Die Herausforderung
Handel ist ein grundlegender Bestandteil eines jeden Wirtschaftswachstums. Er bietet afrikanischen Ländern, Gemeinden und Erzeugern die Möglichkeit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nach Jahren eindrucksvoller Steigungsraten hat Afrika durch die Finanzkrise eine Verlangsamung seines Wirtschaftswachstums hinnehmen müssen. Die Folgen wurden noch durch die der Finanzkrise vorangehende Ölkrise und die Nahrungsmittelkrise verstärkt. Afrikanische Länder haben nicht nur Probleme, ihre eigenen Märkte aufzubauen und Armut mit Handel zu bekämpfen. Durch weniger Investitionen, geringere Nachfrage nach afrikanischen Produkten und eine Abnahme der Rücküberweisungen von Migrantinnen und Migrantenwird ihre Situation noch weiter verschlechtert. So werden sich die afrikanischen Volkswirtschaften langsamer als die Industriestaaten oder die Schwellenländer von den Krisen erholen.
Jahrzehntelang ist es Afrika nicht gelungen, den Welthandel für sich zu nutzen. 1980 lag der Anteil der sub-saharischen Länder Afrikas am Welthandel bei 6 %. 1998 war er auf 2 % zurückgegangen. In den letzten Jahren hatte sich dieser Trend angesichts eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstums von 5 bis 6 % in den Jahren 2002 bis 2008 und einer Verzehnfachung der ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments, FDI) zwischen 2000 und 2008 auf $87,6 Mrd. umgekehrt. Auch wenn es Fortschritte gab und sich der Anteil Afrikas am Welthandel erhöht hat, bleibt er doch kleiner als in jeder anderen Region der Welt. Gleiches gilt für die FDI: Die Mittel, die in Form von ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika fließen, stellen nur einen kleinen Anteil des weltweiten Aufkommens dar. Die weltweite Finanzkrise droht auch diese Entwicklung zunichte zu machen. Schätzungen besagen, dass Afrikas Wirtschaftswachstum 2009 auf 1 % zurückgegangen ist. Bei den FDI liegt der geschätzte Rückgang bei 36,2 % (auf $55,9 Mrd. im Jahr 2009). Und bei den Rücküberweisungen von im Ausland arbeitenden Afrikanerinnen und Afrikanern wird zwischen 2009 und 2010 von einem Rückgang um $2 Mrd. ausgegangen.
Die afrikanischen Länder südlich der Sahara stehen beim Zugang zu lokalen, regionalen und internationalen Märkten vor den weltweit größten Herausforderungen. Die fehlende Infrastruktur und die Abhängigkeit von Rohstoffexporten (zum Beispiel Mineralien und landwirtschaftliche Erzeugnissen) anstelle der Ausfuhr von fertig verarbeiteten Produkten stellen große Hindernisse für eine Ausweitung des Handels innerhalb des Kontinents aber auch mit dem Rest der Welt dar. Sie machen den Kontinent außerdem weniger attraktiv für Investitionen. Für die Länder südlich der Sahara bestehen auch Handelsschranken wie etwa hohe Einfuhrabgaben, die die Teilnahme am Wettbewerb auf wichtigen Märkten wie denen der EU, der USA oder Japans erheblich erschweren. Die Programme, die afrikanischen Exporten eigentlich eine Vorzugsbehandlung gewähren sollen, sind häufig zu kompliziert oder eingeschränkt als dass sie großen Nutzen bringen würden. Diese Situation wird zusätzlich durch die Zahlung von Agrarsubventionen in Industrieländern erschwert.
Landwirte in Industrieländern haben somit einen unfairen Vorteil auf dem Weltmarkt. Für das Jahr 2008 schätzt die OECD, dass die Bauern in den Industriestaaten Subventionen in Höhe von $216,4 Mrd. erhielten. Das entspricht in etwa dem Achtfachen der Mittel, die die G7-Staaten 2009 für Afrika aufwendeten. Subventionen sind für Bauern in Industriestaaten ein Anreiz zur Überproduktion. Dies drückt den Weltmarktpreis oder führt dazu, dass lokale Märkte mit Billigimporten überflutet werden.
Sub-Sahara Afrikasteht auch noch immer vor großen Herausforderungen auf der Angebotsseite. Diese müssen angegangen werden, selbst wenn die politischen Rahmenbedingungen verbessert sind, damit die Menschen in Afrika wettbewerbsfähige Produkte herstellen und auf die Märkte bringen können. Der Mangel an Infrastruktur, insbesondere Straßen oder Brücken, fehlende Zuverlässigkeit bei der Energieversorgung und unterentwickelte Telekommunikationssysteme sind bedeutende Handelsschranken und machen die Region weniger attraktiv für Investoren. Andere Einschränkungen sind durch fehlende wirtschaftliche Ausbildung gegeben sowie fehlendes Kapital zum Aufbau wettbewerbsfähiger Industriezweige und einen Mangel an Finanzdienstleistern, die Unternehmerinnen und Unternehmern helfen, ihre Ideen umzusetzen. Die schlechte regionale Integration stellt für die afrikanischen Länder ein zusätzliches Hindernis für den regionalen Handel dar.
