Visitenkarten alphabetisch sortieren, Post holen, Kaffee kochen, kopieren. Wer kennt sie nicht? Diese Praktika bei denen man sich vor Langeweile und Unterforderung von einem Tagtraum zum nächsten hangelt. Umso glücklicher war ich zu erfahren, dass es auch anders geht. Von Dezember 2008 bis Mai 2009 hatte ich die Gelegenheit – als erster Praktikant überhaupt – im Berliner Büro von ONE zu arbeiten. Was diesmal anders, oder vielmehr besser war, fasse ich für euch auf den nächsten Zeilen zusammen.
1. Ich war stets ausgelastet. Mit anderen Worten hatte ich immer etwas zu tun, sodass Langweile erst gar nicht aufkam. Von Tagträumen also keine Spur (außer beim rituellen, frühmorgendlichen Blick auf die wilden Geschichten in der BILD-Zeitung, die auch bei ONE zum festen Orientierungspunkt zur Nachrichtenlage gehört). Das bedeutet allerdings nicht, dass ich chronisch überfordert war oder reihenweise Überstunden machen musste. Ich habe ganz regulär meine 40 Stunden die Woche gearbeitet, ohne dass einer meiner Kollegen mit der Stoppuhr daneben stand.
2. Meine Tätigkeiten waren abwechslungsreich. Zwar gehört die Medienbeobachtung zum festen Bestandteil eines jeden Tages, davon abgesehen waren meine Aufgaben aber ziemlich weit gefasst. Als Politikwissenschaftler war ich vor allem an der inhaltlichen Arbeit von ONE interessiert, d.h. ich habe nach Möglichkeiten unserem politischen Referenten über die Schulter geschaut und ihm z.B. beim Erstellen von Positionspapieren für den Bundestagswahlkampf oder eines Vortrages zum Thema „Welternährungskrise“ assistiert. Eigene Beiträge für die Homepage, so zum „World Economic Forum“ oder „Schuldenreport 2009“, sowie einen Hintergrundartikel zur Europäischen Agrarpolitik konnte ich ebenfalls verfassen. Hinzu kommen Powerpoint-Präsentationen, Textzusammenfassungen, Übersetzungen und und und.
Erwähnen sollte ich an dieser Stelle auch, dass man als Praktikant von ONE in den Genuss kommt, zahlreiche Veranstaltungen zu besuchen, bei denen sich der ein oder andere Promi tummelt. Zu meinen persönlichen Highlights gehörten eine Pressekonferenz mit Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz, die „Danke Bundestag“-Aktion von ONE mit Katja Riemann, Volker Kauder und Peter Struck, der Kampagnenstart von „Be ONE of Us“ mit Campino von den Toten Hosen und Bob Geldof (cooler Typ!) inklusive eines Smalltalks mit Alfred Biolek sowie die ECHO-Verleihung in Berlin mit U2 und weiteren Musikgrößen.

3. Ich war nicht der „Idiot vom Dienst“. Es lässt sich bei einem Praktikum wohl nur schwer vermeiden, dass man auch weniger aufregende Aufgaben zu erledigen hat. Die halten sich bei ONE aber wirklich einem sehr begrenzten Rahmen und werden erst ausgepackt, wenn alle „größeren Projekte“ abgeschlossen sind. Im Zweifelsfall müsst ihr also noch einen Text für die Homepage schreiben
Natürlich durfte ich keine Haushaltspläne oder Strategiepapiere für die kommenden Jahre erstellen – das wäre auch nicht gut gegangen – so viel sei aber gesagt: zum kopieren wurde ich nicht verdonnert. Kaffee habe ich auch nur freiwillig gekocht. Ich wurde vielmehr in alle Belange des Teams miteingebunden, d.h. ich habe wie alle anderen auch an Besprechungen, Videokonferenzen und dergleichen teilgenommen. So hatte ich immer das Gefühl ein voll- und gleichwertiges Mitglied des Büros zu sein, dessen Leistungen anerkannt und gebraucht wurden.

4. Ich wurde bezahlt. Es sollte vielleicht nicht gerade die einzige Motivation sein, das Praktikum zu absolvieren, unterschätzen sollte man den Aspekt allerdings auch nicht. Vor allem als Politik- und Sozialwissenschaftler, weiß man, wie schwer es ist in seinem Metier, ein entgeltliches Praktikum zu finden. An die Gehälter in der Wirtschaft kommt es zwar nicht heran, für die Miete reicht aber allemal. Das individuelle „Ich-werde-ausgebeutet!“-Gefühl lindert es auch
5. Last but not least: das Team. Ich hatte nicht nur Kollegen, die „nett” oder „sympathisch” waren. Nein, ich hatte sogar richtig Spaß mit ihnen. Nicht umsonst steht in der Stellenbeschreibung, dass ihr Humor mitbringen solltet. Das soll nicht heißen, dass das Praktikum nicht anders zu ertragen ist, sondern dass ihr sonst etwas verpasst. Die Kollegen sind wirklich jederzeit für einen Scherz zu haben. Also, keine falsche Bescheidenheiten. Erzählt einen Schwank aus eurem Leben, ihr werdet euch gut verstehen und ihr werdet zusammen lachen (spätestens wenn ihr Sergius’ Jugendfotos seht
). Dasselbe gilt im Übrigen für Kollegen in London und Washington. Ich wurde sehr herzlich in die „ONE-Familie“ aufgenommen und genauso herzlich verabschiedet.

Deshalb ab alle Interessenten: ich kann euch ONE nur ans Herz legen und euch zu einer Bewerbung ermutigen!
Und an Alicia, Andreas, Carola, Sergius und Tobias: Danke und bleibt wie ihr seid! Cheers, homies
– Patryk Grudzinski –
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