Auf der 2. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik kamen am 27. und 28. August mehrere hundert Experten aus Europa und Afrika zusammen. Vertreter von dutzenden Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler und Regierungsvertreter diskutierten über eine breite Palette an Themen wie etwa die Gefahren des Brain Drain (dem Abwandern von gut ausgebildetem Fachpersonal aus Entwicklungsländern in reiche Länder) und die Chancen von Brain Circulation (die Fähigkeiten und Kontakte, die Menschen aus Entwicklungsländern erwerben, wenn Sie im Ausland studieren und arbeiten), die Einbindung der Diaspora-Gemeinde, die Paris Agenda und die Rolle der Zivilgesellschaft. Dabei ging es unter dem Tagungstitel „Neue Impulse für die Entwicklungszusammenarbeit der Länder, Regionen und Kommunen“ besonders um die künftige Rolle der subnationalen Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland.
Passenderweise ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen, gerade auch durch den Anstoß des für Entwicklung zuständigen Landesministers Armin Laschet, der auch für die Konferenz verantwortlich zeichnete, vor einiger Zeit eine Entwicklungspartnerschaft mit Ghana eingegangen. Der König des ghanaischen Königreiches der Ashanti, seine Majestät Otumfuo Nana Osei Tutu II, war einer der Hauptredner der Konferenz. Er betonte, wie wichtig die Rolle der lokalen Stammesführerschafen und die Traditionen in Afrika für wirtschaftliche Entwicklung sei. Von einigen Experten wurde dies kritisiert, da von Entwicklungshelfern oftmals gerade die traditionalen Chiefs in Afrika als Hindernis für bestimmte Entwicklungsprojekte gesehen würden. Ein wichtiges, kontrovers Thema, das leider nicht weiter vertieft wurde.
Die inhaltlich spannendste Rede hielt Bundespräsident Köhler, der mehrfach betonte, dass es in der Entwicklungszusammenarbeit auf jeden einzelnen Menschen und auf alle Ebenen des Föderalstaats ankomme. In diesem Sinne lobte er die Partnerschaft zwischen Rheinland Pfalz und Ruanda. Aber er sparte auch nicht mit Kritik an der von ihm so bezeichneten „Entwicklungsindustrie“. Diese nehme oftmals nicht die Entwicklungsimpulse aus Afrika auf und versäume so Chancen Fortschritte zu erzielen. Zugleich sei deren Arbeit all zu oft durch Konkurrenz untereinander statt Zusammenarbeit gekennzeichnet. Dass aller guten Worte zum Trotz der Entwicklungsfortschritt in Afrika häufig so gering sei, nannte Köhler beschämend. Er betonte die Bedeutung der Paris Agenda und forderte eine funktionierende Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern. Ein wichtiger Schritt seien mehr Partnerschaften in allen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere Wissenschaft und Kultur, die zu echtem Austausch zwischen Nord und Süd führten. Zum Abschluss seiner Rede verwies Köhler auch auf die notwendigen Handelsreformen und auf die schädliche Wirkung von Agrarexportsubventionen, die es schnell abzuschaffen gelte.
Auch die Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul sprach bei der Konferenz. Sie betonte in ihrer Rede die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit, welche die günstigste Form der Sicherheitspolitik sei. Sie lobte die Bundesländer für ihren Einsatz und warb für einen Ausbau der subnationalen Entwicklungszusammenarbeit, was von Minister Laschet natürlich mit Freude aufgenommen wurde. Zugleich mahnte sie, dass gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise die reichen Länder ihre Zusagen halten müssten und dass die Konjunkturpakete die Entwicklungsländer nicht belasten dürften; auch eine neue Schuldenkrise müsse verhindert werden.
– Tobias Kahler –
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