Brennpunkte

Die Koalitionsverhandlungen

 

Am 27. September wählten die Deutschen einen neuen Deutschen Bundestag und machten so den Weg frei für eine Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP. Regierungskoalitionen aus zwei verschiedenen Parteien (wenn man CDU und CSU als eine Partei sieht) sind in Deutschland die Norm, nur in den ersten Jahren nach der Wahl waren noch mehr Parteien an der Regierungsbildung beteiligt. FDP und CDU/CSU werden sich nun darüber verständigen müssen, wie der richtige politische Regierungs-Kurs für die nächsten Jahre aussehen sollte und welche Personen diesen in den jeweiligen Bundesministerien mit umsetzen sollten. Die inhaltlichen, programmatischen Eckpfeiler werden im Koalitionsvertrag festgehalten, der ein grobes Arbeitsprogramm der neuen Regierung bildet. Von Schwarz-Gelb wurde versichert, dass man sich mit der Erarbeitung eines solchen Vertrages beeilen werde. Sondierungsgespräche entfallen und so rechnen politische Beobachter mit dem Abschluss des Koalitionsvertrages noch im Oktober. Genau vorhersagen lässt sich der Verlauf der Verhandlungen natürlich nicht. Klar ist, dass die Koalitionsverhandlungen ein wichtiger Moment für die Ärmsten dieser Welt sein können. So enthielt der Koalitionsvertrag der Großen Koalition eine Reihe von wichtigen Punkten zur Armutsbekämpfung, von denen auch viele zu einer Referenz für die weitere Arbeit wurden. Die neue Regierung aus CDU/CSU und FDP kann bereits mit dem Koalitionsvertrag zeigen, dass sie den Kampf gegen Armutsbekämpfung ernsthaft voranbringen will. Die Wahlprogramme beider Parteien enthalten eine Reihe wichtiger Punkte zur Entwicklungspolitik, diese sollten aber - wie etwa die Bekräftigung der ODA-Finanzierungszusagen - noch weiter konkretisiert werden.

Der von uns verfasste Artikel ONE fordert, dass der Kampf gegen extreme Armut fest im Koalitionsvertrag verankert wird.  Der Artikel ONE nimmt auf den Artikel 1 des Grundgesetzes Bezug, dessen erster Absatz lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Ein Leben in Würde ist ein Leben ohne extreme Armut. Diesem Prinzip gilt es Weltweit Bedeutung zu geben.

Der Artikel ONE fordert insbesondere ein gerechteres Handelsregime sowie bessere und mehr Entwicklungszusammenarbeit. So verschiedene Menschen wie Dr. Peter Ramsauer, Prof. Dr. Gesine Schwan, Katja Riemann, Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Michael Sommer und Roger Willemsen, über hundert Bundestagsabgeordnete aller Parteien und tausende Bürgerinnen und Bürger unterstützen den Artikel ONE.

Auf Grundlage des Artikel ONE haben wir ein detaillierteres Zehn-Punkte-Papier für eine starke  Entwicklungspolitik verfasst mit dem Titel „Krisen überwinden. Chancen nutzen. Globales Miteinander gestalten." ONE fordert von Unterhändlern bei den Koalitionsverhandlungen, dass sie folgende zehn Punkte für eine starke Entwicklungspolitik berücksichtigen.

1.    Nur fair gestalteter Handel ermöglicht auf Dauer eigenständige Entwicklung. Afrikanischen Produkten sollte ungehinderter Zugang zum europäischen Markt gewährt werden. Handelsverzerrende Agrarsubventionen, insbesondere Exportsubventionen, sollten abgebaut und Herkunftsregeln vereinfacht werden.

2.    Gute Regierungsführung stärken, schlechte sanktionieren. Die Förderung erfolgreicher Initiativen, wie der Extractive Industries Transparency Initiative, der Stolen Asset Recovery Initiative und des African Peer Review Mechanism sollte ausgebaut werden. In reformaversen Ländern mit schlechter Regierungsführung sollte Deutschland die Unterstützung auf reformorientierte und nichtstaatliche Akteure konzentrieren.

