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Afrikas Zukunft ist weiblich

Eine Zukunft in Wohlstand

Frauen sind die treibende Kraft hinter der afrikanischen Wirtschaft. Sie leiten schätzungsweise 48 % der kleinen und mittleren Betriebe und bauen 80 % der Nahrungsmittel an.[1]

Wirtschaftswachstum

Obwohl die Arbeit der Frauen einer der wichtigsten Motoren für das wirtschaftliche Wachstum Afrikas ist, werden ihnen große Hindernisse in den Weg gelegt, wenn es um Zugang zu Bildung, Eigentum, Krediten und Finanzdienstleistungen geht.

Um einen Weg aus der Armut zu finden, brauchen afrikanische Familien, und da vor allem die Frauen, wirtschaftliche Chancen. Nur so können sie die Einkommen generieren, die sie benötigen, um unabhängig zu sein. Wenn Frauen Zugang zu höherer Bildung erhalten, sind sie in der Lage, Land und Immobilien zu besitzen und sich um ihre eigenen finanziellen Belange zu kümmern. Wirtschaftliches Wachstum erreicht vor allem dort ganze Familien eher, wo sich Frauen engagieren. Frauen investieren 90 % ihres Verdienstes in Gesundheit, Bildung und den Wohlstand ihrer Familien. Bei Männern liegt dieser Anteil im Schnitt bei 30 bis 40 %.[2]

Das Wirtschaftswachstum von Ländern beruht auf Handel und Investitionen. Doch die ärmsten Menschen der Weltkümmern sich weniger um die große Wirtschaftspolitik als um individuelle Chancen, um ihnen und ihren Familien einen Weg aus der Armut zu ebnen. Um diese Chancen ergreifen zu können, benötigen die Frauen Afrikas Zugang zu weiterführenden Schulen und zu Ausbildung für zukünftige Berufe. Die afrikanischen Bauern und Kleinunternehmer, die zum Großteil Frauen sind, benötigen außerdem Zugang zu Kapital- und Finanzdienstleistungen. Nur so können sie bestehende Geschäfte vergrößern und in neue Unternehmen investieren. Um ihre Waren märkteübergreifend verkaufen zu können, brauchen Geschäftsleute außerdem faire Handelsgesetze, eine einfache Zollabwicklung, gute Straßen, zuverlässige Stromversorgung und Zugang zu Kommunikationstechnologien wie Mobiltelefone und Internet.

„Doing business“ in Ruanda

Janet NkubanaDie Schwestern Janet Nkubana und Joy Ndunguste hätten sich nie träumen lassen, einmal mit dem Kaufhausriesen Macy’s ins Geschäft zu kommen.

Als sie in dem entlegenen Dorf Gitarama ihre ersten Körbe unter einem Baum verkauften, hatten sie nur 27 Korbflechterinnen. Mit dem Gewinn eines Businessplan-Wettbewerbs der Weltbank kauften sie die Materialien und eröffneten einen kleinen Ausstellungsraum in Kigali. Vorher hatten sie noch ein Stück Land verkauft — das wäre einer ruandischen Frau vor 1999 gar nicht möglich gewesen.

Dann berichtete irgendwann die Frauenzeitschrift Marie Claire über ihre von Hutu- und Tutsi- Frauen geflochtenen „Friedenskörbe“. Es gingen über 1.000 Bestellungen ein, und auch das Oprah Magazine brachte bald darauf einen Bericht. Nachdem das Unternehmen mit der Unterstützung gezielter Entwicklungshilfe sogar an einer Messe in New York teilnehmen konnte, eroberten die Körbe den Weltmarkt. Die Schwestern schlossen einen Vertrag mit der US-amerikanischen Kaufhauskette Macy’s, taten sich sich mit einer US-amerikanischen Marketing- und Handelsgesellschaft zusammen und, bevor es ihnen bewusst wurde, befanden sich ihre Friedenskörbe in Haushalten in ganz Amerika.

„Bei uns arbeiten Überlebende, Witwen, Frauen, deren Männer im Gefängnis sitzen“, so Janet. „Sie zu sehen, wie sie unter einem Dach sitzen und Körbe flechten und gemeinsam arbeiten, ist eine große Errungenschaft. Diese Frauen sind jetzt zusammen und verdienen ihren Lebensunterhalt. Es ist wunderbar.”

Janets und Joys Firma Gahaya Links hat heute über 4.000 Mitarbeiterinnen. Im Jahr 2007 wurden 35.000 Körbe produziert und ein Umsatz von 300.000 US-Dollar erwirtschaftet. Gahaya Links ist heute der führende Exporteur einzigartiger ruandischer Körbe. Möglich wurde dies auch durch den „African Growth and Opportunity Act“, ein Gesetz zur Förderung desWachstums und der Chancen für Afrika, das Exportprodukten aus Ruanda zollfreien Zugang in den US-amerikanischen Markt ermöglicht.

