Die Herausforderung
Mangelnder Zugang zu guter Schulbildung hat zur Folge, dass weltweit Millionen von Menschen in extremer Armut gefangen bleiben. Der überwiegende Teil der 72 Millionen Kinder, denen bisher ein Schulbesuch verwehrt bleibt, gehört den ärmsten und am schwersten zu erreichenden Schichten an. Über die Hälfte von ihnen sind Mädchen, und die meisten leben in von Konflikten zerrütteten Ländern außerhalb der großen Städte. In vielen Ländern wurde durch die Abschaffung der Schulgebühren das größte Hindernis für den Besuch der Grundschule beseitigt. Andere finanzielle Hürden wie der Kauf von Schuluniformen und Prüfungsgebühren verhindern jedoch immer noch, dass die Kinder der Ärmsten zur Schule gehen können. Darüber hinaus müssen viele Familien eine harte Entscheidung treffen - zwischen den langfristigen Vorteilen einer Schulbildung und der Hilfe, die die Kinder für den Haushalt erbringen, wenn sie etwa arbeiten gehen oder bei der Hausarbeit helfen. Häufig (besonders für Mädchen) fällt diese Entscheidung zu Ungunsten des Schulbesuches aus.
Viele Länder, in denen die Zahl der Einschulungen sprunghaft stieg, waren von dieser Entwicklung überfordert. Es gab kein Geld für die Einstellung und Ausbildung von Lehrern, Erweiterung der Klassenräume und den Kauf von Unterrichtsmaterial und damit auch keine Verbesserung der Qualität der schulischen Ausbildung. In den Ländern südlich der Sahara ist der Lehrermangel am größten. Um das Ziel der universellen Grundschulbildung bis 2015 zu erreichen, werden 1,2 Millionen zusätzliche Lehrer benötigt. In Madagaskar, Mosambik und Sierra Leone werden beispielsweise Klassen mit einer Stärke von 80 Schülern in einem Raum von einem ausgebildeten Lehrer unterrichtet. Durch solche Missstände sind die Ergebnisse der schulischen Ausbildung in den Entwicklungsländern häufig schlecht. Viele Kinder durchlaufen die Grundschule, ohne einen Mindestgrad an Lese-, Schreib- und Rechenkenntnissen zu erwerben. In den Ländern, in denen die Klassen überfüllt sind, mangelt es zudem häufig an Unterrichtsmaterialien. Die Möglichkeiten einer höheren Bildung sind eingeschränkt, und viele Kinder brechen die Schule vorzeitig und ohne Abschluss ab. Besonders hoch ist die Abbruchquote in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Dort schließen lediglich 70 % aller eingeschulten Kinder die Grundschule ab.
Die Chance
Untersuchungen haben ergeben, dass eine Erhöhung der Bildungsausgaben - mit Schwerpunkt auf den Mädchen - eine der lohnendsten Investitionen in Entwicklungsländern sein kann. Stattet man Kinder mit dem erforderlichen Wissen und den benötigten Fähigkeiten aus, profitieren davon alle Bereiche der Gesellschaft. In Ländern, in denen die Anzahl der Frauen mit einer höheren Bildung um 1 Prozent stieg, wuchs das jährliche Pro-Kopf-Einkommen um 0,3 Prozent. Wenn Mädchen fünf Jahre lang die Schule besuchen, steigt die Überlebensrate ihrer Kinder um bis zu 40 Prozent. Eine Untersuchung in Uganda ergab, dass bei Kindern, die eine höhere Schule abgeschlossen hatten, die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren, im Vergleich zu Kindern, die nur eine geringe und gar keine schulische Ausbildung genossen hatten, 7mal geringer ist (bei Kindern mit abgeschlossener Grundschulausbildung immerhin noch halb so gering). Darüber hinaus ist Bildung einer der Eckpfeiler für eine gefestigte Gesellschaft mit starkem Zusammenhalt. Laut einer Studie in 100 Ländern können eine adäquate schulische Ausbildung von Mädchen und die Reduzierung des unterschiedlichen Bildungsgrades von Männern und Frauen zur Stärkung der Demokratie beitragen.
In den zurückliegenden Jahren haben viele Länder das Potential einer umfassenden Bildung erkannt und erhebliche Mittel in diesen Sektor investiert. So floss beispielsweise in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara ein Teil der durch die Schuldenerlasse freigewordenen Gelder in das Bildungssystem. Neben den für die Bildung aufgewendeten Entwicklungshilfemitteln ermöglichten die durch den Schuldenerlass bedingten Einsparungen, dass zwischen 1999 und 2008 46,5 Millionen afrikanischer Kinder zusätzlich eingeschult werden konnten.
