Die Herausforderung
Trotz seiner großen Möglichkeiten entfaltet der Agrarsektor in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara nicht sein volles Potential. Die Gründe dafür sind die begrenzte Produktivität und der Mangel an Investitionen. Weltweit gesehen gingen die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit für die Landwirtschaft in den armen Ländern von einem Anteil von 18 % in den 80er Jahren auf unter vier Prozent in den vergangenen Jahren zurück. Die Folgen davon spüren die Bauern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara: In den vergangenen 25 Jahren sind die Einkommen in der Landwirtschaft in dieser Region im Schnitt um weniger als ein Prozent pro Jahr gewachsen. Das ist im weltweiten Vergleich die mit Abstand niedrigste Rate.
Gemessen am Millennium-Entwicklungsziel, die Anzahl der Hungernden und Armen bis 2015 zu halbieren, liegen die afrikanischen Länder südlich der Sahara bereits weit hinter dem Plan. Durch die gestiegenen Nahrungsmittelpreise sowohl lokal als auch global wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft noch weiter erschwert. Zwischen 2005 und 2008 stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Weizen um 83 %. 2008 fielen bedingt durch die Nahrungsmittel- und Kraftstoffkrisen weitere 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze. Die Zahl der Hungernden stieg auf 1,02 Milliarden. 2009 ging die Zahl wieder leicht zurück: Anfang 2010 waren es 925 Millionen. Doch jetzt, da die Nahrungsmittelpreise anderthalb Mal so hoch sind wie noch im April, wird die Zahl wohl wieder steigen. Und Experten gehen davon aus, dass die Preise so schnell nicht wieder sinken werden. Damit könnten weitere Millionen Menschen in Armut und Hunger gestoßen werden. Gestiegene Nahrungsmittelpreise bedeuten, dass Familien weniger und weniger nährstoffreiche Lebensmittel essen und dass sie weniger Geld für Gesundheit und Bildung zur Verfügung haben. Außerdem sind sie stärker von Unterernährung betroffen.
Der Agrarsektor in Afrika benötigt langfristige Investitionen, die es den Bauern ermöglichen, ihre Produkte zu vermarkten, sich nachhaltigere und produktivere Anbaumethoden anzueignen und Zugang zu besserer Technik, Saatgut und Dünger zu erlangen. Die Bauern müssen die Möglichkeit haben, den Herausforderungen, denen sie jeweils lokal gegenüber stehen, adäquat zu begegnen. Dass alle Initiativen die speziellen Bedürfnisse von Frauen und armer Kleinbauern einbeziehen, ist dabei unerlässlich. In Afrika etwa werden arme Bauern - häufig sind dies Frauen - nicht in Trainingsmaßnahmen einbezogen, wobei diese Maßnahmen meist sowieso nicht auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sind. Auch haben sie Schwierigkeiten, sich Zugang zu Krediten, Boden, Informationen und Märkten zu verschaffen. Das Fehlen dieser grundlegenden Faktoren macht es für die Bauern schwer bis unmöglich produktiv zu sein und verhindert, dass sie sich gegen die Risiken des Lebens als Bauern absichern können.
Die Chance
Investitionen in die Landwirtschaft würden einen fundamentalen Wandel bewirken - insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in denen fast zwei Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten und durchschnittlich ein Drittel des Bruttosozialproduktes auf die Landwirtschaft entfällt. Investitionen in die Landwirtschaft können für Produzenten und Bauern Wege aus der Armut eröffnen, das Exportaufkommen steigen lassen sowie Gemeinden und Familien Beschäftigung und ein stabiles Einkommen sichern. Die Weltbank schätzt, dass Wachstum in der Landwirtschaft für die Reduzierung der Armut doppelt so wirksam wie Wachstum in anderen Sektoren ist. Besonders wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass, wenn Bäuerinnen die gleiche Aufmerksamkeit erhielten wie es ihre männlichen Kollegen tun, die Produktivität in Afrika um 22 % steigen könnte. Dadurch würde eine größere Menge an Lebensmitteln auf den Markt gelangen, die könnten Frauen ihr Einkommen steigern und ihre Kinder könnten ausreichend ernährt werden.
