Mitmachen

Gesundheit von Müttern und Kindern

 

 

Die Herausforderung

Etwa 358.000 Frauen sterben Jahr für Jahr an schwangerschaftsbezogenen Ursachen, einschließlich der Geburt. Millionen weitere leiden an Komplikationen. 2010 starben 7,6 Millionen Kinder vor Erreichen ihres fünften Lebensjahres - fast alle an vermeidbaren Krankheiten. Während viele Länder in den letzten Jahren Fortschritte bei der Gesundheit von Müttern und Kindern zu verzeichnen haben gibt es nach wie vor eine erheblichen Abstand zwischen den Verhältnissen in Entwicklungsländern und Ländern der industrialisierten Welt: Die Kindersterblichkeit in Sub-Sahara-Afrika ist 24-mal so hoch wie die in Industrienationen. Frauen, die in den ärmsten Ländern leben sterben 300mal häufiger an Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt als Frauen in Industrienationen. Müttersterblichkeit hat enorme Auswirkungen auf die Gesundheit der Neugeborenen, die sich leider noch langsamer verbesserte, als die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren. Um das vierte Millenniumsziel zu erreichen, muss die Sterblichkeit von Neugeborenen deutlich zurückgedrängt werden.

Die Herausforderung liegt nicht in einem Mangel an Technologie sondern an einem Mangel an Zugang zu Technologie. In den ärmsten Ländern der Welt ist der Zugang zu einfachsten Formen der Gesundheitsversorgung, zu Vorsorge während der Schwangerschaft und zu Nachsorge während der ersten 28 Tage nach der Geburt deutlich eingeschränkt. Die Gesundheitssysteme dieser Länder sind schwach ausgeprägt, es fehlt an medizinischem Fachpersonal, einfachster Ausrüstung sowie an Infrastruktr wie etwa an Kliniken und Gesundheitszentren. Sub-Sahara Afrika trägt die Last von 24 Prozent der Krankheiten der Welt - hat aber nur 3 Prozent des medizinischen Personals der Welt.

Während einige der Mittel, die in den vergangenen Jahren in den Kampf gegen Aids, TB und Malaria geflossen sind auch die Situation der Mutter- und Kindgesundheit verbessert haben, gab es keine parallelen Investitionen in die Stärkung von Gesundheitssystemen, die für die eine nachhaltige Verbesserung unabdingbar sind. Die Staaten benötigen intakte Lieferketten für die dringend benötigten Medikamente, sie benötigen medizinische Fachkräfte zur Versorgung der Mütter und ihrer neugeborenen Kinder und sie benötigen weitsichtige Verwaltungen und Politiker, um diese Ziele zu priorisieren. Der Mangel an planbarer Finanzierung macht es den Regierungen jedoch nicht leicht, langfristig zu planen und in den Ausbau ihrer Gesundheitssysteme zu investieren. Dies gilt insbesondere für den Bereich des medizinischen Personals, der - einmal etabliert - Jahr für Jahr Kosten verursacht.

Die Chance

Einfache, kosteffiziente Lösungen, um die Gesundheit von Kindern und Müttern zu verbessern existieren und sie können in Entwicklungsländern umgesetzt werden. Geburtsvorsorge, wie etwa die Zugabe von Eisen und Infektionsprävention, qualifizierte Betreuung während der Geburt in der Gemeinde und in Einrichtungen sowie einfache Formen der Nachsorge während der ersten Lebenswochen des Neugeborenen hilft Müttern, Kindern und rettet Leben.

Forschungsergebnisse zeigen, dass 80 Prozent der Todesfälle unter Müttern verhindert werden können, wenn ein einfacher Zugang zu Schwangerschaftsbegleitung existiert. Allein die Versorgung mit Vitamin A, die etwa einen Euro pro Kind und Jahr kostet, kann einer Viertelmillion Kindern Jahr für Jahr das Leben retten, weil sie das Infektions- und Durchfallrisiko senkt. Zusätzlich führt die Investition in die gesundheitliche Versorgung von Müttern und Kindern zu Entwicklungseffekten, von denen Gemeinden langfristig über Generationen hinweg profitieren. Das Überleben und die Gesundheit von Müttern ist für das Wohlergehen der gesamten Familie von entscheidender Bedeutung. Ein Kind, das seine Mutter verliert, trägt ein fünfmal höheres Risiko noch vor seinem fünften Lebensjahr zu sterben als ein Kind, dessen Mutter am Leben ist. Gesunde Kinder wiederum können Bildungschancen besser wahrnehmen und später eher ein selbstbestimmtes, produktives Leben führen. Ein Beispiel: Die Senkung der Kindersterblichkeit in Bolivien um 35 Prozent ging mit einer erhöhten Einschulungsquote von 30 Prozent einher.