Die Chance
Ein von Handel und Investitionen getragenes Wirtschaftswachstum ist der Schlüssel für die Überwindung der Armut in den Ländern südlich der Sahara. Eine Beseitigung des fundamentalen Ungleichgewichts im Welthandelssystem und Investitionen in die langfristige Entwicklung des Handelssektors sind heute wichtiger denn je, damit Afrika sich von der Finanzkrise erholen, die Millennium-Entwicklungsziele erreichen sowie eine Toleranz gegenüber zukünftigen wirtschaftlichen Schocks aufbauen kann. Entwicklungszusammenarbeit kann dabei helfen, die Grundlagen für Wirtschaftswachstum zu legen, indem sie mehr Ressourcen für Gesundheit, Bildung und Infrastruktur zur Verfügung stellt. Langfristig jedoch werden Handel und Investitionen viel größere Erfolge bei der nachhaltigen Bekämpfung von Armut bringen.
Durch einen verbesserten Zugang zu den Märkten der Industrie- und Nachbarländer, die die Ausweitung von entwicklungsbezogenen Handelshilfen (Aid for Trade), mit denen Herausforderungen auf der Angebotsseite angegangen und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden können, sowie Investitionen in die Infrastruktur, größere Kapitalflüsse zur Investition und eine Stärkung der regionalen Wirtschaftsintegration kann Handel im Sinne Afrikas funktionieren. Schon ein kleines Stück des Welthandels könnte für Afrika einen großen Unterschied machen: 2008 war ein Prozent des Welthandels $195 Mrd. wert - das entspricht mehr als dem Fünffachen der gesamten Entwicklungsmittel, die die Länder südlich der Sahara im gleichen Zeitraum erhalten haben.
Die Fähigkeit, Produkte in regionale und internationale Märkte zu exportieren, - besonders verarbeitete Produkte wie Nahrungsmittel, Kleidung oder andere Fertigungserzeugnisse - kann für zahlreiche Länder südlich der Sahara eine lebenswichtige Einkommensquelle darstellen. Lesotho etwa exportiert im Rahmen des African Growth and Opportunity Act (AGOA) jährlich Kleidung im Wert von $300 Mio. in die USA. Über AGOA erlassen die USA afrikanischen Ländern, die bestimmte Kriterien erfüllen, die Einfuhrabgaben. Industriestaaten können helfen, solche Erfolge überall auf dem Kontinent zu wiederholen, indem sie Zölle und Einfuhrquoten für alle afrikanischen Waren, auch landwirtschaftliche Produkte, streichen. Dieser zoll-/quoten-freie Zugang sollte auf alle afrikanischen Länder ausgeweitet werden, auch die Nicht-LDCs (least developed countries - arme Länder). Er kann sowohl von einzelnen Ländern als auch im Rahmen der Doha-Welthandelsrunde der Welthandelsorganisation WTO umgesetzt werden.
Weitere lebenswichtige Unterstützung für den sub-saharischen Handel können die Industriestaaten leisten, indem sie den Kontinent dabei unterstützen, die Beschränkungen bei Infrastruktur und Telekommunikationssystemen sowie Finanzdienstleistungen, Anpassungskosten, den regionalen Handelsvereinigungen, Bildung und Marketing zu überwinden. Insgesamt haben die G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA) im Jahr 2008 nur $6,9 Mrd. zu Hilfe für Handel-Projekten in Afrika beigetragen. Diese Summe liegt weit unter dem, was laut Schätzungen notwendig wäre. Allein für die Infrastruktur wären schätzungsweise über zehn Jahre jährlich $25 Mrd. notwendig.
Zu guter Letzt könnte die Ausweitung des Handels und der Investitionen der Länder südlich der Sahara untereinander durch reale oder wirtschaftliche Integration entscheidende Vorteile in Form von mehr Handel, mehr Arbeitsplätzen und höheren Einkommen bringen. Regionale Handelskorridore, innerhalb derer Länder über Straßen- und Einbahnnetze verbunden sind und Zugang zu Häfen und Flughäfen ermöglichen, können dabei helfen, Produkte auf Märkte und Menschen in Arbeit zu bringen. Wirtschaftliche Integration, die hinderliche Zollbestimmungen und Grenzformalitäten sowie Einfuhrabgaben reduziert, kann dem regionalen Handel ebenfalls zu mehr Schwung verhelfen. Eine Vielzahl afrikanischer Länder hat sich zu einer Ausweitung der regionalen Integration verpflichtet, indem sie gemeinsame Wirtschaftsräume gebildet hat. Solche Gemeinschaften wie die East Africa Community (EAC), die Southern African Development Community (SADC), die Economic Community of Western States (ECOWAS) sowie der Common Market for Eastern and Southern Africa (COMESA) befinden sich in verschiedenen Stadien der Umsetzung und Wirksamkeit. Gemeinsames Ziel dieser Initiativen ist jedoch die Schaffung einer Freihandelszone und in einigen Fällen darüber hinaus die Schaffung eines uneingeschränkten gemeinsamen Marktes. „Entwicklungskorridore", die dabei helfen, Länder untereinander zu verbinden, sind bereits in mehreren Regionen Afrikas entstanden. Durch sie werden Beschaffungen und Warenflüsse über Ländergrenzen hinweg vereinfacht und in Einklang gebracht, was nicht zuletzt dazu beiträgt, Zeitaufwand und Kosten für den Transport massiv zu reduzieren.
lag 2008 bei 3,5 %. 1980 waren es noch 6 %.
– mehr als das Fünffache der Mittel, die afrikanische Länder südlich der Sahara im selben Jahr im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit erhielten.
erhielten die Bauern in den Industrieländern 2008.
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