Fortschrittsbericht
Millionen von Kindern in afrikanischen Ländern südlich der Sahara besuchen jetzt die Grundschule. Möglich wurde dies durch neue Schwerpunkte in der Politik der afrikanischen Länder sowie durch Mittel aus dem Schuldenerlass und der Entwicklungszusammenarbeit.
Viele afrikanische Länder investierten die durch Schuldenerlasse freiwerdenden Mittel in den Bildungssektor. In Mali floss beispielsweise fast die Hälfte dieser Mittel in die Bildung. Dadurch stiegen die Bildungsausgaben zwischen 2001 und 2006 um jährlich 14 Prozent. In Nigeria wurden die Mittel für die Einstellung von 40.000 Lehrern verwendet. Durch den Schuldenerlass konnten viele afrikanische Länder die Schulgebühren abschaffen. Das ermöglicht Millionen der ärmsten Kinder den Besuch einer Schule. Durch die Abschaffung der Schulgebühren wuchsen die Schülerzahlen in Kenia um 1,3 Millionen und in Tansania um 3,1 Millionen.
Die 2002 als Partnerschaft zwischen Geber- und Entwicklungsländern ins Leben gerufene Fast Track Initiative (FTI) hat das Ziel, den Besuch der Grundschule für alle Kinder schneller zu realisieren. Im Rahmen der Initiative erarbeiten Entwicklungsländer einen nationalen Bildungsplan, der von Fachleuten geprüft und genehmigt wird. Ist dies erfolgt, helfen die Geber mit Fachwissen und zusätzlichen Mitteln bei der Umsetzung des Plans. In den 36 Ländern, deren nationaler Bildungsplan durch die FTI genehmigt wurde, sind beeindruckende Fortschritte zu verzeichnen. 26 der 35 im Rahmen der FTI betreuten Länder haben das wichtige Ziel erreicht, bis 2010 nahezu alle Kinder in die erste Stufe der Grundschule zu bringen - ein wichtiger Schritt in Richtung universeller Grundschulbildung. Gemessen an den gegenwärtigen Raten werden 27 FTI-Länder bis 2015 eine Grundschulabschlussrate von 80 Prozent erreichen. Zwischen 2000 und 2006 wurden in den 22 afrikanischen FTI-Ländern 15,2 Millionen Kinder mehr eingeschult.
2001 nutzte Tansania die durch den Schuldenerlass freigewordenen Mittel für die Abschaffung der Grundschulgebühren. Dadurch wurden geschätzte 3 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult. Diesem Ansturm war das vorhandene Schulsystem jedoch nicht gewachsen. Daher startete die tansanische Regierung ein Primary Education Development Program zur Verbesserung des Grundschulsystems mit Hilfe von Gebern. Zwischen 2002 und 2004 stellte Tansania 32.000 Grundschullehrer ein und baute 30.000 neue Unterrichtsräume. 2006 besuchte nahezu jedes Kind im Grundschulalter eine Schule (98 Prozent). Noch 1999 hatte der Anteil bei lediglich 50 Prozent gelegen. Die Qualität der Schulbildung steigt in ganz Tansania. Folgende Zahlen verdeutlichen dies: Bei den Abschlussprüfungen für die Grundschule stieg die Erfolgsquote von 28,6 Prozent im Jahr 2001 auf 61,8 Prozent im Jahr 2006.
In Äthiopien sind hinsichtlich des Ziels eines universellen Zugangs zur Grundschulbildung große Fortschritte zu verzeichnen. Dank der höheren Budgetzusagen und der Ausweitung der Entwicklungszusammenarbeit stieg das äthiopische Bildungsbudget zwischen 1999 und 2006 von 3,6 Prozent auf 6 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Ab 1997 setzte die äthiopische Regierung den Schwerpunkt auf verbesserten Zugang, größere Gleichheit und höhere Qualität der nationalen Bildung. Dadurch stieg der Anteil der eingeschulten Kinder im Grundschulalter von 34 Prozent im Jahr 1999 auf 71 Prozent im Jahr 2007. Dies ist eine der höchsten Zuwachsraten in Afrika südlich der Sahara. Zudem sank die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, zwischen 1999 und 2007 um mehr als 3,1 Millionen.
Schwerpunkt bei der Verteilung öffentlicher Gelder für die Bildung bilden in Äthiopien ländliche Gebiete. Seit 1997 wurden fast 6000 Schulen gebaut, 85 Prozent davon auf dem Land. Dieser Schritt hatte große Auswirkungen auf die Nachfrage nach und den Zugang zu Bildung, weil die große Entfernung zur Schule für viele Kinder, insbesondere Mädchen, eine große Hürde darstellt.
72 Millionen Kindern auf dieser Welt bleibt ein Schulbesuch verwehrt. Diese Zahl entspricht in etwa der Gesamtzahl aller Kinder im Grundschulalter in Europa und Nordamerika.
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