Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt werden sich im Dezember in Kopenhagen treffen, um ein neues Klimaabkommen zu beschließen. Afrika hat am wenigsten zum Klimawandel beigetragen - die Vereinten Nationen haben gar ermittelt, dass nur 3,6% der weltweiten CO2-Emmissionen aus Afrika kommen. Dennoch wird der Kontinent als erster und am schlimmsten vom Klimawandel betroffen: davon zeugen zum Beispiel schwere Überflutungen in Sambia und Mosambique und die Verschiebung der Regenzeiten in Uganda und Südafrika. Riesige Gebiete überall in Afrika erleben Dürreperioden, die intensiver sind und sich länger hinziehen. Wahrscheinlich sind dies jedoch nur die ersten Anzeichen für das, was noch folgen wird. Der Weltklimarat (IPCC) hat ermittelt, dass einige Gebiete bis 2020 einen Rückgang ihrer Erträge aus Getreideanbau ohne künstliche Bewässerung um bis zu 50% erleiden könnten. Weitere 75 bis 250 Millionen Menschen würden vom Wassermangel betroffen.
Doch es genügt nicht, die Zahl derer zu minimieren, die durch den Klimawandel noch weiter in die Armut gestoßen werden. Die Weltgemeinschaft muss Mittel und Wege finden, mit denen sie den Menschen Afrikas hilft, die Erfolge der letzten Jahre zu erhalten. Die betroffenen Regionen werden erhebliche Ressourcen benötigen, um sich an diese neuen Herausforderungen anzupassen. Diese Mittel müssen in den Ländern aufgebracht werden, die für den Großteil der Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich sind: den Industriestaaten.
Die gute Nachricht ist, dass Afrika zu einer globalen Lösung beitragen kann, die nicht wieder gut zu machende Schäden am Klima vermeidet: die weitläufigen Regenwälder in Afrika binden Kohlendioxid und senken somit die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Programme, die auf einer nachhaltigen Bewirtschaftung dieser Wälder und nachhaltige Landwirtschaft aufbauen, könnten dabei helfen, diese natürlichen Kohlenstoffsenken zu erhalten und zu erweitern. Außerdem bietet der afrikanische Kontinent umfangreiche und bisher fast ungenutzte Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energien: 0,3% der Oberfläche der Sahara würden ausreichen, um in solarthermischen Kraftwerken genügend Energie für die EU, Nordafrika und den Nahen Osten zusammen zu gewinnen. Darüberhinaus besitzen viele afrikanische Länder die besten Voraussetzungen für die Energieerzeugung aus Wasser oder Erdwärme - oder sogar beidem.
Bis Dezember dieses Jahres werden sich Delegationen aus der ganzen Welt zu verschiedenen Verhandlungsmarathons zusammenfinden, um am Ende in Kopenhagen ein neues und effektives Klimaabkommen zu beschließen. Dieses „Kopenhagener Protokoll" wird dann 2012 das bestehende schwache Kyotoprotokoll ablösen. Und diese Verhandlungen haben nicht nur die Aufmerksamkeit der Zivilgesellschaft, sondern auch die Aufmerksamkeit des Privatsektors auf sich gezogen. Die Lösung, auf die sich die Weltgemeinschaft verständigt, muss zwei Aspekte vereinen: Klimawandel, der nicht rückgängig gemacht werden kann, vermeiden und den Kampf gegen Armut voranbringen - denn nur Länder mit guten Gesundheitssystemen, einem produktiven Agrarsektor und einer stabilen Infrastruktur sind in der Lage, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.
Afrikanische Länder „klimasicher" zu machen wird Milliarden Euro kosten. Und um diese Mittel aufzubringen, werden innovative Mechanismen benötigt. Auf den Verhandlungstischen der Klimaexperten liegen derzeit mehrere Vorschläge dazu: zum Beispiel eine CO2-Steuer auf Flugreisen oder den Transport auf dem Seeweg sowie ein weltweites System zur Versteigerung von Emissionsrechten. Der öffentliche Druck auf die Verhandlungen, ertragreiche und planbare innovative Finanzierungsmechanismen auszuwählen, die genügend Mittel zusätzlich zu bestehenden Entwicklungsmitteln generieren, wird massiv sein.
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