veröffentlicht am 24.06.2010
Toronto, 21. Juni. Die entwicklungspolitische Organisation ONE hat sich im Vorfeld des G8-Gipfels dafür ausgesprochen, zum Kampf gegen Armut in Afrika eine neue Partnerschaft zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft aufzubauen. Die G8 sollten sich auf eine Initiative zur Förderung von Mütter- und Kindgesundheit konzentrieren und eine neue Kultur der Transparenz und Rechenschaftslegung einleiten.
„Dieses Wochenende ist für die ärmsten Menschen der Welt entscheidend. Denn die Zusagen von Gleneagles laufen aus und es bleiben nur noch fünf Jahre für die Millennium-Entwicklungsziele", sagte der Deutschlandchef von ONE, Tobias Kahler, heute in Toronto. Die Gipfel der G8 und G20 sind die Gelegenheit der Weltgemeinschaft, lebensrettenden Initiativen neuen Schwung zu geben, denen alle Länder bereits zugestimmt und die bereits großartige Erfolge erzielt haben."
Die Organisation ruft die G8 und G20 insbesondere zu drei Dingen auf: einer belastbaren, ergebnisorientierten Initiative für Mütter und Kindgesundheit, eine neue Partnerschaft für Afrika sowie ein System der Rechenschafstlegung, das künftige Zusagen auf internationalen Konferenzen nachvollziehbar und transparent macht.
Ein solider Plan der G8 für die Gesundheit von Müttern und Kindern wäre das nötige Startsignal für den New Yorker UN-Gipfel im September. Dort wird es dann umfassender um Fortschritte bei der Erreichung aller acht Millenniumsziele gehen.
"Die Staats- und Regeirungschefs würden mit eine Initiative für Mutter- und Kindgesundheit auf einem Gebiet viele Leben retten, das in den letzten Jahren unnötig vernachlässigt wurde", sagte Kahler. „Um speziell die Gesundheitssysteme der Länder wirksam zu verstärken werden 3,5 Millionen neue Gesundheitsfachkräfte in den Ländern benötigt, in denen wir nach wie vor die meisten Todesfälle unter Müttern und Neugeborenen verzeichnen."
Dabei weist ONE darauf hin, dass der afrikanische Kontinent nicht in nur als Fall für Entwicklungspolitik sondern auch und gerade als Partner für Direktinvestitionen und Handel gesehen werden sollte, um Millionen Menschen einen nachhaltigen Weg aus der Armut zu eröffnen.
„Frühere Vereinbarungen für globale Entwicklung waren auf gezielte Maßnahmen zur Reaktion auf Krisen und zur Minderung von humanitärem Leid ausgerichtet. Diese Maßnahmen haben erheblich zur Besserung der Lage beigetragen und wir müssen sie fortsetzen. Gleichzeitig muss aber mit afrikanischen Regierungen zusammen auch ein Spektrum von Bedingungen gefördert werden, das langfristig einen nachhaltigen Weg aus der Armut hin zu Wohlstand eröffnet", so Kahler. „Dazu gehören gute Regierungsführung und ein erhöhtes Maß an privatem Kapital und Investitionen."
ONE rief die Staaten erneut auf sicherzustellen, dass alle Länder sich ausnahmslos an einmal gegebene Zusagen halten. Um hier zu einer wechselseitigen Verlässlichkeit zu kommen, hat sich ONE für die formelle Verabschiedung der TRACK-Prinzipien ausgesprochen, um daran alte und neue Zusagen zu messen - auch die vorgeschlagene Initiative zur Gesundheit von Müttern und Kindern sowie die Initiative zur Ernährungssicherung von L'Aquila aus dem letzten Jahr.
ONEs TRACK-Prinzipien fordern, dass alle Verpflichtungen Transparent, ergebnisorientiert (Results-oriented), eindeutig in Bezug auf den Anteil zusätzlicher Mittel (Additional) und die mit den Zusagen verknüpften Bedingungen (Conditional) sind sowie durch einem unabhängigen Prüfungsmechanismus überwacht werden, um sicher zu stellen, dass die Versprechen eingehalten werden (Kept).
„Diese Woche müssen die G8 einen klaren Plan abstecken, wie die Länder, die bisher nicht Wort gehalten habe, zur Einhaltung ihrer Zusagen zurückfinden", forderte Kahler.
Wie der erst kürzlich von ONE verabschiedete DATA Bericht deutlich macht haben die gemeinsamen Verpflichtungen der G8 aus dem Jahr 2005 zu positiven Entwicklungen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent entscheidend beigetragen. Deutschland hat bislang allerdings nur ein Viertel seiner Zusagen an Afrika eingehalten.
„Diese Woche müssen wir in Kanada anwenden, was wir aus dem letzten Jahrzehnt Entwicklungsarbeit gelernt haben", sagte Kahler. „Nachhaltige Ergebnisse gibt es dort wo es eine starke, sich gegenseitig verstärkende Partnerschaft zwischen afrikanischen Regierungen, Geberländern und der Zivilgesellschaft gab. In diesen Konstellationen haben afrikanische Regierungen ihre Verantwortung für Armutsbekämpfung sowie bessere Regierungsführung und Transparenz unter Beweis gestellt. Geber auf der anderen Seite haben darauf flexibel mit vorhersagbaren und zielgenauen eingesetzten Ressourcen reagiert. Die Zivilgesellschaft wiederum wurde in die Lage versetzte, Mittelflüsse zu verfolgen und Programme zu kontrollieren."
Hinweis: ONE steht Ihnen in während der Gipfeltreffen vom 24. bis 28. Juni als Ansprechpartner zur Verfügung. Unsere Kollegin vor Ort ist Kimberly Hunter: Tel. 202-334-5494 oder per Mail: kimberly.hunter@one.org.
Fortsetzung des Baby-Protests mit anderen Mitteln
Das aktuelle ONE-Video zeigt, dass Grund zur Hoffnung besteht: Wir wissen, wie wir die Übertragung des HI-Virus von Mutter zu Kind verhindern können, damit kein Kind mit HIV zur Welt kommt.
WEITERLESEN
In den ärmsten Ländern der Welt riskieren Frauen bei der Geburt eines Kindes ihr Leben. Jedes Jahr sterben Millionen von Kindern an behandelbaren und vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall.
WEITERLESEN
Entwicklungszusammenarbeit spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut und vermeidbare Krankheiten.
WEITERLESEN
Viele werdende Mütter und Kinder in Armut kämpfen um ihr Überleben. 3,5 Millionen Gesundheitsfachkräfte könnten ihre Leben retten. WEITERLESEN
Jährlich sterben geschätzt 8,8 Millionen Kinder vor Vollendung ihres fünften Lebensjahrs. Fast alle von ihnen an vermeidbaren oder behandelbaren Ursachen. WEITERLESEN
99 % aller Todesfälle durch Schwangerschaft und Geburt sind in Entwicklungsländern zu beklagen WEITERLESEN
Alle Inhalte zum Thema Organisation ONE drängt G8 und G20 zu belastbaren Initiativen