Verschmutztes Wasser und das Fehlen einer grundlegenden sanitären Versorgung untergraben die Bemühungen zur Bekämpfung von extremer Armut und Krankheiten in den ärmsten Ländern der Welt. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind in dieser Hinsicht besonders stark betroffen: 330 Millionen Menschen in der Region haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und 565 Millionen Menschen fehlt der Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung. Nach wie vor unverhältnismäßig stark ist die Unterversorgung von Menschen im ländlichen Raum. Dort leben sieben von zehn Menschen mit unverändert schlechter sanitärer Versorgung.
Verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Versorgung bilden die Hauptursache für die Kindersterblichkeit: Schätzungsweise 4.100 Kinder sterben jeden Tag an Durchfallerkrankungen infolge schlechter sanitärer Versorgung und Hygiene. Wie so oft sind von der schlechten Situation bei der Wasser- und sanitären Versorgung Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen. Doppelt so oft wie Männer haben Frauen die Aufgabe, Wasser zu beschaffen. Dazu legen Frauen in Entwicklungsländern im Schnitt sechs Kilometer am Tag zurück - Zeit, die sie für die Arbeit oder den Besuch einer Schule bräuchten. Und Untersuchungen zeigen, dass in Ländern südlich der Sahara für mehr als die Hälfte der Mädchen die Ursache für den Abbruch der Grundschule in fehlenden getrennten Toiletten und fehlendem Zugang zu sauberem Wasser zu suchen ist. Die Folgen des mangelnden Zugangs zu Wasser und sanitärer Versorgung wirken sich auch auf makroökonomischer Ebene aus. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass pro Jahr in Afrika insgesamt 40 Milliarden Arbeitsstunden für die Beschaffung von Wasser aufgewendet werden. Diese Zahl entspricht der Gesamtarbeitszeit sämtlicher Erwerbstätigen in Frankreich für ein volles Jahr.
Im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele verpflichteten sich die Entwicklungsländer und die Regierungen der Geberländer, den Anteil der Menschen ohne nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und elementarer sanitärer Versorgung bis 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara liegen weit hinter beiden Zielen zurück. Wenn der gegenwärtige Trend anhält, wird das Ziel des Zugangs zu sauberem Wasser um 25 Jahre und das der elementaren sanitären Versorgung um 61 Jahre verfehlt.
Der Mangel an Trinkwasser und sanitärer Versorgung wird sich mit dem Klimawandel und der zunehmenden Konzentration der Bevölkerung in den Städten noch verschärfen. Modellen zufolge werden in den Ländern südlich der Sahara bedingt durch den Klimawandel bis 2020 weitere 75 bis 250 Millionen Menschen nicht genug Wasser haben. Parallel dazu werden sich die Bevölkerungszahlen in den afrikanischen Städten zwischen 2000 und 2030 aller Voraussicht nach verdoppeln. Diese Bevölkerungsexplosion müssen die Wasser- und sanitären Versorgungssysteme auffangen. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, welcher Belastung die Wasser- und sanitären Versorgungseinrichtungen dadurch ausgesetzt sind: zwischen 1990 und 2004 nahm die Bevölkerung in den Städten um 85 Prozent zu. Die Anzahl der Stadtbewohner ohne Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung stieg in diesem Zeitraum auf das Doppelte.
Der Zusammenhang zwischen mangelndem Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung einerseits und den Entwicklungszielen andererseits ist klar. Die Lösungen für das Problem sind bekannt und würden keine Unsummen kosten. Der flächendeckende Zugang zu besserer sanitärer Versorgung könnte die durch Durchfall bedingte Sterblichkeit um mehr als ein Drittel senken. Wenn die im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele hinsichtlich Wasser und sanitärer Versorgung gesetzten Vorgaben erfüllt werden, sterben 2015 etwa 203.000 weniger Kinder und 272 Millionen Schultage wären durch die geringere Zahl von Durchfallerkrankungen gewonnen. Die Vorteile eines verbesserten Zugangs zu Wasser und sanitärer Versorgung haben aber noch weitreichendere Auswirkungen: Die Realisierung der Millennium-Entwicklungsziele hinsichtlich des Zugangs zu Wasser und sanitärer Versorgung würde für den Kontinent einen jährlichen wirtschaftlichen Gesamtnutzen von $22 Mrd. bedeuten. Es wird geschätzt, dass jeder Dollar, der in die Wasser- und sanitäre Versorgung investiert wird, den Gegenwert von 8 Dollar generiert - durch gesparte Zeit, steigende Produktivität und sinkende Behandlungskosten. Bei Erreichen der beiden Ziele bis 2015 könnten die Länder südlich der Sahara etwa 12 Prozent ihrer jährlichen Ausgaben für die Gesundheitssysteme sparen.
Entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Realisierung der Millennium-Entwicklungsziele zur Wasser- und sanitären Versorgung voranschreitet, wird die Bereitstellung von Mitteln durch die Geberländer sein. 2006 schätzten die Vereinten Nationen, dass der Mittelfluss verdoppelt werden muss, wenn das Erreichen der Ziele realistisch bleiben soll. Die G8 verpflichtete sich zwar 2003 und 2005 zur Erhöhung der Mittel für den Ausbau der Wasserversorgung, legte für die Geber aber nur wenige konkrete Finanzierungsziele fest. In Folge dessen sind die Mittel seit 2004 nur mit etwa einem Viertel der erforderlichen Rate gewachsen.
haben keinen Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung, und 884 Mio. Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.
schafft den Gegenwert von 8 Dollar – durch eingesparte Zeit, höhere Produktivität und sinkende Belastung für die Gesundheitssysteme.
an den Folgen schweren Durchfalls, verursacht durch schlechte sanitäre Versorgung und Hygiene.
Wenn die Welt extreme Armut und Krankheit ernsthaft besiegen will, ist es an der Zeit, unser Engagement für afrikanische Mädchen und Frauen zu verstärken. Es ist an der Zeit für einen Wandel! WEITERLESEN
Berlin. Die Versprechen, die den Ländern Afrikas vor fünf Jahren auf dem Gipfel von Gleneagles gegeben wurden haben sowohl zu einer Erhöhung von Entwicklungsfinanzierung als auch einer Zunahme lebensrettende Entwicklungserfolge in historischem Ausmaß geführt. Das ist die vorläufige „Abschlussbeurteilung" einer Studie der entwicklungspolitischen Organisation ONE, die heute in Berlin, Paris, London und Ottawa präsentiert wird. WEITERLESEN
Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. 2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung.
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Auf Grundlage des Artikel ONE haben wir ein detaillierteres zehn Punkte Papier für eine starke Entwicklungspolitik verfasst mit dem Titel „Krisen überwinden. Chancen nutzen. Globales Miteinander gestalten." ONE fordert von Unterhändlern bei den Koalitionsverhandlungen, dass sie folgende zehn Punkte für eine starke Entwicklungspolitik berücksichtigen. WEITERLESEN
Die Webseite zum DATA Bericht 2009 (englisch). WEITERLESEN
Die Mehrzahl der G8-Staaten, darunter Deutschland, kommt mit ihren Zusagen zur Entwicklungsfinanzierung für Afrika voran. Frankreich und G8-Gastgeber Italien jedoch gefährden mit ihrem schwachen Engagement die Glaubwürdigkeit der G8 als Ganzes. WEITERLESEN