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Voodoo-Tradition trifft moderne Medizin

Gemeinsam wirken: Voodoo-Tradition trifft moderne Medizin

Hand aufs Herz: Wer von Euch denkt bei Voodoo nicht sofort an jene leicht gruselig anmutenden Puppen? Das ging vielen unserer Gäste sicherlich auch so. Und was das mit Impfungen und der Bekämpfung von Kindersterblichkeit zu tun haben sollte, erschloss sich auch nicht sofort von selbst. Wen die Neugierde dann trotz des nasskalten Januarabends ins Zeughauskino direkt am Spreeufer mitten in Berlin trieb, wurde mit einem spannenden Abend mit illustren Gästen belohnt.

Gemeinsam reisten wir auf der Leinwand ins westafrikanische Benin. Das Land gilt als Wiege der Voodoo-Kultur, traditionelle Heiler genießen auch heute noch großes Ansehen und haben starken Einfluss auf die Bevölkerung. Auch und gerade in Gesundheitsfragen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen und vom lebensrettenden Nutzen von Schutzimpfungen zu überzeugen, arbeiten die Gesundheitsbehörden vor Ort eng mit den Heilern zusammen - und erreichen auf diese Weise großartige Fortschritte bei der Senkung der Kindersterblichkeit.

Wer von Euch die von ONE produzierte Doku noch nicht kennt und keine Zeit hatte, letzte Woche vorbeizuschauen, dem sei der Film noch einmal wärmstens ans Herz gelegt:


In der anschließenden Podiumsdiskussion stand die Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit im Fokus: Wie arbeitet die Impfallianz GAVI und wie stellt sie sicher, dass die erzielten Wirkungen nachhaltig sind? Können andere Organisationen von ihr lernen? Und wie steht es in der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit: Wo werden Prioritäten gesetzt? Werden die Bedürfnisse der Partnerländer ausreichend berücksichtigt? Und wie sehen das die Partnerländer selber?
Unser Moderator Jan Lerch führte durch eine lebhafte Debatte zwischen dem Geschäftsführer der GAVI Alliance Dr. Seth Berkley, Dr. Günther Taube von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), und dem Botschafter von Benin Seine Exzellenz Isidore Bio. In der nachstehenden Bildstrecke zeigen wir euch ein paar Eindrücke der Veranstaltung.

Vier Fragen an Dr. Seth Berkley, Geschäftsführer der Impfallianz GAVI

Im Anschluss an Film und Podiumsdiskussion blieben zahlreiche Besucher, um sich bei einem Getränk über die eigenen Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven kennenzulernen. Bei dieser Gelegenheit haben wir Dr. Seth Berkley noch mal einige Fragen zum Thema Impfen und GAVI gestellt.

Wie viele Kinder hat GAVI bereits geimpft und was sind die Pläne von GAVI für die Zukunft?

Wir haben bis jetzt 325 Millionen Kinder geimpft und auf diese Weise dazu beigetragen, mehr als 5,5 Millionen Leben zu retten. Jetzt planen wir zum einen, mit den existierenden Impfstoffen so viele Kinder wie möglich zu erreichen. Vor allem geht es hierbei um Impfungen gegen Pneumokokken, den Haupterregern von Lungenentzündung, und Rotavirus, einen Haupterreger von Durchfallerkrankungen. Zum anderen fangen wir gerade an, mit einigen Impfstoffen zu arbeiten, die für GAVI neu sind, zum Beispiel gegen den Humanen Papillomavirus (HPV). Diese Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs, einer Erkrankung die jährlich 275.000 Frauen in Entwicklungsländern das Leben kostet.

Sie haben lange Zeit in Entwicklungsländern gearbeitet. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie von der Bedeutung von Impfungen überzeugt hat?

Für mich war es immer wichtig, dass Ausmaß von Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern zu begreifen. Als junger Mann hatte ich die Chance in einer Reihe von Flüchtlingslagern zu arbeiten, in einigen der härtesten Regionen in Afrika. Dort habe ich Epidemien erlebt, zum Beispiel eine Masernepidemie. Jeden Morgen bin ich aufgestanden und habe die Reihen kleiner Gräber gesehen, die man ausgehoben hatte, um die Kinder zu begraben, die an Masern gestorben waren. Man darf nicht vergessen, wie alltäglich diese Krankheiten in Entwicklungsländern sind. In Industrieländern sehen wir solche Krankheiten nur noch selten, so dass man schnell denkt, sie wären kein Problem mehr. Aber das ist leider falsch.

Was wäre der Vorteil einer Impfung im Vergleich zu anderen Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV?

