Wie steht es um die wirtschaftlichen Aussichten der Länder südlich der Sahara?


11.07.2009 10:00Uhr
von Carola Bieniek

Im April legte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine regionale Wirtschaftsprognose für Sub-Sahara Afrika vor, die Statistiken und Analysen der Wirtschaft dieser Region im Jahr 2008 zusammenfasst und darüber hinaus einige Vorhersagen für 2009 bietet. Die zentrale Aussage lautet, dass die betroffenen Staaten jetzt aktiv werden müssen, um die Auswirkungen der Finanzkrise einzudämmen und noch zu verhindern, dass das in den letzten Jahren erreichte Wachstum zu Nichte gemacht wird. Der IWF rät den Staaten in diesem Zusammenhang davon ab, den Folgen der Krise mit protektionistischen Maßnahmen entgegentreten zu wollen.

Der Bericht räumt ein, dass sich die Hoffnung, durch schnelles politisches Handeln in den Industriestaaten die Entwicklungsländer vor der Krise bewahren zu können, leider nicht bewahrheitet hat und warnt, dass der Umfang der weltweiten Wachstumsverlangsamung und die entsprechenden Nebenwirkungen deutlich größer sein könnten, als anfangs erwartet. Um die wirtschaftliche Dynamik des letzten Jahrzehnts am Leben zu erhalten, so der IWF, benötigt Afrika dringend zusätzliche Entwicklungsgelder – mindestens im Umfang der von den G8-Staaten 2005 in Gleneagles zugesagten Verdopplung. Obwohl die Geberländer angesichts der Krise selbst unter Druck stehen, müssen die Versprechen doch eingehalten werden, um schwere Rückschläge bei Armutsbekämpfung und wirtschaftlicher Entwicklung zu verhindern und somit politischer Instabilität vorzubeugen.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise erreichen Afrika auf drei Kanälen: Erstens hat das schwächere weltweite Wachstum die Nachfrage nach afrikanischen Exporten verringert, die Rohstoffpreise sind eingebrochen und die Staatseinnahmen somit zurückgegangen. Gleichzeitig lassen die Rücküberweisungen von Emigranten nach. All das verursacht einen Rückgang der Binnennachfrage und folglich ein geringeres Wachstum des BIP. Zweitens nehmen ausländische Direktinvestitionen rapide ab, da Investoren auf Suche nach möglichst sicheren Anlagemöglichkeiten sind. Und obwohl afrikanische Banken gar nicht mit faulen Krediten gehandelt haben, könnte ein Rückgang der Weltwirtschaft die Qualität afrikanischer Kreditportfolios letztendlich doch beeinträchtigen. Schließlich könnte die weltweite Krise im Endeffekt auch Geberländer dazu veranlassen, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zu kürzen.

Der Bericht enthält einige Schlüsseldaten für 2008…

  • Die Staaten südlich der Sahara haben sich bisher weniger krisenanfällig als andere Regionen gezeigt, was durch eine verzögerte Weitergabe des Schocks und eine geringere Integration der regionalen Finanzsysteme in den Weltmarkt erklärt wird. Nichtsdestotrotz ging das Wirtschaftswachstum der betroffenen Staaten von beinahe sieben Prozent im Jahre 2007 auf nicht einmal 5,5 Prozent im darauffolgenden Jahr zurück.
  • Länder mit mittlerem Einkommen sowie die Exporteure von Öl oder anderen Rohstoffen, wie Südafrika und Nigeria, spürten die Verringerung des Wachstums deutlich schneller und intensiver.
  • In allen Ländern südlich der Sahara ist die Inflation zurückgegangen, was den Verfall der Rohstoffpreise im zweiten Halbjahr 2008 widerspiegelt.

…und Vorhersagen für 2009

Wachstum:

  • Das Wachstum für die Länder südlich der Sahara wird (nach 5,5 Prozent im Jahre 2008) für 2009 auf 1,5 Prozent geschätzt; für 2010 rechnet die Studie mit knapp vier Prozent.
  • Ein gravierender Rückgang in Südafrika und Nigeria könnte andere afrikanische Volkswirtschaften ernsthaft in Mitleidenschaft ziehen. Das gilt insbesondere für die umliegenden Staaten, die über enge Handels- und Finanzbeziehungen verfügen.

Armut:

  • Die Finanzkrise dürfte eine beträchtliche Zunahme der Armut nach sich ziehen, vor allem angesichts der Tatsache, dass sie direkt auf den Preisschock bei Lebensmitteln und Treibstoffen im vergangenen Jahr folgt. Kurzfristig könnten die Auswirkungen der Krise deshalb durch ein immer noch hohes Preisniveau verstärkt werden. Verschärfend kommt außerdem das Fehlen von sozialen Sicherungssystemen in allen Ländern der Region hinzu.
  • Durch die Finanzkrise könnte darüberhinaus die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften zurückgehen, was niedrigere Löhne und einen Rückgang der Beschäftigung zur Folge hätte. Das wiederum könnte einerseits zu geringeren Rücküberweisungen führen und andererseits die Vergabe von Krediten an kleine Unternehmen erschweren, was die Menschen tiefer in die Armut stürzen würde. Arbeitsintensive Sektoren wie Tourismus und das Handwerk spüren bereits deutliche Auswirkungen.
  • Der IWF geht davon aus, dass sich schärfere internationale Bedingungen zur Mittelvergabe insbesondere auf Länder mit mittlerem Einkommen (wie Südafrika) und die Grenzmärkte von Ghana, Kenia, Nigeria und Tansania negativ auswirken werden.

Der Bericht des Internationalen Währungsfonds enthält auch Vorschläge, wie die betroffenen Staaten die Auswirkungen der Krise abmildern könnten. Demnach sollten sie auf einen Ausgleich ihrer Zahlungsdefizite hinarbeiten und kurzfristige Initiativen wie einen Ausbau von wirtschaftlichen Überwachungsmaßnahmen einleiten. Gleichzeitig, so die Empfehlung, sollten mittel- und langfristige Ziele wie die Stärkung der staatlichen Finanzsysteme und der gezielte Aufbau von Programmen zur Errichtung sozialer Sicherungsnetze weiterhin verfolgt werden. Die Länder werden ferner davor gewarnt, neue Handelshemmnisse einzuführen.

Es wird sich zeigen, was genau die Auswirkungen der Krise in den Ländern südlich der Sahara sein werden. ONE wird Sie weiterhin über alle neuen Entwicklungen informieren.

– Beth Adler –

Schlagworte: Beth Adler, Entwicklungszusammenarbeit, Hintergrundberichte, Internationaler Währungsfonds (IWF), Politik Aktuell

 



1 Kommentare

  1. Pitsays: 12.07.2009 23:58 Uhr

    12.07.2009 at 23:58

    Sehr geehrte Leute. Ich finde Euer Argement fürdie Armut in der Welt voll in Ordnung. Aber ich bin der meinung wir sollten erst mal in unserem Land Deutschland anfangen.Wenn Kinder in Deutschland schon zu Essensküchen müßen um eine warme Mahlzeit zu bekommen find ich das traurig. Denn es gibt leider immer mehr Familien die in Deutschland an Armut leiden. Und da sollte unsere Regierung mal was unternehmen. Nicht immer die Gelder ins Ausland verpulvern. Die Armut in denn 3.Ländern ist von den Korrupten Regierungen selber produziert.Die stecken sich die gelder in die taschen und das Volk hat nichst. Trotzdem wünsche ich Euch viel erfolg damit.

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