Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie bei Shiri finden wir nur wenige Meter weiter. Bei einer Familie, die Austernpilze in einer kleinen Hütte in ihrem Garten anbaut. Auch diese Familie gehört einer Gruppe an. Diese hatte vor einigen Jahren aus dem von IFAD unterstützten Programm die ersten Sporen und eine Anbauanleitung erhalten. Auch das war erst ein schwerer Beginn. Dazu muss man wissen, dass Austernpilze in der Gegend gänzlich unbekannt waren. Die Kleinbauern gingen also nicht nur die relativ hohe finanzielle Verpflichtung ein, einen luftdichten und lichtundurchlässigen Raum zu bauen, sie wussten auch nicht, ob sich wirklich Abnehmer für ihr Produkt finden würden. So waren zunächst die Hotels und Restaurants, die vor allem westliche Touristen beherbergen, die einzigen Abnehmer. Nach und nach gewöhnten sich aber auch die Einheimischen an den Pilz: sie verarbeiten ihn zu Brot, Pulver für Suppen, Marmelade und Kuchen; sie lernten, dass der Pilz ähnlich viel Eiweiß wie Fleisch besitzt und daher ein guter Ersatz ist. Und so verkauft die Gruppe der Pilzzüchter nicht nur die Pilze und daraus hergestellte Erzeugnisse, sondern auch die Sporen. Inzwischen gehören über 200 Familien der Gruppe an.
Doch woher soll eine Bauernfamilie, die kaum Überschüsse erwirtschaften und verkaufen kann, die – wie etwa 80 % aller Tansanier – keinen Zugang zu regulären Banken hat, das Kapital nehmen, um die Voraussetzungen für die Pilzzucht zu schaffen? Da springen die so genannten SACCOS ein. SACCOS steht für Savings and Credit Cooperative Society. Und so funktioniert’s: jeder kann Anteile an der SACCOS kaufen. Damit erhält er zunächst Zugang zu bestimmten Serviceleistungen: Beratungen zur Geschäftsführung, Hilfe bei der Steuer und Zugang zu Lagern. Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Für Kleinbauern bedeutet das, sie müssen ihre Ware – zum Beispiel Mais oder Reis – nicht sofort nach der Ernte verkaufen, sondern können sie lagern und verkaufen, wenn der Preis günstig ist. Dazu erhalten sie einen Beleg über die eingelagerte Ware, den sie als Sicherheit für einen Kredit hinterlegen können. Die SACCOS bietet aber noch einen Service: die Mitglieder können bis zur dreifachen Höhe ihrer Einlage einen Kredit aufnehmen. Diese Kredite können sie wiederum nutzen, um neue Produkte anzubauen – Austernpilze etwa – oder aber ein bestehendes Geschäft auszubauen.
Bei der Muungano SACCOS bereitete man uns einen überwältigenden Empfang. Dann ging es aber schnell zur Sache und man erklärte uns, wie die Genossenschaft funktioniert. So sahen wir, wie eine Frau die monatliche Rate ihres Kredites in Höhe von 3 Mio. Tansanischen Schilling (TZS) (etwa 1.800 EUR) beglich. Sie hatte den Kredit zu einem Zinssatz von 20 % über eine Laufzeit von 12 Monaten aufgenommen, um ihre Schweine- und Geflügelzucht zu erweitern. Wir fragten, was passiert, wenn sie die Raten nicht begleichen könnte. Sie lächelte und sagte, dass das nicht passieren würde: ihre SACCOS heißt Muugano, was soviel wie „gemeinsam“ bedeutet. Und wenn ein Problem auftritt, wird es sofort besprochen und man versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Es wird nicht gewartet bis es zu spät ist. Die SACCOS Muugano wuchs in wenigen Jahren von 19 auf 371 Mitglieder, die „gemeinsam den Feind Armut bekämpfen“ (Sam, Sprecher von Muugano).
– Carola Bieniek –
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