HIV/Aids

Die Herausforderung

2009 fielen HIV/Aids 1,8 Millionen Menschen zum Opfer, 1,3 Millionen davon in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Bei der Bereitstellung lebensrettender Behandlung für Menschen, die mit HIV/Aids leben, gab es große Fortschritte. Trotz dieser Fortschritte benötigen weltweit weiterhin mindestens 15 Millionen Menschen eine Behandlung, 10,6 Millionen von ihnen in Afrika. Darüber hinaus liegen die HIV-Ansteckungsraten nach wie vor weit über der Zahl derer, die eine Behandlung erhalten. Den 3.200 Menschen, die pro Tag eine Behandlung beginnen, stehen 7.100 Neuinfektionen gegenüber.

Da in der Mehrzahl Menschen in ihren produktivsten Jahren (im Alter von 15 bis 49 Jahren) HIV-infiziert sind, hat die Krankheit auch große sozioökonomische Folgen, die eine Gefahr für den Entwicklungsprozess in vielen armen Ländern, insbesondere in Afrika südlich der Sahara, darstellen. 14,8 Millionen Kinder  haben in der Region durch die Krankheit bereits Mutter, Vater oder beide Eltern verloren. Allein in Südafrika wird Prognosen zufolge bis 2010 jedes fünfte Kind ein Waisenkind sein. In einem Land, das bereits von Kriminalität, Gewalt und Arbeitslosigkeit gebeutelt ist, verschärft dies die soziale Dynamik. HIV/Aids trifft Menschen in ihren produktivsten Jahren. Dies ist ein zusätzliches Hemmnis für den wirtschaftlichen Fortschritt in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Schätzungen gehen davon aus, dass das jährliche Bruttosozialprodukt in den stark betroffenen Ländern um 2 bis 4 % unter dem nicht-betroffener Länder liegt. HIV/Aids bildet auch eines der größten Hemmnisse für die Gewährleistung einer guten Schulbildung. So benötigt Tansania beispielsweise circa 45.000 zusätzliche Lehrer, um die Aids-bedingten Verluste oder Abgänge auszugleichen. Viele von ihnen waren sehr erfahrene Lehrer.

2005 einigten sich die Staats- und Regierungschef der G8-Staaten auf ihrem Gipfel in Gleneagles sowie bei dem Weltgipfel der Vereinten Nationen in New York darauf, bis 2010 den flächendeckenden Zugang zu Prävention, Betreuung und Behandlung zu realisieren. Schätzungen von UNAIDS zufolge, werden für ein weltweites Vorgehen gegen Aids und die Realisierung eines annähernd flächendeckenden Zugangs zu HIV-Prävention, -Betreuung und -Behandlung in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen bis 2010 circa $25,1 Mrd. benötigt. Diese Zahl liegt $9,2 Mrd. über den tatsächlichen Ausgaben für die Aids-Bekämpfung im Jahr 2009. Voraussetzung für die Bereitstellung dieser elementaren Leistungen ist eine Stärkung der Gesundheitssysteme, insbesondere in Afrika. Hier wohnen zwei Drittel der Menschen, die eine antiretrovirale (ARV) Behandlung benötigen, aber hier arbeiten nur drei Prozent der weltweit im Gesundheitswesen beschäftigten Menschen. Darüber hinaus ist eine Ausweitung der Präventionsmaßnahmen erforderlich, damit die Kosten einer Behandlung sinken und deren Verfügbarkeit steigt. Zudem werden mehr Mittel für Zweitbehandlungen, kindgerechte Medikamente sowie diagnostische Tests und Geräte benötigt.

Die Chance

Durch eine erhebliche Aufstockung der bereitgestellten Mittel konnten viele Länder in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Bekämpfung von HIV/Aids erzielen. Die HIV-/Aids-Medikamente, die ein Patient im Jahr benötigt, kosten lediglich €100. Noch vor zehn Jahren waren es fast €7.000. Durch die gesunkenen Preise wurde der Zugang zu lebensrettenden antiretroviralen (ARV) Behandlungen, insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, deutlich einfacher. Derzeit erhalten fast vier Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner eine lebensrettende antiretrovirale Behandlung. 2002 waren es lediglich 50.000. In einigen Ländern sind sogar noch größere Fortschritte zu verzeichnen. In Botswana und Ruanda gibt es für HIV-Infizierte nun einen flächendeckenden Zugang. In Benin, Äthiopien, Mali, Namibia, Senegal, Swasiland und Sambia liegt der Anteil der Behandelten bei 50 bis 80 % und diese Ländern befinden sich auf einem guten Weg in Richtung eines flächendeckenden Zugangs. Diese Ergebnisse zeigen, dass sich der Zugang zu lebensrettender medizinischer Versorgung auch in Entwicklungsländern schnell ausweiten lässt.

