Einführung
In ihrem neuen Buch „Dead Aid" erklärt Dambisa Moyo, dass Afrikaner selbst nicht glauben, dass Entwicklungszusammenarbeit ihnen dabei hilft, die Armut auf dem Kontinent anzugehen. Frau Moyo weist zu Recht auf die Notwendigkeit von mehr Handel und Investitionen in Afrika hin. ONE unterstützt diese Aussagen. Wir stimmen auch mit ihr überein, dass Rechenschaftspflicht und Transparenz bei der Bereitstellung von Mitteln zur Entwicklungszusammenarbeit gestärkt werden müssen. Doch wenn Moyo sagt, dass Entwicklungszusammenarbeit Afrikanern nie geholfen hätte, dass die, die sie benötigen, keine Unterstützun erhalten und Entwicklungszusammenarbeit daher gänzlich eingestellt werden sollte, dann hat sie ganz einfach unrecht. Hier in Abuja, wo ich lebe und arbeite, sehe ich, dass Entwicklungszusammenarbeit afrikanischen Staaten hilft, im Kampf gegen extreme Armut Fortschritte zu machen.
Wenn Sie also wirklich wissen möchten, was Afrikaner - Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Politiker und Empfänger von Entwicklungszusammenarbeit - über Entwicklungszusammenarbeit denken und was die vielen Afrikaner, die vor Ort daran arbeiten, die Leben von armen Menschen zu verbessern, von Frau Moyos Aussagen halten, dann lesen Sie diese Kommentare.
Edith Jibunoh, Afrika Outreach Managerin, ONE
Afrikanische Stimmen zu Dead Aid:
Dr. Alex Coutinho, Leiter des Infectious Disease Institute, Ghana
„Im Kampf gegen HIV gibt es eine bemerkenswerte, von Nationen und Einzelpersonen getragene Zusammenarbeit, die bisher 3 Millionen Leben rettete und damit 10 Millionen Kindern ein Schicksal als Waise ersparte. Eine Umsetzung des unverantwortlichen Vorschlags von Frau Moyo, die Entwicklungshilfe durch die Industrieländer in 5 Jahren einzustellen, käme einem Völkermord gleich. Moyo sollte nach Afrika kommen und sich vor Ort davon überzeugen, was sich mit intelligenter Entwicklungshilfe erreichen lässt."
Martin Eson-Benjamin, Chief Executive Officer, Millennium Development Authority (MiDA - Ghanas ausführende Behörde für das Millennium Challenge Programm)
„Das Millennium Challenge Program ist eine äußerst vernünftige und lobenswerte Initiative, und Ghana hat das Glück, dank seiner verantwortungsvollen politischen Führung die Auswahlkriterien für die Aufnahme in das Programm zu erfüllen. Seine wettbewerbsorientierte Auslegung und die klare Forderung nach Transparenz, Überprüfbarkeit der Mittelverwendung und messbaren Ergebnissen lassen meine Wertschätzung für das Programm steigen. Es ist beschämend, wenn Leute wie Moyo längst überwundene Unzulänglichkeiten als Begründung für ihre Forderung missbrauchen, die afrikanischen Länder sollten aus freien Stücken auf diese Zuwendungen verzichten.
Die Regierung von Ghana gewährt dem Programm seine volle Unterstützung und ist bereit, durch verantwortungsvolles staatliches Handeln, Gewährleistung der Gewerbefreiheit und Investitionen zum Wohle der Menschen alles Erdenkliche dafür zu tun, dass unser Land auch weiterhin die Aufnahmekriterien für das Programm erfüllt. Dies sind positive Effekte der Entwicklungshilfe und viele Länder streben gegenwärtig danach, es Ghana gleichzutun.
Moyo sitzt einem bedauerlichen Irrtum auf. Die vielen politischen Führer des neuen Afrikas, die mit besten Absichten handeln, sollten ihre unsinnige Forderung ignorieren."
Ernest Ekong, National Clinical Coordinator, Harvard PEPFAR, Nigeria.
