Vereinte Nationen sagen: „Business as usual” kann für die ärmsten Länder nicht weiterhin gelten


06.08.2009 16:30Uhr
von Carola Bieniek

Die weltweite Wirtschaftskrise zeigt sowohl die Möglichkeit aber auch die Notwendigkeit für Veränderung in den ärmsten Ländern (least developed countries – LDCs) an, so die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in ihrem aktuellen LDC-Bericht. Der Bericht zeigt, dass Entwicklungsländer am stärksten von der Krise getroffen wurden und dass die Krise radikale Veränderungen in der Entwicklungszusammenarbeit notwendig gemacht hat. Besonders wichtig sei eine größere Konzentration auf Landwirtschaft, wirksamere Industriepolitik sowie eine Ausweitung der Rolle stärker involvierter, gut regierter Staaten.

Gegenwärtig werden von den Vereinten Nationen 49 Länder als LDCs klassifiziert. 33 dieser Länder liegen in Afrika. Laut UNCTAD konnten in diesen Ländern die neoliberalen Ansätze, die durch politisches Versagen zusätzlich verschärft wurden, kein umfassendes Wachstum erzielen. Nachdem also das vorherrschende Leitbild der letzen Jahrzehnte keine nachhaltige Reduzierung der Armut erzielen konnte, sei es jetzt an der Zeit, ein neues Leitbild für entwicklungsorientierte Staaten zu entwerfen.

Die Strategien zur Armutsreduktion der letzten Jahrzehnte haben die Rolle des Staats geschwächt. Der Bericht betont, dass der Fokus auf institutionelle Reform, als Aufgabe des Staates im Rahmen des bisherigen Entwicklungsleitbildes signifikant verändert werden müsse. Dies, so der Bericht weiter, habe nichts damit zu tun, zu den noch älteren Mustern einer planwirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit zurückzukehren, sondern sei unabdingbar, um neue Formen der Entwicklungspolitik zu finden, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden.

Die Krise in den Griff zu bekommen, verlangt ein engagiertes Vorgehen und ausreichende Mittel ebenso wie eine starke Beteiligung der internationalen Gemeinschaft und der Industriestaaten. Jedoch bedarf es darüberhinaus neuer politischer Rahmen, die sicherstellen, dass Entwicklung weiterhin unter Einbeziehung der Empfängerländer und angepasst an die individuelle Situation erfolgt, wenn die Krise bewältigt wurde. Diese politischen Maßnahmen müssen sich auf Investitionen in die Infrastruktur, wie Straßen, Elektrizitätsnetze und Brücken konzentrieren und einheimische Finanzinstitutionen stärken.

Derzeit hängen LDCs in einem Teufelskreis aus unzureichender Nahrungsmittelproduktion, generell niedriger Produktivität, sinkenden öffentlichen Investitionen und Knappheit von Wasser und landwirtschaftlicher Fläche fest. Um den Abstieg zu bekämpfen, spricht sich UNCTAD für eine effektive Industriepolitik aus, die öffentliche Investitionen und strategische Koordination der privaten Akteure miteinschließt. Diese Industriepolitik müsse darum bemüht sein, Investitionen in Landwirtschaft und Infrastruktur zu stärken, neue wirtschaftliche Verknüpfungen zu erstellen, Technologiekapazitäten auszuweiten und landwirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Diese Maßnahmen sollten es ermöglichen, die Volkswirtschaften der LDCs zu diversifizieren und zu stärken, so der Bericht.

UNCTAD betont besonders, dass der „Weg zum Wohlstand“ über eine Förderung der landwirtschaftlichen Produktivität und eine Stärkung des gut geführten Staates führt. Zusätzlich schlägt der Bericht vor, Industriepolitik zu nutzen, um verarbeitende Industrien aufzubauen. Dies sollte am besten mit Fokus auf Technologien und Wissen geschehen, damit sich Sektoren mit hohen Renditen entwickeln. Charles Gore, Wirtschaftswissenschaftler bei der UNCTAD und einer der Autoren des Berichts, erklärte auf einer Pressekonferenz: „Die Krise hat mehr als jemals zuvor die Schwächen des vorherrschenden Entwicklungsparadigmas deutlich gemacht. LDCs sollten die Krise als Chance für Veränderung verstehen und ergreifen.“

– Pooja Gupta –

Schlagworte: Handel, Klimawandel, Landwirtschaft, Politik Aktuell, Pooja Gupta, Schulden, UNO

 



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