Der in der letzten Woche veröffentliche Bericht Doing Business 2010 der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) führt zum ersten Mal in seiner Geschichte ein sub-saharisches Land Afrikas – Ruanda – als führenden Wirtschaftsreformer. Dies wurde anhand der Zahl und der Auswirkungen der eingeführten Reformen ermittelt. Der jährlich erscheinende Bericht bewertet Volkswirtschaften basierend auf zehn Indikatoren der Wirtschaftpolitik. Dazu gehören die Zeit und die Kosten, die aufgebracht werden müssen, um die gesetzlichen Anforderungen an die Gründung und den Unterhalt eines Unternehmens, den Handel über Landesgrenzen hinweg, Steuerzahlungen und die Auflösung eines Unternehmens zu erfüllen.
In Ruanda benötigt ein Unternehmer inzwischen nur noch zwei Vorgänge und drei Tage, um ein Unternehmen zu gründen. Importe und Exporte sind effizienter und der Eigentumsübergang kann in kürzerer Zeit geschehen. Diese Verbesserungen wurden durch die Reform von Registern und neue Fristenregelungen erreicht. Investoren sind besser geschützt, der Insolvenzprozess wurde rationalisiert und eine größere Anzahl von Wirtschaftsgütern kann als Sicherheit für Kredite eingesetzt werden.
Mauritius ist schon zum zweiten Mal in Folge das Spitzenland südlich der Sahara, wenn es um die Wirtschaftsfreundlichkeit geht. Im internationalen Vergleich steht das Land an 17. Stelle.
Trotz dieser Fortschritte, müssen jedoch weitere Reformen in Afrika durchgeführt werden. Im Durchschnitt sind die Länder südlich der Sahara nämlich weiterhin an letzter Stelle.
Insgesamt zeigt der Bericht, dass trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise zwischen Juni 2008 und April 2009 rekordverdächtige 131 Volkswirtschaften Wirtschaftsreformen durchgeführt haben. Singapur ist schon zum vierten Mal in Folge das Spitzenland bei der Unternehmensfreundlichkeit. Doch die größten Veränderungen gab es in Entwicklungsländern. Zwei Drittel der Reformen, die der Bericht benennt, fanden in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen statt.
– Mikiko Imai –
1 Kommentare
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25.09.2009 at 12:26
Sicherlich sind solche “Erfolgsmeldungen” über afrikanische Länder immer erfreulich, aber man muss beim Doing Business Bericht schon genau hinschauen.
1) Was es für die wirtschaftliche Entwicklung bringt in diesem Ranking “Top-Reformer” zu sein ist relativ unklar. Im Bericht selbst heißt es:
“”Doing Business does not measure all aspects of the business environment that matter to firms or investors - or all factors that affect competitiveness. It does not, for example, measure security, macroeconomic stability, corruption, the labor skills of the population, the underlying strength of institutions or the quality of infrastructure. Nor does it focus on regulations specific to foreign investment.” (S. vi)
2) Sieben von zehn Indikatoren des Doing Business belohnen Deregulierung (u.a. auch in sensiblen Bereichen wie dem Arbeitsrecht und der Unternehmensbesteuerung). Im obigen Beitrag heißt es: “Trotz dieser Fortschritte, müssen jedoch weitere Reformen in Afrika durchgeführt werden.” D.h. also wir brauchen mehr Deregulierung? Oder sind es nicht gerade Reformen, die eben genau an den Problemen ansetzen, die vom Doing Business gar nicht erfasst werden? - also z.B. Reformen der beruflichen Bildung, Reformen des öffentliches Sektors etc.?
Kritische Stellungnahmen finden sich z.B. hier:
Doing Business 2010: World Bank Discourages Extension of Social Protection
http://www.ituc-csi.org/spip.php?article4275
Doing business (as usual) World Bank style
http://www.eurodad.org/blog/index.aspx?id=3824&blogid=1758
The World Bank is redefining what is good for business. If you say so…
http://ifis.choike.org/informes/1025.html