Es gibt zahlreiche Beispiele, die überall in Afrika tatsächlich greifbare Resultate bringen: ob in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft, Außenhandels- und Investitionsförderung oder bei der Unterstützung der afrikanischen Zivilgesellschaft im Kampf gegen Korruption und für Rechenschaftslegung durch ihre Regierungen.
Auf der Makro-Ebene kann man feststellen, wie intelligentere Ansätze seit 2000 dazu beigetragen haben, 34 Millionen Kinder zusätzlich einzuschulen, die Malaria-Todeszahlen in Ländern wie Ruanda und Äthiopien seit 2006 zu halbieren und seit 2003 etwa drei Millionen Afrikaner mit lebensrettenden, antiretroviralen Medikamenten auszustatten.
Aber es gibt auch im kleineren Maßstab viele interessante und ermutigende Beispiele:
Macht des Volkes in Uganda: Überwachung von Schulfinanzierung „von unten"
Als die Regierung in Uganda 1997 das Schulgeld für Grundschulen abschaffte, konnten Millionen der ärmsten Kinder des Landes zum ersten Mal in ihrem Leben zur Schule gehen. Innerhalb von zehn Jahren verdoppelten sich die Einschulungszahlen. Um den Ausfall der Gebühren auszugleichen, war eine Finanzierung durch Geberstaaten erforderlich. Aber viele Geber zögerten mit ihrer Investition, weil sie befürchteten, dass weite Teile der Mittel durch Korruption verlorengehen könnten. Eine Studie zur Nachverfolgung öffentlicher Ausgaben, die mit Unterstützung der Entwicklungsorganisation der Weltbank (IDA) durchgeführt wurde, bewies, dass 1996 nur 13 % der Bildungsausgaben für Schulen tatsächlich die Schulen erreichten. Die Geber machten ihr Engagement daraufhin von der Einführung eines Anti-Korruptionsprogrammes abhängig, das die Eltern im Land in die Lage versetzen sollte, ihre Lokalregierungen zu überwachen. Mittels Radio und Zeitungen informierte die ugandische Regierung Elternverbände über die Beträge, die ihre Schulen erhalten sollten. Als Ergebnis dieser Kampagne und einiger weiterer struktureller Reformen im Bildungssystem zeigte eine zweite Studie im Jahr 2002, dass sich der Anteil der erfolgreich an Schulen überwiesenen Mittel auf 80 % erhöht hatte. Dieses Modell ist seitdem mehrfach kopiert und in weiteren afrikanischen Staaten eingeführt worden und trägt zu einer Kontrolle „von unten nach oben" und zu einem besseren Zusammenwirken von Zivilgesellschaft, Gebern und Regierungen bei.
Innovative Krankenversicherung in Ruanda
Ruanda hat seit dem Bürgerkrieg 1994 bemerkenswerte Fortschritte dabei gemacht, die Gesundheitsversorgung seiner Bevölkerung zu verbessern. Die ruandische Regierung hat zusammen mit der Finanzierung von Geberstaaten und des Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria die Reichweite seines Krankenversicherungssystems mittels eines Mechanismus ausgeweitet, der mutuelles de santé genannt wird. Dieses kommunenbasierte System bietet für den geringen Beitrag von etwa 1,50 Euro pro Familie und Jahr eine Grundversorgung mit einer Auswahl medizinischer Dienstleistungen. 2003 waren etwa 7 % der Bevölkerung durch dieses Beitragssystem abgesichert; 2009 liegt dieser Anteil bei 80 %. Das Gesundheitsministerium setzt zudem Anreize für die Krankenstationen, ihr Angebot zu verbessern. Die Initiative „Pay for Performance" hat mit der Unterstützung von Gebern dazu beigetragen, dass Frauen nun mehr als 20 % häufiger ihr Kind in einer Krankenstation zur Welt bringen. In ähnlicher Form hat das Zusammenwirken von ruandischer Regierung und der Unterstützung durch die Geber bei einer Reihe von Indikatoren im Gesundheitswesen zu einer positiven Entwicklung geführt.
