, um von ihnen profitieren zu können. Was ich heute gesehen habe, hat mir Auftrieb gegeben. Ich fühlte mich geehrt von der Aufmerksamkeit, die mir so viele wichtige und hart arbeitende Regierungsoffizielle geschenkt haben. In einigen Momenten fühlte ich mich gar so, als würde ich in der Politik mitspielen. Doch in der Realität kann ich nur immer wieder betonen: Ich bin kein Politiker, ich bin nur ein Musiker!
– Rea –
Im ONE Blog berichten wir über Hintergründe und Neuigkeiten rund um die Armutsbekämpfung weltweit. Die Beiträge stammen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ONE, aber auch von Unterstützerinnen und Unterstützern, Netzwerkpartnern, Freunden der Organisation und Entwicklungsexperten.
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