Das Besondere an einem HIV-Impfstoff wäre, dass er voraussichtlich sehr kostenwirksam wäre und zudem jeden vor einer Infektion schützen würde. Zur Zeit befinden wir uns in der Situation, wo man sich zunächst klar machen muss, dass man eine Infektion riskiert, um dann eine der existierenden Maßnahmen zu ergreifen, um sich zu schützen. Also zum Beispiel ein Kondom benutzen oder eine saubere Nadel, oder sexuelle Kontakte vermeiden. Eine Impfung hat den Vorteil, dass man sie jedem geben kann: Man kann sie Jugendlichen geben oder Kindern, so dass sie geschützt sind, unabhängig davon, ob sie wissen, dass sie gefährdet sind. Auf diese Weise könnte man auch die Stigmatisierung umgehen, die sonst in der Regel mit der Entscheidung für oder gegen Prävention einhergehen. Für mich ist das der wichtigste Aspekt.

Und wie hat Ihnen dieser Abend heute und vor allem der Film „Voodoo & Vaccines“ gefallen?

Für mich war das ein sehr gelungener Abend. Ich denke, die wichtigste Botschaft des Films „Voodoo & Vaccines“ ist das Nebeneinander von Tradition und moderner Wissenschaft sowie die Erkenntnis, dass beide Ansätze für Bekämpfung von Infektionskrankheiten von Bedeutung sind. In der Podiumsdiskussion im Anschluss und auch hier auf dem Empfang haben sich reichlich Gelegenheiten geboten, mit ganz verschiedenen Leuten darüber zu sprechen, wie man die Lösung dieser Probleme weiterhin angehen kann – unter Einsatz maximal wirksamer Werkzeuge und Programme. Und das ist es, was mich wirklich begeistert.

Seth Berkley ist seit August 2011 der Geschäftsführer der Impfallianz GAVI. 1996 gründete er die Internationale AIDS-Impfstoff-Initiative (International AIDS Vaccine Initiative, IAVI), deren Präsident und Geschäftsführer er 15 Jahre lang war. Seine persönlichen Ansichten über „Die Welt der Impfungen“ veröffentlicht Seth Berkley in seinem Blog: http://sethberkley.wordpress.com

One Blog

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Update vom 22. April: Unsere Gästeliste ist leider voll, danke für euer Interesse. Falls eure Anmeldung berücksichtigt werden konnte, solltet ihr eine Bestätigung erhalten haben. Wir sehen uns im Kino! ++ Einlass nur nach vorheriger Anmeldung und Bestätigung ++Es gibt mal wieder gute Nachrichten. Nächste Woche, am Vorabend des Weltmalariatags, zeigt ... Weiterlesen

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Pressemitteilungen zum Thema

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    London/Berlin. Mehrere Nationen und Organisationen haben heute in London auf der Geberkonferenz für die Internationale Impfallianz (GAVI) erhebliche finanzielle Mittel zugesagt. Die anwesenden Regierungs- und Organisationsvertreter sagten 4,3 Milliarden US-Dollar zu, um GAVIs Aktivitäten in den nächsten fünf Jahren zu unterstützen. GAVI macht Impfstoffe weithin zugänglich und neue Impfstoffe verfügbar. Die Summe der Zusagen übersteigt die ursprünglich angestrebte Summe von 3,7 Milliarden US-Dollar deutlich. WEITERLESEN

  • Über 300.000 Unterschriften an Dirk Niebel für lebensrettende Impfungen

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    Berlin. Lungenentzündung und Durchfallerkrankung sind in Entwicklungsländern die wichtigste Todesursache von Kindern unter fünf Jahren. 36 Prozent der Todesfälle werden von diesen beiden Krankheiten verursacht. Mit zwei neuen und getesteten Impfstoffen kann die Globale Impfallianz (GAVI) in den kommenden fünf Jahren vier Millionen Kinder retten. Deswegen überreichte Tobias Kahler, Direktor der entwicklungspolitischen Organisation ONE, Bundesminister Dirk Niebel heute über 300.000 Unterschriften von Menschen, die eine ausreichende Finanzierung für GAVI fordern. WEITERLESEN

MEHR ZUM THEMA

Auf unserer Schwerpunktseite zum Thema Impfungen gibt es weitere Informationen darüber, warum Impfungen so hilfreich für Armutsbekämpfung sind. ANSCHAUEN

 

Auf unserer Schwerpunktseite über die Konferenz von Busan gibt es mehr Informationen darüber, was die aktuellsten Ansätze dazu sind, die Hilfe wirksamer zu machen. ANSCHAUEN


INTERVIEWS

Was sagten unsere Gäste zu den Fragen des Abends? Klickt Euch durch.

 

Isidore Bio, Botschafter der Republik Benin

 

Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin, BMZ

 

Günther, Taube, Abteilungsleiter, GIZ

 

Caroline Teti, Advocacy Manger, DSW


PRESSEECHO

Der Tagesspiegel widmete der Veranstaltung einen ausführlichen Bericht.