Geberländer wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland übernahmen mit der Erhöhung ihrer Zusagen für die Finanzierung des Kampfes gegen HIV/Aids eine Vorreiterrolle. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria half drei Millionen Menschen mit antiretroviralen Behandlungen und führte 150 Millionen Beratungen und -Tests zu HIV/Aids durch. Im Rahmen des US-amerikanischen Programms PEPFAR (President's Emergency Plan for AIDS Relief) wurden 3,2 Millionen Menschen mit antiretroviralen Medikamenten behandelt sowie im Haushaltsjahr 2010 elf Millionen Menschen betreut, darunter 3,6 Millionen Waisen.

Bei zukünftigen Programmen zur Bekämpfung von HIV/Aids muss der Schwerpunkt auf die Prävention verlagert werden. Parallel dazu muss der Zugang zu antiretroviralen Behandlungen verbessert und die Suche nach einem Impfstoff verstärkt werden. Die Prävention muss Kernstück des Kampfes gegen Aids bilden. Bereits jetzt gibt es viele Möglichkeiten der Vermeidung einer Übertragung von HIV: vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung der Mutter-Kind-Übertragung (der Einsatz antiretroviraler Medikamente und die Einhaltung von Richtlinien zum Stillen), die Förderung der Verwendung von Kondomen, die männliche Beschneidung sowie die bevorzugte Verwendung sicheren Blutes und sicherer Spritzen. Neben diesen Maßnahmen ist es wichtig, dass die Menschen mehr über die Übertragung von HIV wissen, einen besseren Zugang zu Bildung besitzen, es einen stärkeren rechtlicher Schutz für Frauen und Bestimmungen zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen gibt. Nur so kann langfristig eine wirksame HIV-Prävention sichergestellt werden.

 

Fakten auf einen Blick

  • 3,9 Millionen Menschen

    in Subsahara-Afrika erhalten lebensrettende Aids-Medikamente. 2002 waren es nur 50.000 Menschen.

  • 2 bis 4 %

    beträgt der jährliche Verlust an Bruttosozialprodukt in stark von HIV/Aids betroffenen Ländern verglichen mit den Ländern, die nicht oder nur schwach betroffen sind.

  • 22 Ländern

    in Sub-Sahara-Afrika ist es gelungen, die Zahl der Neuinfektionen mit HIV um mehr als 25 % zu senken.

Alle Links zum Thema

  • ONE gratuliert zu zehn Jahren Globaler Fonds

    26.01.2012

    Davos/Berlin. „Diese Woche feiert ONE zehn Jahre lebensrettende Arbeit des Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. Eines innovativen, transparenten Mechanismus, der Monat für Monat mehr als 100 000 Leben rettet", sagte heute Michael Elliott, Chef der entwicklungspolitischen Organisation ONE in Davos.
    WEITERLESEN

  • ONE zu Aids-Fonds Zwischenbericht: Transparenz honorieren

    01.07.2011

    Berlin. Die entwicklungspolitische Organisation ONE hat erfreut auf den Zwischenbericht des internationalen Prüfpanels des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) reagiert, der heute fertiggestellt wurde. Die rigorose Bekämpfung von Korruption und die Bereitschaft der Organisation zum offenen Umgang mit Korruptionsvorwürfen muss honoriert werden, fordert ONE. WEITERLESEN

  • Unabhängiges Panel zum Global Fund eingerichtet

    04.05.2011

    Berlin. Die entwicklungspolitische Organisation ONE begrüßt die Berufung eines unabhängigen Panels zur Untersuchung der Korruptionsvorfälle beim Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. WEITERLESEN

  • Bill Gates Botschaft für Deutschland: Intelligente Entwicklungsprogramme retten Millionen von Menschenleben

    05.04.2011

    Berlin. Bill Gates besucht heute Berlin, um zu beweisen, dass intelligente Entwicklungszusammenarbeit wirkt. Dazu stellt er die Kampagne Living Proof vor, die darauf abzielt, verbreitete Vorurteile über Entwicklungszusammenarbeit zu widerlegen. Living Proof liefert Beweise, dass intelligente, gezielt eingesetzte Investitionen in Entwicklung Millionen Leben retten und Menschen dazu befähigen, sich und ihre Familien aus der Armut zu befreien. WEITERLESEN

  • Über 260.000 Stimmen für den Schutz ungeborener Babies vor HIV/Aids

    10.03.2011

    Berlin. Kaum 2 US-Dollar kostet ein Medikament, das die Übertragung des HI-Virus von einer infizierten Mutter auf ihr Kind verhindert. Die Organisation ONE hatte eine Petition initiiert, die bis zum Jahr 2015 ein völliges Ende der HIV-Übertragung von Mutter zu Kind fordert. Gestern übergab die Organisation 269.664 Unterschriften an die Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp. WEITERLESEN

  • HIV/Aids

    06.12.2010

    Den 3.200 Menschen, die täglich eine Behandlung beginnen, stehen 7.100 Neuinfektionen gegenüber.
    WEITERLESEN