„Im Rahmen des PEPFAR-Programms erhielten beispielsweise allein in Nigeria in den vergangenen 4 Jahren mehr als 200.000 HIV-Infizierte eine Behandlung. Zudem wurden die Systeme verbessert, eine Infrastruktur entwickelt und Kapazitäten aufgebaut. Mehr als 400.000 Menschen wurden hier versorgt und unterstützt. Deutlich mehr als 5 Millionen Neuinfektionen wurden verhindert... die Mittel für Afrika auslaufen zu lassen, würde bedeuten, bereits Erreichtes zunichte zu machen und Situationen entstehen zu lassen, die neue Armut, Ignoranz und Krankheiten hervorbringen."
Gerald Mwangi Walterfang, CEO von KeNAAM (Kenya NGOs Alliance Against Malaria)
„Es ist meine feste Überzeugung, dass Afrika im Allgemeinen und Kenia im speziellen weiterhin Hilfe benötigt, um eine Infrastruktur für seine Bevölkerung auszubauen. Aber es muss verantwortungsvolle Hilfe sein, verwaltet von verantwortungsvollen Regierungen und transparent gegenüber den afrikanischen Bürgern.
Während afrikanische Staaten auf ihre Eigenständigkeit hinarbeiten müssen ist unsere Infrastruktur einfach noch nicht hinreichend ausgeprägt. Handel und ausländische Direktinvestitionen reichen nicht aus - erst recht in der gegenwärtigen globalen Krise. Entwicklungshilfe ist nicht die einzige Antwort - aber sie ist ein Teil der Lösung."
Professor Nana K. Poku, EU Berater, Professor auf dem John-Ferguson-Lehrstuhl für Afrikawissenschaften an der University of Bradford (UK)
„Der Grundprämisse von Moyos These möchte ich energisch widersprechen. Die Gewährleistung der Wirksamkeit von Hilfsgeldern ist ein ständiger Kampf bei der Überwindung von Entwicklungsdefiziten. Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass die Mittel überhaupt fließen. Die große Herausforderung besteht darin, Möglichkeiten der Erhöhung von Qualität und Umfang der in den Entwicklungsländern am dringendsten benötigten Hilfe zu finden."
Dr. Ayoade Olatunbosun-Alakija, MD, MSc. Mitbegründer und Executive Director der Alakija Foundation, einer Organisation, die sich im Kampf gegen die Armut auf der Welt engagiert.
„Wir haben Leute gesehen, die noch Monate zuvor buchstäblich an Aids zugrunde gingen und jetzt ein produktives Leben mit HIV leben. Auch im Bildungsbereich, wo der Schwerpunkt auf die schulische Ausbildung von Mädchen gelegt wurde, zeigen sich erste klare Ergebnisse im Bereich des Umbaus von Familien und Gemeinschaften. Der Vorschlag, die Entwicklungshilfe einzustellen, käme für viele von ihnen einem Todesurteil gleich. Bevor man Menschen massenhaft zum Tode verurteilt, sollte man jene fragen, die am stärksten unter extremer Armut und Krankheiten zu leiden haben und sich erkundigen, was sie von diesem Vorschlag halten...
Leben oder nicht leben - dies ist hier die Frage! Ich persönlich möchte nicht für die Millionen von Leben haftbar gemacht werden, die bei einer Einstellung der Entwicklungshilfe für Afrika auf dem Spiel stünden."
Afrikanische Politiker und Meinungsführer zur Rolle der Entwicklungshilfe
Paul Kagame, Präsident von Ruanda, Februar 2008:
„Im Gesundheitsbereich stieg die Impfrate auf 95 Prozent. Die Unterstützung zur AIDS-Bekämpfung retteten tausenden ruandischen Kindern und Müttern das Leben und gaben ihnen die Hoffnung zurück. Malaria ist zum großen Teil dank der Malaria-Initiative des US-Präsidenten nahezu ausgerottet."
Ellen Johnson-Sirleaf, Präsidentin von Liberia, Oktober 2008:
„Ja, Entwicklungshilfe wird weiterhin ein wichtiges Mittel sein. Auch wenn ihre Bedeutung für die Bekämpfung von Armut unseres Erachtens gelegentlich unterschätzt wird. Im Rahmen von -Entwicklungshilfeprogrammen wurden jedes Jahr mehr als 3 Millionen Kinder geimpft. Programme zur Bekämpfung lebensbedrohlicher Austrocknungszustände bei Kleinkindern haben weltweit Millionen von Leben gerettet. Darüber hinaus leistet Entwicklungshilfe große Unterstützung in den Bereichen Kleinkredite, Bildung, Energie und für andere Programme auf der ganzen Welt."