3.    Die Ärmste Milliarde der Menschheit muss in internationale Institutionen und Foren wie Weltbank, IWF und G20, eingebunden werden.  

4.    Die Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit muss weiter gesteigert werden, u.a. durch die Umsetzung des Operationsplan zum Accra Aktionsplan.

5.    Ein internationales Insolvenzrecht muss einen geordneten Umgang mit hochverschuldeten Staaten garantieren.  

6.    Bildung wirkt. Gegen Armut, Hunger und Krankheit.Das Ziel der universalen Grundschulbildung bedarf einer angemessenen Finanzierung, um die erreichten Fortschritte schneller als bisher auszubauen.

7.    Über 1 Milliarde Menschen hungern. Zur Bekämpfung der Nahrungsmittelkrise sollten intelligente Investitionen in die Entwicklung angepassten Saatguts, die Verbesserung der ländlichen Infrastruktur und landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten getätigt werden.

8.    Im Gesundheitsbereich sollte die Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria und der GAVI-Allianz ausgebaut werden. Aufgrund der Vielzahl an Gebern und Akteuren ist eine effizientere Koordination und Ausrichtung an den Prioritäten der Partnerländer notwendig.

9.    Mittel für Entwicklungszusammenarbeit sind Investitionen zur Gestaltung eines globalen Miteinanders. Diese müssen, wie zugesagt, bis 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens steigen. In einem Stufenplan sollte dargelegt werden, wie die Zielmarke von 0,7 Prozent bis 2015 erreicht wird. Die Hälfte der Erhöhungen sollte den Ländern Afrikas südlich der Sahara zukommen.

10. Afrika trägt kaum zum Klimawandel bei, muss aber den Großteil der Folgen tragen. Im Rahmen der Klimaverhandlungen sollte deshalb eine ausreichende Finanzierung internationaler Anpassungsmaßnahmen sichergestellt werden. Hierzu können unter anderem die Erlöse aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten verstärkt genutzt werden.

 

Politik Aktuell

Hintergrundpapiere

  • Das Afrika-Konzept der Bundesregierung – Kurzanalyse

    16.06.2011

    Die Bundesregierung hat unter Federführung des Auswärtigen Amtes am 15. Juni 2011 ein ressortübergreifendes Konzept für den afrikanischen Kontinent vorgestellt. Dass es nun ein regierungsweites Afrikakonzept gibt, das die Potenziale und Chancen des Kontinents hervorhebt, ist zu begrüßen. ONE analysiert zentrale Passagen des Papiers mit dem Fazit: Rechenschaftspflicht und Verbindlichkeit sind die Schlüssel zu Vertrauen und Erfolg. WEITERLESEN

  • Entwicklungszusammenarbeit

    01.09.2010

    Entwicklungszusammenarbeit spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut und vermeidbare Krankheiten.
    WEITERLESEN

  • Einzelpläne zum Bundeshaushalt 2010

    22.06.2010

    Auf der Website des Bundesfinanzministeriums kannst du dir alle Einzelpläne des Bundeshaushalts 2010 ansehen. Der Einzelplan 23 enthält den Haushalt des Bundesministeriums für wirtschafliche Zusammenarbeit und Entwicklung und somit den Großteil der geplanten deutschen Entwicklungsausgaben im Jahr 2010. WEITERLESEN

  • Der Artikel ONE im Koalitionsvertrag

    27.10.2009

    Eine ausführliche Analyse der Aussagen zur Entwicklungszusammenarbeit im aktuellen Koalitionsvertrag und ein Vergleich mit den Forderungen im Artikel ONE.
    WEITERLESEN

One Blog

Aus dem ONE Blog

06 05
2010

Großbritannien wählt – ONE Vote 2010 ist mitten drin

Von Carola Bieniek

Heute wurde in Großbritannien gewählt. Und während wir gespannt auf die Ergebnisse warten, haben wir Gelegenheit, die abwechslungsreiche Wahlkampagne unserer britischen Kollegen, ONE Vote 2010, noch einmal Revue passieren zu lassen. Alles begann mit unserem eigenen Wahlprogramm. Unter dem Titel One Vote 2010: A Manifesto for International Development beschreiben wir ... Weiterlesen