Private Partnerschaften - die A bis Z Moskitonetzfabrik, Tansania
Die Firma A to Z Textile Mills in Arusha, Tansania, ist ein Beispiel dafür, was erreicht werden kann, wenn Entwicklungszusammenarbeit Hand in Hand mit dem Privatsektor arbeitet, um Industriestruktur und Arbeitsplätze zu schaffen - und wenn afrikanische Staaten ihr Geschäftsklima reformieren, um Investoren anzulocken. A to Z ist das bisher einzige afrikanische Unternehmen, das langlebige, mit Insektizid behandelte Moskitonetze herstellt, um Familien vor Malaria zu schützen -nach wie vor die für Kinder gefährlichste Krankheit auf dem Kontinent. Als Joint-Venture mit einer der japanischen Firma Sumitomo Chemical produziert A to Z die Netze in honorarfreier Lizenz. Die größten Kunden sind das tansanische Gesundheitsministerium, Geberorganisationen und NGOs, darunter UNICEF und Populations Services International (PSI). Für seine Kapazität von 10 Millionen Netzen pro Jahr beschäftigt A to Z 4.600 Tansanier, darunter viele Frauen. Eine weitere Fabrik in Äthiopien ist noch für dieses Jahr geplant.
Handelsförderung durch „Trade Hubs"
Vermehrter Handel durch Wirtschaftswachstum ist ein Schlüssel zur Armutsbekämpfung. Eine Herausforderung für viele afrikanische Unternehmen ist jedoch die Orientierung im Durcheinander der vielen Regularien, die beim Export in Industriestaaten zu beachten sind. Das „Trade Hub"-Programm der USAID unterstützt afrikanische Unternehmen dabei, von einer zoll- und quotenfreien Sonderbegünstigung für Afrika im US-Außenhandelsrecht, dem African Growth and Opportunity Act (AGOA), zu profitieren. Vier so genannte Trade Hubs helfen über den Kontinent verteilt bei Vertrieb und Marketing in den USA, indem sie Rechtsberatung zu Zollfragen anbieten, Exportfinanzierungsmöglichkeiten finden oder Kontakte zu Kunden herstellen. Die Trade Hubs konnten bereits zahlreiche Exportvorhaben unterstützen und so zum Export von z.B. Kleidung, Blumen und Obstsäften in die USA beitragen. Damit realisierten sie zusätzliche Exporte in Höhe von $60 Mio. allein in die USA.
M-PESA: Mobiler, bargeldloser Zahlungsverkehr in Kenia
M-PESA ist ein mobiles Zahlungssystem mit dem man Geld einzahlen, abheben und überweisen kann, ohne, dass dafür ein Bankkonto nötig ist. In Kenia, wie in vielen Ländern Afrikas, ist für die Eröffnung eines Kontos eine Mindesteinzahlung erforderlich, die sich viele nicht leisten können. Für Menschen, die auf dem Lande leben, sind Banken zudem oft zu weit weg. M-PESA füllt hier eine Lücke und macht es so zum Beispiel Gast- und Wanderarbeitern leichter, ihren Familien Geld zu schicken. Um M-PESA zu testen, legte Vodafone ein Pilotprogramm auf, unterstützt von der britischen Regierung und implementiert von Safaricom, dem größten Mobilfunkanbieter in Kenia. Nachdem die Pilotphase erfolgreich verlief, ging M-PESA 2007 an den Start. Mit M-PESA können Safaricom-Kunden nun Geld einzahlen, abheben oder per SMS gegen eine kleine Gebühr überweisen. Stützpunkte finden sich bei den Safaricom-Agenten, die es in kleinen Geschäften oder Tankstellen überall im Land verteilt gibt. M-PESA hat in Kenia bereits über fünf Millionen registrierte Nutzer. Dieser Technologie-Transfer verbessert nun das Leben vieler Menschen in Kenia, indem er Geldtransaktionen sicherer und verlässlicher macht und vielen Menschen einen vereinfachten Zahlungsverkehr ermöglicht, die vom formellen Finanzsektor bislang ausgeschlossen waren.
