32 Millionen Kinder im subsaharischen Afrika können nicht zur Schule gehen. 54 % von ihnen sind Mädchen.[1] In vielen armen Familien haben tägliche Haushaltspflichten oder ein dringend benötigtes Zusatzeinkommen Vorrang vor den langfristigen Vorteilen, die mit dem Schulbesuch der Töchter verbunden wären. Für Mädchen ist es daher weit weniger wahrscheinlich als für Jungen, dass sie jemals eine Schule betreten. Zwölf Millionen Mädchen in Subsahara Afrika, werden niemals eingeschult werden —verglichen mit „nur" sieben Millionen Jungen[2] Nach Schuleintritt brechen viele Mädchen zudem ihre Schulausbildung oft ab oder setzen nach dem ersten Abschluss ihre Bildung nicht fort.
Gebildete Mädchen werden im Vergleich zu ihren Altersgenossinnen ohne schulische Bildung mit großer Wahrscheinlichkeit später heiraten, weniger Kinder bekommen und in die Gesundheit und Ausbildung ihrer Nachkommen investieren. Sie haben auch bessere Voraussetzungen, eine Arbeit zu finden, genießen häufig einen höheren Stellenwert in ihren Familien und sind aktiver in ihren Gemeinden.
Eine gebildete Familie in Uganda
Grace Nangyonga war gerade acht Jahre alt, als ihre Eltern starben. Als der ältesten unter sieben Kindern fiel es plötzlich ihr zu, ihre Familie zu versorgen.
Trotz der neuen Verantwortung weigerte sie sich jedoch, auf den Schulbesuch zu verzichten. Sie war sich der Bedeutung einer Ausbildung für die Zukunft ihrer Familie bewusst. „Ich habe allerlei kleine Jobs gemacht", erzählt sie — unter anderem jeden Tag nach der Schule Hühner verkauft.
Als es jedoch an der Zeit war, eine weiterführende Schule zu besuchen, wurde das Schulgeld zu teuer. Sie war nicht länger imstande, den Schulunterricht zu besuchen und gleichzeitig ihre Familie zu ernähren. Grace dachte, dass sie jetzt keine andere Wahl hätte, als ihre Schulausbildung abzubrechen.
Dann entdeckte sie das Forum for African Women Educationalists (FAWE), eine gemeinnützige Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Mädchen in ganz Afrika eine Schule besuchen können. FAWE stimmte zu, sie solange wie nötig bei der Zahlung des Schulgeldes zu unterstützen.
Dank FAWE verfügt Grace heute über einen Universitätsabschluss in Informationswissenschaft und hat ihre eigene Firma. Sie finanziert die Schulausbildung für ihre Brüder und Schwestern. Und sie hofft, dass ihre Geschichte anderen jungen Mädchen in ähnlichen Situationen Mut macht.
„Ich bin so stolz auf das, was ich heute bin. Ich möchte als Beispiel für Mädchen aus meinem Land und anderswo dienen."
– Geschichte übernommen von FAWE
Schulausbildung für die nächste Generation in Afrika — Empfehlungen an Staats- und Regierungschefs
Obwohl die Zahl der Kinder, die in afrikanischen Ländern eine Grundschule besuchen, im letzten Jahrzehnt angestiegen ist, waren die Fortschritte bei der Verbesserung der Qualität und Abschlussquoten an Grundschulen sowie beim Zugang zu weiterführenden Schulen und weiteren Bildungsetappen nicht überragend. Entwicklungspartner sollten deshalb im Jahr 2010 und in den Jahren darauf in ihrer Zusammenarbeit folgende Zielsetzungen verfolgen:
Prioritäten auf Bildungsqualität, Abschlussquoten und weiterführende Schulen setzen: Eine Verbesserung der Bildungsqualität setzt verstärkte Bemühungen bei der Anwerbung und Bindung qualifizierter Lehrer voraus; ebenso den verbesserten Zugang zu Ressourcen wie Schulbüchern und Klassenräumen und die Kontrolle und Auswertung der Lernergebnisse durch Prüfungen im Klassenzimmer sowie Examina auf nationaler und regionaler Ebene. Um Anreize für den Grundschulabschluss zu schaffen und Anmeldungen an weiterführenden Schulen zu erhöhen, sollten Entwicklungsländer und Geberländer die Hindernisse für den Besuch an weiterführenden Schulen ins Auge fassen. Dazu gehören Schulgebühren, Opportunitätskosten, Entfernung zur Schule und soziokulturelle Hindernisse, insbesondere für Mädchen. Mit wachsender Nachfrage nach Sekundärbildung muss dies bei der Erstellung nationaler Bildungspläne berücksichtigt werden.
Verstärkte, wirksame Ressourcen: Um Fortschritte bei Einschulungen, Bildungsqualität und Abschlussquoten an Grundschulen zu erzielen, ist man auf verstärkte Ressourcen und Reformen sowie die Erweiterung der Bildung für Alle — Fast-Track-Initiative angewiesen.
Anmerkungen
1. UNESCO. 2010. „Education for All Global Monitoring Report 2010". Table 5. p. 346.