Mechanismen wie die Globale Impfallianz (GAVI), eine einzigartige und innovative Public-Private-Partnership, tragen erheblich zu einer Verbesserung der Situation von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt bei. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 haben GAVI und ihre Partner den Tod von schätzungsweise 5,4 Millionen Kindern verhindert und 288 Millionen Kinder mit Impfungen versorgt.

Die Millennium-Entwicklungsziele 4 und 5 gelten als erreicht, wenn wir bis zum Jahr 2015 die Kindersterblichkeit um zwei Drittel und die Müttersterblichkeit um drei Viertel senken können. Obwohl die Welt derzeit nicht auf bestem Wege ist, diese Ziele zu erreichen, kann sich die Situation von Müttern und Kindern durch gute Politik der Entwicklungsländer und Geberländer deutlich verbessern.

 

Mehr über die Gesundheit von Müttern
Mehr über die Gesundheit von Kindern

 

 

Fakten auf einen Blick

  • 8,1 Millionen Kinder

    unter fünf Jahren sterben jedes Jahr – häufig an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten.

  • 358.000 Mütter

    sterben jedes Jahr durch schwangerschaftsbedingte Komplikationen.

  • 80 % aller geburts- und schwangerschaftsbezogenen Todesfälle

    ließen sich verhindern, wenn die Frauen Zugang zu grundlegenden medizinischen Leistungen hätten.

Alle Links zum Thema

  • Voodoo-Tradition trifft moderne Medizin

    30.01.2012

    Hochkarätige Gäste, eine packende Doku und die Frage: wie hilft Voodoo beim Kampf gegen Kindersterblichkeit? Unsere Auftaktveranstaltung 2012.
    WEITERLESEN

  • ONE gratuliert zu zehn Jahren Globaler Fonds

    26.01.2012

    Davos/Berlin. „Diese Woche feiert ONE zehn Jahre lebensrettende Arbeit des Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. Eines innovativen, transparenten Mechanismus, der Monat für Monat mehr als 100 000 Leben rettet", sagte heute Michael Elliott, Chef der entwicklungspolitischen Organisation ONE in Davos.
    WEITERLESEN

  • Impfen rettet Leben

    13.04.2011

    Impfen ist der effektivste Ansatz um in Entwicklungsländern das Leben von Kindern unter fünf Jahren zu retten. WEITERLESEN

  • Bill Gates Botschaft für Deutschland: Intelligente Entwicklungsprogramme retten Millionen von Menschenleben

    05.04.2011

    Berlin. Bill Gates besucht heute Berlin, um zu beweisen, dass intelligente Entwicklungszusammenarbeit wirkt. Dazu stellt er die Kampagne Living Proof vor, die darauf abzielt, verbreitete Vorurteile über Entwicklungszusammenarbeit zu widerlegen. Living Proof liefert Beweise, dass intelligente, gezielt eingesetzte Investitionen in Entwicklung Millionen Leben retten und Menschen dazu befähigen, sich und ihre Familien aus der Armut zu befreien. WEITERLESEN

  • Über 260.000 Stimmen für den Schutz ungeborener Babies vor HIV/Aids

    10.03.2011

    Berlin. Kaum 2 US-Dollar kostet ein Medikament, das die Übertragung des HI-Virus von einer infizierten Mutter auf ihr Kind verhindert. Die Organisation ONE hatte eine Petition initiiert, die bis zum Jahr 2015 ein völliges Ende der HIV-Übertragung von Mutter zu Kind fordert. Gestern übergab die Organisation 269.664 Unterschriften an die Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp. WEITERLESEN

  • Hoffnung auf eine Welt, in der kein Kind mit HIV geboren wird

    30.11.2010

    Fortsetzung des Baby-Protests mit anderen Mitteln

    Das aktuelle ONE-Video zeigt, dass Grund zur Hoffnung besteht: Wir wissen, wie wir die Übertragung des HI-Virus von Mutter zu Kind verhindern können, damit kein Kind mit HIV zur Welt kommt. WEITERLESEN