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Afrikas Zukunft ist weiblich

Eine gut regierte Zukunft

Frauen spielen schon jetzt eine entscheidende Rolle, indem sie für eine ehrlichere, engagierte Führung in Afrika eintreten. Vielleicht, weil sie und ihre Familien am meisten von einer besseren Regierungsführung profitieren.

Regierungsführung

Weniger Korruption bedeutet für eine afrikanische Familie, niemanden bestechen zu müssen, um Land zu pachten und keine überhöhten Preise für Medikamente am Krankenhaus vor Ort bezahlen zu müssen. Transparente und leicht einzusehende Finanzhaushalte bedeuten, dass Eltern nachvollziehen können, ob Gelder an die Schule ihrer Kinder fließen oder Erlöse aus natürlichen Ressourcen wie Erdöl in den Straßenbau oder in den Bau neuer Brunnen in ihren Dörfern investiert werden. Wenn Frieden und Stabilität herrschen, können Frauen auch abends spät noch arbeiten gehen, ohne Angst vor sexueller Belästigung haben zu müssen. Freie und faire Wahlen geben jedem Bürger und jeder Bürgerin die Chance sowohl auf passive, als auch auf aktive politische Mitbestimmung.

Engagierte Regierende, die ihren Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet sind, werden ermöglichen, dass die wichtigsten Bausteine für Entwicklung — eine florierende Wirtschaft, eine aktive Zivilgesellschaft und effektive Ressourcen zur Armutsbekämpfung — an die richtigen Stellen gesetzt werden. Für eine bessere Regierungsführung müssen die Frauen Afrikas als Führungskräfte und Fürsprecherinnen gestärkt und gesetzliche, administrative und traditionelle Barrieren aus dem Weg geräumt werden.

Als politische Entscheidungsträgerinnen können Frauen eine ganz spezielle Perspektive in den Entscheidungsfindungsprozess einbringen. Aufgrund ihrer Rolle als Betreuende innerhalb ihrer Familien haben Frauen ein Interesse daran, sicherzustellen, dass die Ressourcen in Bereichen wie Gesundheit und Bildung so klug wie möglich genutzt werden. Je mehr Frauen in einem Landesparlament vertreten sind, desto geringer ist die Korruptionsrate in dem entsprechenden Land; das haben Studien belegt.[1] Länder, die erfolgreich Konflikte überwinden konnten, wie zum Beispiel Liberia und Mosambik, haben auch gezeigt, dass Versöhnung und Wiederaufschwung unter der Leitung von Frauen selbst die ärmsten Länder zu Leuchttürmen des Fortschritts bei der Armutsbekämpfung machen können.

Kampf für Reform in Nigeria

Arunma OtehArunma Oteh weiß, dass Veränderung nicht immer einfach ist. Doch als sie Anfang 2010 den Posten der Generaldirektorin der nigerianischen Börsenaufsicht (SEC) übernahm, war ihr klar, dass viele Dinge verändert werden müssten. Nigeria war immer noch dabei, sich von der weltweiten Finanzkrise zu erholen. Das Land mit dem zweitgrößtten Aktienmarkt in Afrika kämpfte gegen seinen schlechten Ruf als Korruptionssumpf an.

Wenn ein Investor Geld anlegt — egal, ob es sich um eine Gruppe von Frauen handelt, die in Nigeria ein neues Geschäft aufmachen will, oder um ein großes multinationales Unternehmen — muss er, so Arunmas Meinung, darauf vertrauen können, dass mit dem Geld korrekt umgegangen wird: also keine faulen Geschäfte. Deswegen war es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen und allen klar zu machen, dass unangemessenes Verhalten nicht länger akzeptiert werden würde.

„In meinem Land verfügen wir über einen außerordentlichen Unternehmergeist,” so Arunma. „Hier leben Menschen, die hart arbeiten und wirklich etwas bewegen wollen, und die Märkte geben den Menschen die Möglichkeit, Kapital zu beschaffen und zu investieren. Deshalb dürfen wir bei der SEC keine Unregelmäßigkeiten dulden. Vertrauen ist das Fundament der Kapitalmärkte.”

In den vergangenen sechs Monaten ist Arunma massiv gegen Korruption vorgegangen. Ihre Botschaft: Nigeria ist ein fantastischer Ort für Investitionen. „Lokale und internationale Investoren müssen wissen, dass die Dinge sich geändert haben.“

Zu Jahresbeginn versprach sie eine strengere Regulierung der nigerianischen Kapitalmärkte. Sie leitete Untersuchungen ein, um das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen und Probleme wie Verantwortung und finanzielles Missmanagement anzugehen. Sie leitete 260 Verfahren gegen Unternehmen und Individuen wegen Verdachts auf Marktmanipulation oder Insiderhandel ein und hat zudem begonnen, die Verwaltungsstruktur der nigerianischen Börse anzugehen, unter anderem durch eine Neuordnung des Corporate Governance Kodex der SEC. Z.B. führte sie die Regel ein, dass „nicht mehr als zwei Mitglieder derselben Familie im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzen dürfen”.

