Die entwicklungspolitische Organisation ONE hat die Staats- und Regierungschefs der G20 in Reaktion auf einen vorab bekannt gewordenen Entwurf der Abschlusserklärung deutlich dafür kritisiert, im mexikanischen Los Cabos trotz mehrfacher Ankündigungen erneut keine ernsthaften Schritte für die weltweite Armutsbekämpfung beschlossen zu haben.
„Politischer Mut scheint in Los Cabos nicht verbreitet zu sein“, kritisierte Tobias Kahler, Deutschlandchef der Organisation ONE das Dokument. „Die G20 wird zu einem Debattierclub, der viel verspricht aber wenig tut.“
„Die Gipfel in Seoul und Cannes hatten uns hoffen lassen, dass die weltweite Armutsbekämpfung neuen Schwung erhält. Aber Los Cabos hat diese Vorlagen nicht aufgegriffen. Das aktuelle Abschlussdokument geht praktisch nirgends den nächsten Schritt – obwohl die Staaten umschweifig erklären, für wie wichtig sie die Bekämpfung extremer Armut und weltweiter Ungleichheit halten.“
Transparenz und Korruptionsbekämpfung
ONE erklärte, die Verlängerung des Mandats der Arbeitsgruppe zur Korruptionsbekämpfung sei zu begrüßen. Dass hingegen ein Signal für mehr Transparenz im Rohstoffhandel und in öffentlichen Haushalten ausgeblieben ist, sei eine „immense Enttäuschung“.
„Transparenz und Rechenschaftspflicht sind Grundlagen für den Kampf gegen extreme Armut. Es ist gut, dass die G20 hieran in den kommenden zwei Jahren weiter arbeiten wollen. Aber dass Stille herrscht, wenn es um Transparenz für den Öl-, Gas- und Bergbausektor geht, ist ein Fehler. Rohstoffe können Reichtum und Stabilität in die ärmsten Länder der Welt bringen. Die G20 hätten deshalb dem Beispiel der USA folgen sollen, um einen weltweiten Standard zu schaffen“, kommentierte Kahler.
Ernährungssicherheit
„Die Unterstützung der britischen, kanadischen und australischen Regierung für AgResults, einer neuen Initiative zur Unterstützung privater Investitionen zu Gunsten innovativer landwirtschaftlicher Ansätze ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Tobias Kahler. „Allerdings haben die G20 überhaupt keinen Fahrplan vorgelegt, wie sie die Initiative zur Ernährungssicherheit von Cannes umsetzen wollen. Das zeigt einmal mehr, dass hier eher Worte als Taten regieren. Damit Millionen Kinder nicht mehr Opfer von Mangelernährung werden, muss man mehr tun. Die G20 hat sich in Cannes ihre Ziele gesteckt. Sie muss nun deutlich machen, wie sie diese Ziele erreichen will“, so Kahler.