Joy NdungusteDas Geschäft veränderte nicht nur das Leben von Joy und Janet. Es gab tausenden von unterprivilegierten Müttern, Töchtern und Schwestern in ganz Ruanda die Chance auf eine bessere Zukunft. Die bei Gahaya Links angestellten Frauen erhielten innerhalb der firmeneigenen Ausbildungsprogramme eine umfassende Weiterbildung. Durch die Einnahmen aus den Körben wurde über 18.000 Kindern der Schulbesuch ermöglicht. Die Gruppe hat auch eine Gemeinschaftsbank gegründet. Die Frauen sagen außerdem, dass sie in ihren Gemeinden heute mit mehr Respekt behandelt werden.

Das heißt aber nicht, dass das Leben der Schwestern heute einfach und frei von Herausforderungen ist. Die Versandkosten sind immer noch hoch, und manchmal dauert es sogar Monate, bis die biologischen Färbemittel und das Versandmaterial aus Ländern angeliefert werden, die direkt an Ruanda angrenzen. Doch das Geschäft expandiert und neue Produkte sind schon hinzugekommen: Mit Schmuck und Textilien wollen sie neue Märkte wie Europa und Kanada erschließen. Janet und Joy engagieren sich, um ihrer Gemeinde und ihrem Land langfristig Arbeit bieten zu können.

— Diese Geschichte stammt aus dem Bericht „Doing Business Women in Africa” der Internationalen Investitionsgesellschaft IFC und der Weltbank von 2008.


Wirtschaftliche Chancen schaffen — Empfehlungen an Staats- und Regierungschefs

Wirtschaftliches Wachstum kann Entwicklung antreiben und Armut verringern. Um sicherzustellen, dass dieses Wachstum den Ärmsten dabei hilft sich aus der Armut zu befreien, ist bei allen Entwicklungspartnern ein Wandel im Investitionsverhalten und in der Politik nötig. Im Jahr 2010 und in den Jahren darauf sollten die Entwicklungspartner auf folgende Ziele hinarbeiten:

Zugang zu Finanzdienstleistungen und Technologie erweitern: Der Zugang zu zuverlässigen und erschwinglichen Finanzdienstleistungen wie Versicherungen ist entscheidend für Familien und ihre Geschäftsmodelle. Nur so können sie in neue Geschäftsideen investieren und sich vor ungeplanten Rückschlägen schützen. Vor allem sollte Frauen der Zugang zu Dienstleistungen und Technologien, wie zum Beispiel Mobiltelefonen, ermöglicht werden, um die sich daraus ergebenden Vorteile nutzen. Die Unterstützung von Kleinstbetrieben kann der zündende Funke sein, um wirtschaftliche Produktivität anzufeuern. Wichtiger noch ist jedoch die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, die den Großteil der afrikanischen Unternehmen ausmachen und häufig von Frauen geleitet werden.

Infrastruktur ausbauen: Der Binnenhandel in den Ländern Afrikas und der Handel mit anderen afrikanischen und internationalen Partnern erfordert dringend eine bessere Infrastruktur. Ein verbessertes Transportsystem, bessere Kommunikation und Energieversorgung würden das Volumen und die Rentabilität des regionalen und des internationalen Handels deutlich stärken. Entwickelte Länder können das wirtschaftliche Wachstum durch Investitionen in Institutionen wie zum Beispiel die Afrikanische Entwicklungsbank fördern; diese unterstützt das Wachstum regionaler „Wirtschaftskorridore“, indem sie die Infrastruktur verbessert.

Investitionen anregen: In ganz Afrika entstehen mehr und mehr private Investitionschancen, zum Beispiel in expandieren Sektoren wie der Markt erneuerbarer Energien oder der Telekommunikation. Entwickelte und Entwicklungsländer sollten internationale Momente und Gelegenheiten nutzen; so könnten sowohl die UN-Konferenz zu den Millenniumzielen und die G20-Gipfel als Plattform für eine bessere Wahrnehmung der Investitionschancen in Afrika und als Anreiz zu Investitionen auf dem Kontinent genutzt werden. Entwicklungspartner sollten vor allem öffentliche und private Investitionen in die Landwirtschaft und die Agrarindustrie unterstützen und so zur Steigerung des Lebensunterhalts in den ländlichen Gebieten beitragen: dort leben und arbeiten etwa 75 % der afrikanischen Bevölkerung.

Globale Handelsabkommen priorisieren: Die Entwicklungsländer sind häufig mit Barrieren konfrontiert, die ihnen den Zugang zu globalen Märkten versperren (etwa durch Abgaben, Zölle oder Quoten). Das erschwert es auch, die Auswirkungen von Agrarsubventionen und angebotsseitige Beschränkungen zu bewältigen. Die Mitglieder der WTO haben fast zehn Jahre lang über dieso genannte Doha-Entwicklungsrunde diskutiert. Bislang ist es noch zu keinem Verhandlungsabschluss in einem der Bereiche gekommen, von dem an allererster Stelle die Ärmsten der Armen profitieren würden.

Anmerkungen

1.Internationale Investitionsgesellschaft IFC. „IFC Supports Women Entrepreneurs”. http://www.ifc.org/ifcext/africa.nsf/Content/MainStory_GOWE_August2007; und ICRW. R. Mehra und M. Hill Rojas. „Women, Food Security, and Agriculture in a Global Marketplace”. http://www.icrw.org/files/publications/A-Significant-Shift-Women-Food%20Security-and-Agriculture-in-a-Global-Marketplace.pdf

2. C. Fortson. op. cit.