Neben den Schuldenerlassen haben die Geberländer die Bedeutung einer kontinuierlichen Förderung von Ländern erkannt, die die Verbesserung des Zugangs zu Bildung als Ziel verfolgen. Auf dem im Jahr 2000 in Dakar stattfindenden World Education Forum vereinbarten Geber und Entwicklungsländer die Ziele des Programms „Bildung für Alle" („Education for All" - EFA) und legten 2015 als angestrebtes Datum für das Erreichen des 2. Millennium-Entwicklungsziels (Grundschulbildung für alle) fest. Ferner wurde Folgendes vereinbart: Wenn die Entwicklungsländer die Bereitstellung der politischen und finanziellen Ressourcen für die Realisierung einer uneingeschränkten und obligatorischen Schulbildung bis 2015 beschließen sowie glaubhafte und realisierbare Bildungspläne vorlegen, steuern die Geber das technische Know-how und die benötigten zusätzlichen Mittel für die Umsetzung dieses Ziels bei. Die Gültigkeit dieser Vereinbarung wurde auf den drei folgenden G8-Gipfeln, so auch 2008 in Hokkaido, bestätigt.
Aus diesen Vereinbarungen ging 2002 der erste weltweite Ausbildungspakt hervor: die Globale Bildungspartnerschaft (Global Partnership for Education, GPE; zuvor bekannt als Fast Track Initiative, FTI) eine Partnerschaft zwischen Gebern und Entwicklungsländern, die die Umsetzung des Ziels einer qualitativ guten Grundschulausbildung für alle beschleunigen soll. Für die Länder, deren Bildungspläne von einem Expertenteam und Vertretern der Geberländer geprüft und bestätigt wurden, koordiniert die Globale Partnerschaft die wachsende bilaterale und multilaterale Finanzierung. In GPE-Ländern waren in den zurückliegenden Jahren erhebliche Fortschritte bei der Realisierung des universellen Zugangs zu Grundschulausbildung zu verzeichnen. Zwischen 2002 und 2009 konnten in den Partnerländern 19 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult werden.
Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse leidet die Globale Bildungspartnerschaft an chronischer Unterfinanzierung. Entschiedenes Handeln der Geber muss die multilateralen Kapazitäten der GPE stärken und bilaterale Unterstützung anregen, um innerhalb der kommenden drei Jahre für berechenbare Finanzierung für Bildungspländer der Partnerländer zu sorgen.
wurden zwischen 1999 und 2008 zusätzlich eingeschult. Möglich wurde dies durch die dank des Schuldenerlasses freiwerdenden Gelder, die in die Bildung fließenden Entwicklungshilfemittel und den höheren Stellenwert, den die Regierungen afrikanischer Länder der Bildung einräumten.
werden südlich der Sahara gebraucht, damit bis 2015 alle Kinder die Grundschule besuchen können.
steigen die Überlebenschancen von Kindern, wenn ihre Mütter fünf Jahre eine Schule besucht haben.
21.09.2010
Wenn die Welt extreme Armut und Krankheit ernsthaft besiegen will, ist es an der Zeit, unser Engagement für afrikanische Mädchen und Frauen zu verstärken. Es ist an der Zeit für einen Wandel! WEITERLESEN
21.07.2010
Sag den Staats- und Regierungschefs der Welt, dass Bildung für alle Kinder der wichtigste Treffer wäre. WEITERLESEN
25.05.2010
Berlin. Die Versprechen, die den Ländern Afrikas vor fünf Jahren auf dem Gipfel von Gleneagles gegeben wurden haben sowohl zu einer Erhöhung von Entwicklungsfinanzierung als auch einer Zunahme lebensrettende Entwicklungserfolge in historischem Ausmaß geführt. Das ist die vorläufige „Abschlussbeurteilung" einer Studie der entwicklungspolitischen Organisation ONE, die heute in Berlin, Paris, London und Ottawa präsentiert wird. WEITERLESEN
04.02.2010
Im Februar 2009 startete ONE seine Kampagne zur Bundestagswahl. Kern der Kampagne war der Artikel ONE, eine Zusammenfassung unserer entwicklungspolitischen Kernforderungen an die noch zu wählende Bundesregierung. Unser Ziel: vor der Wahl möglichst viele Unterstützer für den Artikel ONE bekommen und möglichst großen öffentlichen Druck aufbauen - um nach der Wahl möglichst viele Punkte aus dem Artikel ONE im Koalitionsvertrag zu verankern und somit für die neue Bundesregierung verbindlich zu machen.
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03.02.2010
67,5 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule. Davon leben 95 Prozent in Entwicklungsländern.
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09.12.2009
CARE wurde 1945 in den USA gegründet, um Hunger und Verzweiflung in Europa mit mehr als 100 Millionen CARE-Paketen zu lindern. Heute greift CARE auf die Erfahrung und die Ressourcen einer modernen, internationalen Hilfsorganisation zurück. Unabhängig von politischer Anschauung, religiösem Bekenntnis oder ethnischer Herkunft setzen wir uns weltweit für Not leidende, arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein. WEITERLESEN

