Der aktuelle Bericht zur Wirksamkeit von Aid for Trade


27.07.2009 16:09Uhr
von Carola Bieniek

Anfang Juli, kurz vor dem G8-Gipfel in Italien analysierte die Welthandelsorganisation WTO in Genf zum zweiten Mal die Wirkung ihres Programms „Aid for Trade“ (Hilfe für Handel). Aid for Trade ist eine im Jahr 2005 im Rahmen der WTO gestartete Initiative, die auf der Erkenntnis basiert, dass Entwicklungsländer noch nicht über die nötige grundlegende Infrastruktur und die Kompetenzen verfügen, um von einem durch handelspolitische Abkommen ermöglichten Markzugang profitieren zu können. Außerdem erkennt sie an, dass Veränderungen des globalen Handelssystems erhebliche Kosten für Entwicklungsländer bedeuten, die von regulären Hilfsprogrammen bislang nicht angemessen berücksichtigt werden konnten. Durch die zweite weltweite Untersuchung sollte der Fortschritt der Initiative bewertet und ihre Umsetzung vor Ort überprüft werden.

Während des Treffens, an dem viele hochrangige Vertreter teilnahmen, beurteilte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon das Aid for Trade-Programm als „viel versprechend und lebensrettend“ für arme Länder. Gleichzeitig äußerte er sich allerdings besorgt über jüngste Anzeichen dafür, dass der Initiative Mittel in Höhe von ca. $20 Mrd. fehlen könnten. Der WTO-Direktor Pascal Lamy fügte hinzu, dass sich das globale Handelsklima seit dem ersten Bericht vor einem Jahr dramatisch verschlechtert habe und nannte das Programm „dringlich und heutzutage absolut notwendig.“

Trotz des weltweiten wirtschaftlichen Abschwungs reagierten mehrere Geberstaaten positiv auf diesen Appell: Japan verkündete eine neue handelspolitische Entwicklungsinitiative, in deren Rahmen in den nächsten zwei Jahren $12 Mrd. für bilaterale Hilfen bei handelsorientierten Projekten bereitgestellt werden sollen. Darüber hinaus stießen auch die erheblichen Verpflichtungen, Großbritannien (£1 Mrd. pro Jahr), die Niederlande (€550 Mio. pro Jahr) und Frankreich (€850 Mio. pro Jahr) ankündigten, auf ein positives Echo.

Laut dem Bericht, den WTO und OECD gemeinsam herausgaben, kann die Initiative schon nach kurzer Zeit bedeutende Erfolge vorweisen: Die Partnerländer arbeiten Handelsfragen systematisch in ihre Entwicklungsstrategien ein und klären ihre Bedürfnisse und Prioritäten, während die Geberländer die Kooperation in Handelsfragen verbessern und mehr Mittel zur Verfügung stellen. In den Jahren 2006 und 2007 stiegen die Gelder für handelsrelevante Programme real um jeweils mehr als 10 %, neue Zusagen von Seiten bi- und multilateraler Geber beliefen sich auf $25,4 Mrd. Hinzu kamen außerdem $27,3 Mrd. in Form von nicht-konzessionellen handelsbezogenen Finanzierungen.

Allerdings weist der Bericht darauf hin, dass es angesichts der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise schwierig sein wird, diese Dynamik aufrecht zu erhalten. Qualität und Quantität der Entwicklungszusammenarbeit sind jetzt wichtiger denn je, um Wirtschaftswachstum und Wohlstand voranzutreiben – dies gilt auch für Hilfen für Handel.

– Mikiko Imai –

Schlagworte: Entwicklungszusammenarbeit, Handel, Mikiko Imai, Politik Aktuell, Welthandelsorganisation (WTO)

 



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