In Ruanda


29.05.2009 14:29Uhr
von Carola Bieniek

Letzte Woche besuchten Edith Jibunoh (aus unserem Büro in Nigeria) und Oliver Buston (Europa-Direktor von ONE) Ruanda, um die Dritte Afrikanische Ministerkonferenz zur Entwicklungsfinanzierung zu besuchen, deren Thema dieses Jahr „Finanzierung des Klimawandels“ lautet. Afrikanische Regierungen diskutierten über die Mittel, die nötig sind, um sich an die höchstwahrscheinlich verheerenden Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Hier ein Bericht von Oliver Buston zum Anfang der Reise:

Ich bin zum ersten Mal in Ruanda, dem Land, das die meisten nur wegen des Völkermordes im Jahre 1994 kennen. Die wenigsten kennen hingegen die Erfolge, die Ruanda in den 15 Jahren, die seitdem vergangen sind, verbuchen konnte.

Ruandas Fortschritt hat sich im Eiltempo vollzogen: Seit 1994 lag das Wirtschaftswachstum meist näher an der Zehn- als an der Fünf-Prozent-Marke. Die Mehrheit der ruandischen Kinder schläft heute unter Moskitonetzen, und seit Mitte 2006 ist sowohl die Zahl der Menschen, die an Malaria sterben, als auch die Zahl der Erkrankungen selbst um zwei Drittel zurückgegangen. 2003 konnte nur 1% der Menschen, die lebensrettende Aids-Medikamente benötigten, damit versorgt werden – 2007 waren es schon 71%. Ebenso ist die Zahl der Kinder, die zur Schule gehen, explosionsartig angestiegen. Es sind beeindruckende Statistiken, und hinter ihnen stehen unzählige menschliche Erfolgsgeschichten.

Ein großer Teil dieser Fortschritte wurde durch Entwicklungsmittel aus Großbritannien, der EU, den USA und anderen Ländern ermöglicht: Mittel aus Entwicklungszusammenarbeit machen insgesamt mehr als die Hälfte des ruandischen Haushalts aus – und es kann kaum bezweifelt werden, dass sie hier einen positiven Effekt haben. Aber für die begabten jungen Unternehmer in Ruanda, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, ist es ebenso wichtig zu betonen, dass sie Entwicklungszusammenarbeit zwar gutheißen, diese aber auf die richtige Art und Weise geleistet werden muss – und dass sie mit einer eingebauten Ausstiegsstrategie versehen sein muss.

Präsident Paul Kagame und seine Regierung forderten Geber kürzlich auf, anstelle ihrer eigenen lieber ruandische Prioritäten zu fördern. Sie bestanden auf einer besseren Koordinierung der Geber untereinander, um das Wirrwarr an zu besuchenden Treffen und auszufüllenden Formularen endlich zu ordnen.

Die ruandische Erfolgsgeschichte ist ein Lehrstück über die Wirksamkeit von Hilfe. Wie kann Entwicklungszusammenarbeit so gestaltet werden, dass sie Resultate liefert und gleichzeitig Abhängigkeiten vermeidet? Wie können wir den einheimischen Unternehmergeist fördern, der Afrika letztlich nach vorn bringen wird? Ich freue mich auf die nächsten Tage hier!

– Oliver Buston –

Schlagworte: Allgemeines, Politik Aktuell, Ruanda

 



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