Voraussetzung für die Gewährleistung der Ernährungssicherheit in den Entwicklungsländern und die Erhöhung der Wirtschaftsleistung durch Landwirtschaft sind kurz-, mittel- und langfristige globale Initiativen.
Die Geber müssen die Mittel für solche Investitionen aufstocken, die es Gemeinden ermöglichen, sich langfristig selbst mit Nahrung zu versorgen. Dazu gehören verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung - unter Rücksichtnahme auf geschlechterspezifische Fragestellungen - sowie die Schulung der Bäuerinnen und Bauern in neuen Techniken zur Ertragssteigerung. Weitere wichtige Aspekte zur langfristigen Erhöhung der Produktivität in der Landwirtschaft der afrikanischen Länder südlich der Sahara sind die Verbesserung des Zugangs der Erzeuger zu lokalen und regionalen Märkten und Investitionen in die ländliche Infrastruktur (Straßenbau, Elektrifizierung, Lagerhallen und Bewässerungsanlagen).
Kurzfristig muss auf Notsituationen in Entwicklungsländern weiterhin sofort und umfassend mit den Umständen angemessener Nahrungsmittelhilfe, aber auch einer besseren Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Produktionsmitteln wie Dünger, Saatgut und weiteren Hilfsmitteln zur Ertragssteigerung reagiert werden. Die Bereitstellung von Nahrungsmittelhilfe und Produktionsmitteln muss außerdem flexibel erfolgen. Das heißt, dass diese Güter nach Möglichkeit nicht aus den Geberländern stammen, sondern vor Ort produziert und erworben werden, damit die lokalen Märkte von der Herstellung und vom Vertrieb dieser Waren profitieren.
Mittelfristig können Programme der sozialen Absicherung wie Cash-for-Work und Schulspeisungsprogramme verhindern, dass Familien noch tiefer in die Armut rutschen. Diese Programme helfen den Ärmsten und Bedürftigsten und tragen außerdem dazu bei, die Zahl der gesunden und produktiven Arbeitskräfte zu erhöhen.
Die Nahrungsmittel- und Finanzkrise haben die Folgen eines zwei Jahrzehnte währenden Investitionsmangels in der Landwirtschaft offen zu Tage treten lassen. Die G8-Staaten haben 2009 zugesagt, den Entwicklungsländern $22 Mrd. für die Landwirtschaft zukommen zu lassen. Sie haben sich außerdem Prinzipien verpflichtet, die die Qualität, Wirksamkeit und Nachverfolgbarkeit der Hilfsgelder gewährleisten sollen. Einige Länder haben diese Investitionen noch weiter konkretisiert. Sie haben erklärt, welcher Anteil der Mittel tatsächlich neue Zusagen darstellt und Pläne vorgestellt, die die Aufrechterhaltung der Prinzipien sichern sollen.
Deutschland beteiligt sich mit $3 Mrd. an der Initiative, wobei die Mittel voraussichtlich nur zu einem geringen Teil zusätzlich sein werden. Die Gelder sollen vor allem bilateral umgesetzt werden.
Großbritannien hat $1,72 Mrd. zugesagt, Frankreich $2,16 Mrd., Kanada mehr als eine Milliarde Dollar und die Europäische Kommission noch einmal $3,8 Mrd. Die USA haben $3,5 Mrd. zugesagt und einen Plan mit dem Titel Feed the Future („Die Zukunft ernähren") vorgestellt. Dieser Plan beinhaltet bilaterale Landwirtschaftsunterstützung sowie Beiträge zu einem multilateralen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung in Höhe von $475 Mio.
Jedoch wird für die Geber die Zeit für die Erfüllung ihrer Versprechen knapp. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Geber ihre Versprechen für den Kampf gegen Hunger und gegen eine neuerliche Nahrungsmittelkrise erfüllen müssen. Wir müssen sicher stellen, dass die zugesagten Mittel sinnvoll investiert werden, und eine Basis für zukünftige, verlässliche Investitionen geschaffen wird, die Ergebnisse hervorbringen.
heute täglich. Das sind 80 Millionen mehr als noch 2007.
für die Reduzierung der Armut wie Wachstum in anderen Sektoren.
arbeiten in der Landwirtschaft.
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