Sie weiß: Wenn die Welt Nigeria als einem internationalen Spitzenmarkt vertraut, dann wird sie auch investieren wollen. Und wenn sie investiert, bedeutet das mehr Arbeitsplätze, eine stärkere Steuerbasis und somit bessere Schulen, bessere Straßen, mehr Zugang zu sauberem Wasser für die Städte, Gemeinden und das Land.

Arunma macht Riesenschritte in der Reform der Unternehmenspraktiken in Nigeria.


Governance verbessern — Empfehlungen an Staats- und Regierungschefs

Alle an der Entwicklung beteiligten Partner müssen sich noch mehr dafür engagieren, dass die Geberländer und die afrikanischen Staaten Maßnahmen gegen Korruption ergreifen und die Wirkung von Investitionen in die Entwicklung maximiert werden. Im Jahre 2010 und darüber hinaus sollten die Entwicklungspartner auf folgende Ziele hinarbeiten:

Anreize für gute Regierungsführung: In Ländern mit einer besseren Regierungsführung, die ihr Engagement zugunsten von Entwicklung, Transparenz und Korruptionsbekämpfung unter Beweis stellen, sollten die Geberländer den Aufbau langfristiger Infrastrukturen und Systeme unterstützen, gezielte Maßnahmen zur Förderung von Investitionen ergreifen und Handelsanreize bieten. In Ländern, deren Regierungsführung noch Probleme bereitet (vor allem schwache und Nachkriegsstaaten), sollten die Geberländer in Maßnahmen im Sozialsektor investieren und solche Hilfen zur Entwicklung leisten, die das Engagement für mehr Transparenz und Verantwortung stützen und die Bürgergesellschaft stärken.

Globale Initiativen: Allen Ländern kommt eine bestimmte Rolle, um weltweite Korruption zu beenden und mehr Transparenz herzustellen. Regierungen können dafür sorgen, dass die Investitionen im Privatsektor auf dem afrikanischen Kontinent offen und transparent getätigt werden. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Unterstützung von Initiativen zugunsten von Transparenz und gegen Korruption, wie zum Beispiel die Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI), die Natural Resource Charter und die UN-Konvention gegen Korruption. Regierungen sollten außerdem die Einlage von solchen Geldern auf Bankkonten unterbinden, die durch illegale Machenschaften korrupter Politiker erwirtschaftet wurden. Unterschlagene Gelder müssen an die Länder zurückgezahlt werden, denen sie zustehen. In diesem Zusammenhang muss die Stolen- Asset-Recovery (StAR)-Initiative stärker unterstützt werden.

Haushaltsmittel für Entwicklung: Die afrikanischen Regierungen müssen sich verpflichten, eigene Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu finanzieren und das auch umsetzen. Gleichzeitig müssen sie gewährleisten, dass ihre Budgets transparent und für die Öffentlichkeit einsehbar sind. Auf diese Weise können die Bürgerinnen und Bürger kontrollieren, ob die Ressourcen tatsächlich zugunsten der Entwicklungsschwerpunkte genutzt werden.

Unterstützung von Zivilgesellschaft in Afrika: Die Bürger Afrikas müssen in die Lage versetzt werden, für ihre vorrangigen Entwicklungsbedürfnisse selbst einzutreten. Die afrikanischen Regierungen müssen daher sicherstellen, dass Bürgerinitiativen nicht nur ausreichend Raum für ihr Engagement zur Verfügung gestellt wird, sondern ebenso Schutz und Zugang zu notwendigen Informationen erhalten. Geberländer können durch finanzielle und technische Unterstützung stark dazu beitragen, den Einfluss dieser Gruppen zu stärken. Aufgrund der zentralen Bedeutung von Frauen als Mütter, Lehrerinnen, Krankenschwestern, Pflegerinnen und Betreuerinnen innerhalb ihrer Gemeinschaften können sie in diesen Gruppen eine führende Rolle einnehmen und für verantwortungsvollere Geldanlagen sowie bessere Gesundheitsversorgung und Bildung werben.

Gesetzliche Gleichstellung von Frauen und Männern: Regierungen müssen Sorge tragen, dass das Gesetz allen Bürgerinnen und Bürgern gleiche Rechte, gleichen Schutz und gleiche Chancen bietet. Eine Politik, die sicherstellt, dass Frauen politisch teilhaben können und Zugang zu Krediten erhalten, dass sie Eigentum besitzen und erben können, muss auf allen Ebenen gestärkt werden. Nur so können Frauen eine aktive Rolle innerhalb ihrer Gemeinden und Volkswirtschaften einnehmen.

Anmerkungen

1. D. Dollar, R. Fisman und R. Gatti. „Are Women Really the ‘Fairer’ Sex? Corruption and Women in Government”. Policy Research Report on Gender and Development Working Paper Series Nr. 4, Die Weltbank. http://www.huntalternatives.org/download/169_womencorruption1999.pdf