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08 02
2010

Frank von Behren überreicht Staatssekretär Kampeter Artikel ONE

Von Alicia Blázquez

Erinnert Ihr Euch noch an den Artikel ONE? Richtig, der Artikel ONE enthielt unsere entwicklungspolitischen Kernforderungen an die nächste Bundesregierung und wurde von über 6.300 Menschen unterzeichnet, darunter ca. 120 Bundestagsabgeordnete, aber auch viele Intellektuelle, Künstler und Sportler. Zu den prominenten Unterzeichnern des Artikel ONE gehört auch Frank von ... Weiterlesen

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04 12
2009

Wir haben unseren RSS-Feed aktualisiert

Von Carola Bieniek

Wir haben ein paar technische Probleme mit unseren RSS-Feed behoben. Wenn ihr die neuesten Beträge bequem per E-Mail-Programm oder Feedreader eurer Wahl lesen wollt, geht im ONE Blog einfach auf „RSS-Feed abonnieren" und erhaltet die neuesten Blog-Beiträge immer bequem zugeschickt. Weiterlesen

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26 10
2009

Entwicklungszusammenarbeit im neuen Koalitionsvertrag - eine erste Analyse

Von Tobias Kahler

Weniger als einen Monat nach den Bundestagswahlen stellte die zukünftige schwarz-gelbe Regierung am Samstag ihren Koalitionsvertrag der Öffentlichkeit vor. Mit diesem werden die Grundlinien der Regierungsarbeit der kommenden Legislaturperiode skizziert. Der Abschnitt 8, zum Abschluss des 124-Seiten-Dokuments, beschäftigt sich mit der Entwicklungspolitik. Die Millennium-Entwicklungsziele werden im Koalitionsvertrag als das zentrale ... Weiterlesen

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22 10
2009

studiVZ und meinVZ für ONE

Von Alicia Blázquez

In den letzten Monaten haben wir viele Unterschriften für den Artikel ONE gesammelt, unter anderem bei studiVZ & meinVZ. Unten seht Ihr einen Teil des Teams bei VZ, ganz stolz in ONE-Shirts gekleidet. Das VZ-Team ist in den vergangenen Monaten eine tolle Unterstützung gewesen, in vielerlei Hinsicht. Es hat uns z ... Weiterlesen

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21 10
2009

Nachrichtenschau – 21. Oktober 2009

Von Carola Bieniek

Übergabe Artikel ONEJunge Welt und die Agenturen AFP und epd berichten über die Übergabe des Artikel ONE und der Taschentücher mit Stimmern aus Tansania gestern im Bundestag. Insbesondere die Aussage des CDU/CSU-Fraktionschefs Volker Kauders, dass er gegen die Abschaffung des BMZ sei, wird dabei mit besonderem Interesse verfolgt.Noch ... Weiterlesen

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Presse

Pressemitteilungen zum Thema

  • Afrikaversprechen der G8 führte zu „historischen Ergebnissen“, sagt neueste Studie

    25.05.2010

    Berlin. Die Versprechen, die den Ländern Afrikas vor fünf Jahren auf dem Gipfel von Gleneagles gegeben wurden haben sowohl zu einer Erhöhung von Entwicklungsfinanzierung als auch einer Zunahme lebensrettende Entwicklungserfolge in historischem Ausmaß geführt. Das ist die vorläufige „Abschlussbeurteilung" einer Studie der entwicklungspolitischen Organisation ONE, die heute in Berlin, Paris, London und Ottawa präsentiert wird. WEITERLESEN

  • Neue OECD-Zahlen zeigen Licht und Schatten für Afrika

    14.04.2010

    Berlin. Die entwicklungspolitische Organisation ONE sieht Licht und Schatten in den heute von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichten Zahlen zur Entwicklungsfinanzierung des Jahres 2009. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Skandinavien sowie die Benelux-Länder stehen an der Spitze der Geber. Italiens Leistung bleibt miserabel und Kanada kürzte 2009 sowohl die weltweiten Entwicklungsmittel als auch die Mittel für Sub-Sahara-Afrika. WEITERLESEN