Jakaya Kikwete, Präsident von Tansania, Februar 2008:
„...lassen sich mich noch etwas zu PEPFAR sagen. Ich möchte eindringlich an Sie appellieren: PEPFAR muss fortgesetzt werden. Dies ist ein eindringlicher Appell von uns. Wie bereits erwähnt, hat PEPFAR vieles bewegt. Ohne PEPFAR sowie die Versorgung und Behandlung wäre die Zahl der Waisenkinder heute ungleich höher. Viele Eltern, die mit dem Virus infiziert wurden, leben dank des Programms noch. Und viele von ihnen werden noch lange leben, solange sie die Regeln einhalten, die für HIV-Infizierte, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, gelten."
John Agyekum Kufuor, Präsident von Ghana, September 2008:
„Sie müssen sich vor Augen führen, dass 60 Prozent der Bevölkerung Ghanas auf dem Land lebt und von der Landwirtschaft lebt. Dann können Sie die Bedeutung dieser Hilfe besser ermessen. Bisher dient der Großteil unserer Landwirtschaft der reinen Existenzsicherung. Das heißt, was die Bauern ernten, verbrauchen sie selbst. Mit Hilfe des Millennium Challenge Account möchten wir die Bauern hin zu einer stärker auf Wissenschaft und Technik basierenden Landwirtschaft führen, ihren Beruf damit aufwerten und die Landwirtschaft für junge Leute attraktiver machen. Wir leiden unter der Landflucht der Jungen von den ländlichen Gebieten in die Städte, die für diesen Zustrom gar nicht ausgelegt sind. Deshalb sehen Sie heute in unseren Straßen überall Straßenkinder. Wir sind der Überzeugung, dass der Erfolg des Millennium Challenge Account dazu beitragen wird, diese unsozialen Entwicklungen zu meistern."
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, äthiopischer Gesundheitsminister, Oktober 2008:
„In Äthiopien beispielsweise erhielten vor drei Jahren von den rund 8000 Erkrankten lediglich 900 eine kostenlose Behandlung. Heute sind es bereits 160.000, die eine kostenlose Behandlung erhalten. Und deshalb sprach ich davon, dass diese Programme - PRF und PMI - Millionen in Äthiopien Hoffnung geben."
Erzbischof Desmond Tutu, 2008
„Es zeigt sich immer deutlicher: Wenn Entwicklungspartner wirklich zusammenarbeiten, können afrikanische Bürger darin gestärkt werden, ihre eigenen Regierungen in die Pflicht zu nehmen. So kann den Bildungsministern Afrikas und den NGOs geholfen werden, Kinder einzuschulen und zu ernähren, allen Bedürftigen Zugang zu Kliniken zu geben, in denen sie lebensrettende Aids-Medikamente erhalten. So können die lebenserhaltenden Moskitonetze gegen Malaria in die Hände der Mütter und Kinder gelegt werden, die sie am dringendsten benötigen. Jeder Tragödie wie der von Simbabwe, der des Sudan oder der Demokratischen Republik Kongo, stehen mehr als doppelt so viele positive Beispiele aus Afrika gegenüber -Mosambik, Tansania, Ghana, Benin oder Mali.
Wir wollen diese Erfolge nicht durch Almosen erringen, sondern mittels harter Arbeit, Beharrlichkeit, Kreativität und in wahrer Partnerschaft mit den Industrienationen. Wir sind noch nicht soweit, können es aber schaffen, wenn sich der Westen an die Zusagen hält, die er mit so großer Geste in Gleneagles machte, und wenn auch die afrikanischen Führungen ihrerseits die Versprechen gegenüber ihren Bürgern erfüllen."
Entwicklungszusammenarbeit spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut und vermeidbare Krankheiten.
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Den Schlüssel für die Überwindung der Armut bildet auf lange Sicht der Handel mit Gütern und Dienstleistungen.
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