Verbesserte Nahrungsmittelproduktion mit Düngersubventionen in Malawi
Seit 2005/2006 subventioniert die Malawische Regierung Dünger für Kleinbauern mit Unterstützung des britischen Department for International Development (DfID). Die Subventionen kommen in Form von Gutscheinen mit denen die Bauern Dünger und Saatgut kaufen und so widerstandsfähigere Getreidesorten anbauen können. Wie viele afrikanische Staaten war Malawi aufgrund von Dürreperioden und zu geringen Investitionen in den landwirtschaftlichen Sektor stets einem Risiko von Nahrungsmittelknappheit ausgesetzt. Zuletzt waren 2005 fast fünf Millionen von Malawis dreizehn Millionen Einwohnern auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Subventionen haben sich seitdem als ein wesentlicher Beitrag zur Nahrungsmittelsicherheit erwiesen. In Kombinationen mit günstigem Wetter und den richtigen makroökonomischen Anreizen konnte Malawi seit 2007 bei Mais sogar Überschüsse produzieren. In dem Jahr spendete Malawi sogar Mais an das Welternährungsprogramm und verkaufte einen weiteren Teil der Überschüsse in der Region. Während das Programm noch läuft, gibt es Anzeichen für weitere positive Effekte wie etwa ein Rückgang der Sterberate bei Kindern unter fünf Jahren und eine erhöhte der Zahl der Mahlzeiten pro Tag.
Entwicklungszusammenarbeit als Investitionsförderung
Die Investment Climate Facility (ICF) wuchs 2005 aus der Kommission für Afrika und begann ihre Arbeit im Juli 2007. Ziel ist die Arbeit mit afrikanischen Regierungen, um den Kontinent zu einem besseren Wirtschaftsstandort zu machen. Sie ist derzeit in zehn Ländern aktiv und arbeitet an vier panregionalen Projekten und zwei Initiativen. Die ICF wird von Deutschland, sieben weiteren Gebern und neun Unternehmen unterstützt. Beispiele für derzeitige Projekte sind die Verbesserung des Katasterwesens (Burkina Faso, Ruanda, Sierra Leone), Verbesserung der Prozesse zur Unternehmensanmeldung (Burkina Faso, Liberia, Madagaskar, Ruanda), die Vereinfachung der Mehrwertsteuerverwaltung (in Lesotho), die Optimierung des Handelsrechtssystems (Mali, Ruanda) und die Verbesserung der Zollverwaltung (im Senegal).
Alle 40 Sekunden stirbt in Afrika südlich der Sahara ein Kind an den Folgen eines Mückenstichs.
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Wachstum in der Landwirtschaft ist für die Reduzierung der Armut doppelt so wirksam wie Wachstum in anderen Sektoren.
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Entwicklungszusammenarbeit spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut und vermeidbare Krankheiten.
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Den Schlüssel für die Überwindung der Armut bildet auf lange Sicht der Handel mit Gütern und Dienstleistungen.
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Im Februar 2009 startete ONE seine Kampagne zur Bundestagswahl. Kern der Kampagne war der Artikel ONE, eine Zusammenfassung unserer entwicklungspolitischen Kernforderungen an die noch zu wählende Bundesregierung. Unser Ziel: vor der Wahl möglichst viele Unterstützer für den Artikel ONE bekommen und möglichst großen öffentlichen Druck aufbauen - um nach der Wahl möglichst viele Punkte aus dem Artikel ONE im Koalitionsvertrag zu verankern und somit für die neue Bundesregierung verbindlich zu machen.
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67,5 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule. Davon leben 95 Prozent in Entwicklungsländern.
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