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Afrikas Zukunft ist weiblich

VORWORT

Dr. Sipho MoyoMeine Großmutter väterlicherseits — sie wurde 102 Jahre alt — war ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Sie und mein Großvater hatten sieben Kinder, drei Mädchen und vier Jungen. Obwohl sie als Lehrerin arbeitete und mein Großvater evangelisch-lutherischer Priester war, lebten sie ein relativ bescheidenes, ländliches Leben. Sie war aber eine gebildete Frau und vertrat innerhalb ihrer Familie mit großer Überzeugung die Meinung, dass alle ihre Kinder — Jungen und Mädchen — das Recht auf eine gute Ausbildung haben. Glücklicherweise konnten sich meine Großeltern das finanziell auch leisten. Meine Großmutter sagte oft, dass sie ihr letztes Hemd hergeben würde, um ihre drei Mädchen zur Schule schicken zu können, auch wenn sie einmal — etwa wegen einer Missernte — nicht in der Lage dazu wären. Sie war der festen Überzeugung: Erziehst Du einen Jungen, erziehst Du einen Mann. Erziehst Du aber ein Mädchen, erziehst Du eine ganze Nation. Diese Überzeugung vertritt meine Familie bis heute.

Die Geschichten in diesem Bericht — Geschichten von Mut, Widerstand und Erfolg unter schwierigsten Umständen — stellen nur einen sehr kleinen Ausschnitt von Frauen und ihrer Arbeit in Afrika vor. Die Geschichten zeigen aber, dass Afrikas Frauen das Rückgrat ihrer Gemeinschaften bilden. Es wird außerdem klar, dass die Zukunft Afrikas davon abhängt, inwieweit wir in der Lage sein werden, diesen Reichtum an menschlichen Fähigkeiten zu nutzen. Bisher wurde dieses große Potenzial zu wenig genutzt, nicht ausreichend gewürdigt und unterschätzt.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen fesselnden Geschichten zeigen zu können, dass der Schlüssel für die Erschließung des wirtschaftlichen Potenzials in Afrika in den Händen der Frauen liegt — in der Investition in Frauen und der stärkeren Nutzung ihres Potenzials. Viele Studien zeigen, dass eine Frau mit guter Ausbildung beste Chancen hat, nachhaltigen Wohlstand zu schaffen, da ihre Bildung zu einer Investition in ihre eigene Familie wird. Dies führt zu besserer Ernährung ihrer Familie, zu besserer Bildung und Ausbildung ihrer Kinder, zu besserer Gesundheitsversorgung und damit allgemein zu einer besseren Lebensqualität. Wenn ein Mann zusätzliches Einkommen erwirbt, wird das Geld oft eher dazu verwendet, den sozialen Status des Mannes zu verbessern.

Frauen teilen zudem eher ihr Wissen mit anderen Frauen in der Gemeinschaft. So helfen ausgebildete Frauen wiederum anderen Frauen, sich fortzubilden und selbst Wohlstand zu schaffen. Wir von ONE sprachen erst vor wenigen Wochen mit einer Gruppe afrikanischer Unternehmerinnen. Diese Frauen haben uns berichtet, wie sehr sie um den Austausch nützlicher Informationen mit ihren Kolleginnen bemüht sind. Denn sie wissen, dass diese Informationen in die Praxis umgesetzt werden und auch anderen Familien helfen können.

Die ermutigenden Geschichten der Frauen in diesem Bericht werden Sie sicherlich überraschen, denn sie zeigen eindrucksvoll, wie konsequent sich Frauen vielen großen Herausforderungen stellen: z.B. fehlender finanzieller Unterstützung für ihre Unternehmen oder nachteiligen Eigentumsregelungen. Wenn diese Frauen eine Chance bekommen, sei sie noch so gering, werden sie alle Hürden überwinden und ihre Familien, Gemeinden und Nationen aus der Armut heraus führen.

Es ist an der Zeit, in Afrikas Frauen zu investieren — für eine bessere Zukunft des Kontinents.

Dr. Sipho Moyo, Afrikadirektorin, ONE